APA/ROLAND SCHLAGER

Nach Menschenhandelsverdacht: Borealis führt Bauprojekt fort

03. Okt. 2022 · Lesedauer 2 min

Im August stoppte die OMV-Tochter Bauarbeiten in Belgien, nachdem der Verdacht aufkam, dass zahlreiche Arbeiter mutmaßliche Opfer von Menschenhandel waren. Verantwortlich war laut OMV ein Subunternehmen, die Zusammenarbeit wurde beendet.

Die Angelegenheit werde weiterhin "mit höchster Priorität untersucht", es seien aber noch andere Unternehmen involviert, was die Untersuchungen komplizierter mache, schrieb Borealis heute in einer Stellungnahme gegenüber der APA. Auch könne man nur begrenzt Informationen offenlegen, weil in dem Fall behördlich ermittelt werde.

Borealis versicherte, eng mit der Sozialinspektion in Belgien zusammenzuarbeiten, um deren Untersuchungen voranzutreiben. "Diese Untersuchungen dauern noch an, wir können zum Ausgang der Untersuchungen daher noch keine Auskunft geben. Da die betroffenen Mitarbeiter nicht von Borealis angestellt wurden, haben wir keine Zugang zu deren Daten", hieß es in der Stellungnahme weiter.

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Neu-Ausschreibung des Auftrags 

Die Unternehmen IREM und Ponticelli hätten sich den Auftrag ursprünglich geteilt. Im Rahmen eines Joint Ventures (IREM-Ponticelli) hätten die Unternehmen den Auftragsumfang intern in zwei Teile geteilt, so Borealis. IREM sei dabei für 80 Prozent der Bauarbeiten und für 80 Prozent der durchschnittlich 1.200 Arbeiter verantwortlich gewesen.

Aufgrund von "Nichtkonformität mit grundlegenden Vertragsprinzipien", habe Borealis den Vertrag mit IREM im August aufgelöst. Die offenen Verträge seien daraufhin neu ausgeschrieben worden, "Ponticelli hat den Auftrag erhalten, den sie auch in der ursprünglichen Aufstellung hatten", so Borealis. Für den verbliebenen Umfang der Bauarbeiten sei noch eine Neuausschreibung notwendig. Die Bauarbeiten würden ab heute, Montag, schrittweise wieder aufgenommen.

Verstärkte Überprüfung von Kontraktoren

Um Kontrollmängel bei Auftragnehmern und Sub-Auftragnehmern zukünftig zu erkennen und zu beheben, will Borealis Mitarbeiter und Auftragnehmer auffordern, die Ethik-Hotline des Unternehmens zu nutzen. Das System entspreche den neuen Anforderungen der EU-Whistleblower-Richtlinie und sei für Mitarbeiter und Externe zugänglich. Darüber hinaus habe Borealis sein Überprüfungsverfahren für Kontraktoren verstärkt und lasse Auftragnehmer vor dem Einsatz auf der Baustelle nun eine verbindliche Erklärung unterschreiben, dass Arbeits-, Sozialversicherungs- und Steuergesetze vollständig eingehalten werden.

Franziska SchwarzQuelle: Agenturen / Redaktion / frn