APA - Austria Presse Agentur

Metaller-Verhandlungen: "Es wird zu Arbeitsniederlegungen kommen"

02. Nov 2021 · Lesedauer 3 min

Am Dienstag sind die Kollektivvertragsverhandlungen in der Metalltechnischen Industrie in die vierte Runde gegangen. Gibt es keine Einigung, dann folgen bereits am morgigen Mittwoch Kampfmaßnahmen der Belegschaft.

"Es wird zu Arbeitsniederlegungen kommen", wenn es keine Einigung gibt, so Rainer Wimmer, Chef der Produktionsgewerkschaft PRO-GE, zu Ö1. Die Gewerkschaften fordern 4,5 Prozent Lohnerhöhung, die Arbeitgeber bieten 2,3 Prozent.

Am Dienstagabend ist etwas Bewegung in die Gespräche gekommen, so beide Verhandlungsseiten zur APA. Sowohl beim Rahmenrecht wie den Zulagen als auch bei der Erhöhung der Ist- und Soll-Löhne sollen sich beide Seiten näher gekommen sein. Nach einer Stärkung wird nun wieder in der Wirtschaftskammer weiter verhandelt, eine Deadline gibt es nicht.

Die Forderungen der Gewerkschaft

Neben der Erhöhung der Löhne und Gehälter wird in der KV-Runde auch um das Rahmenrecht und die Höhe der Lehrlingsentschädigung gefeilscht. Die Zulagen für die 2. und 3. Schicht bzw. für die Nachtarbeit sollen künftig verdreifacht (auf 1,50 Euro pro Stunde) bzw. verdoppelt (auf 5 Euro pro Stunde) werden, so die Forderung der Gewerkschaften PRO-GE und GPA heute zu Beginn der Verhandlungen. Weiters fordern die Arbeitnehmervertreter einen selbstbestimmten Verbrauch von Gleitzeitguthaben in ganzen Tagen und eine Erhöhung der Lehrlingseinkommen auf 1.000 Euro (1. Lehrjahr), 1.300 Euro (2.), 1.600 Euro (3.) und 2.000 Euro (4. Lehrjahr).

Im Vorjahr gab es nach nur einer Verhandlungsrunde eine Einigung auf 1,45 Prozent Lohn- und Gehaltserhöhung, bei einer Jahresinflation von 1,4 Prozent. Die Abschlüsse anderer Branchen im heurigen Herbst haben bisher eine große Bandbreite. Zuletzt gab es eine Einigung mit den Gebäudereinigern, sie erhalten ein Plus von 3,5 Prozent. Zuvor schlossen die Wiener Kinos bei 1,3 Prozent ab. Bei der Brotindustrie steigen die Einkommen um 2,11 Prozent. Wobei die Metaller traditionell höher abschließen als der Schnitt aller Branchen, etwa als die knapp eine halbe Million Handelsangestellten, die sich ebenfalls gerade in der Herbstlohnrunde befinden.

Streikfreigabe schon geholt

Kommen sich die Sozialpartner bei den Prozenten nicht näher, könnten sie sich noch auf eine Einmalzahlung einigen. Dies wird aber von den Gewerkschaften nicht so gern gesehen, denn ein einmaliger Zuschlag wäre bei den nächstjährigen Lohnverhandlungen nicht nachhaltig. Möglich wäre auch ein Entgegenkommen der Arbeitgeber bei der sechsten Urlaubswoche oder einer weiteren Arbeitszeitflexibilisierung. Eine Streikfreigabe vom Bundeskongress des ÖGB haben sich PRO-GE und GPA jedenfalls schon geholt.

Zweite Runde beim Handels-KV

Nach den Metallern gehen auch die Kollektivvertragsverhandlungen für die Beschäftigen im Einzel-, Groß- und Kfz-Handel weiter. Ab 11 Uhr feilschen am Mittwoch die Sozialpartner um die Gehälter von rund 415.000 Angestellten und 15.000 Lehrlingen. Die zentralen Forderungen der Gewerkschaft sind ein deutliches Gehaltsplus, eine höhere Abgeltung für Mehr- und Nachtarbeit sowie längerer Urlaub. Die Arbeitgeber bremsen allzu große Hoffnungen, die Krise sei noch nicht vorbei.

Eine konkrete Gehaltsforderung liegt noch nicht auf dem Tisch. Ein Abschluss heute gilt als sehr unwahrscheinlich, zumal bereits für 11. November ein weiterer Verhandlungstermin reserviert wurde.

Quelle: Agenturen / Redaktion / koa