APA - Austria Presse Agentur

Milchwirtschaft will sich für faire Preise einsetzen

01. Juni 2021 · Lesedauer 3 min

Die heimischen Milchbauern wollen sich in Zukunft offensiver für einen fairen Milchpreis einsetzen. Branchenvertreter fordern einen strengeren Bezeichnungsschutz und eine verpflichtende Herkunftsbezeichnung für Milch. Zudem wolle man eine Bauern-Ombudsstelle zur Bekämpfung unfairer Geschäftspraktiken umsetzen.

Die heimischen Milchbauern sollen für ihr Produkt fair entlohnt werden. Dafür will sich die Milchwirtschaft in Zukunft mit mehr Vehemenz einsetzen, damit nicht trotz stärker steigender Anforderungen an die Milchbauern aufgrund niedrigerer Weltmarktpreise immer weniger bezahlt wird. "Wir müssen offensiver sein, bevor sich die Lage noch mehr zuspitzt", sagte Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger am Montag in einem Hintergrundgespräch.

"Steigende Ansprüche" und "harter Preiswettbewerb"

Eine sehr kleinteilig strukturierte heimische Milchwirtschaft stehe einem stark konzentrierten Handel gegenüber. Die Preise im Handel würden aber vom internationalen Milchpreis bestimmt. Die internationale Produktion entspreche häufig nicht den heimischen Ansprüchen an eine tier- und umweltgerechte Erzeugung, daher könne daher auch nicht das gleiche Preisniveau angesetzt werden, so die Argumentation.

Zum harten Preiswettbewerb kämen jedoch gleichzeitig steigende Ansprüche an eine nachhaltige Bewirtschaftung des Landes von politischer Seite, aber auch vonseiten der Gesellschaft. Diesen Ansprüchen wolle man auch weiterhin gerecht werden, der Preis solle diese Anstrengungen aber auch widerspiegeln. "Wir wollen nicht bei Qualität und Nachhaltigkeit nachlassen, aber das muss auch in mehr Wertschöpfung am Markt umgesetzt werden", so Moosbrugger.

Um diese Forderung nach fairer Vergütung umsetzen zu können, müsse sich die Branche besser am Markt positionieren. Um das zu schaffen, wurden mithilfe einer Expertenbefragung Leitlinien entwickelt, die ein gemeinsames Vorgehen innerhalb der Branche erleichtern sollen.

Forderung nach strengeren Bezeichnungsschutz

Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), forderte im Zusammenhang mit dem vorgestellten Leitfaden einen strengeren Bezeichnungsschutz für Milch ein, um sich gegen Imitate abgrenzen zu können. Darüber hinaus brauche es eine verpflichtende Herkunftsbezeichnung. "Der Kunde hat auch das Recht zu erfahren, wo seine Ware herkommt", sagte Petschar. Dringend notwendig sei hierfür auch die Unterstützung seitens der nationalen und EU-Politik. Die Herkunftsbezeichnung stehe im heimischen Regierungsprogramm und müsse umgesetzt werden, sagte Moosbrugger.

Weiters müsse über die Verteilung der Margen innerhalb der Wertschöpfungskette nachgedacht werden, sagte Josef Plank, Leiter der Agrarabteilung beim Österreichischen Raiffeisenverband (ÖRV). Ein Cent Wertverlust beim Milchpreis entspreche einer deutlichen Einbuße beim Gehalt der Milchbauern. Die großen Abnehmer am heimischen Markt, also der Lebensmitteleinzel- und Großhandel, müssten sich zu heimischen Milchprodukten bekennen anstatt zu "Dumpingimporten".

Bauern-Ombudsstelle soll "rasch" umgesetzt werden

Eng damit verbunden sei auch das Thema der unlauteren Geschäftspraktiken. Eine Bauern-Ombudsstelle zur Bekämpfung unfairer Geschäftspraktiken müsse rasche eingerichtet werden. "Hier ist Handlungsbedarf, das auch wirklich auf die Reihe zu bringen", so Plank. Die Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) hatte eine solche Stelle bereits im November 2018 angekündigt. Die Ombudsstelle ist Teil einer EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP) in der Lebensmittelkette. Diese hätte bis 1. Mai in nationales Recht in umgesetzt werden müssen.

Die jüngste Wiederöffnung der Gastronomie und des Tourismus nach dem Lockdown würde jedenfalls positiv auf die Branche wirken, so Petschar. Man hoffe, dass die Situation mit steigender Durchimpfungsrate besser werde und dass sich das dann auch auf die Bauernmilchpreise auswirken werde.

Quelle: Agenturen / red