APA - Austria Presse Agentur

Mattersburg-Bank: Fake-Kredite schon vor 1992

21. Aug 2020 · Lesedauer 3 min

Die Bilanzfälschungen in der Commerzialbank Mattersburg sollen schon vor 1992 begonnen haben und damit früher als bisher angenommen.

Am Freitag zitierte das "ORF"-Morgenjournal aus einem Einnahmeprotokoll ein Geständnis von Ex-Commerzialbank-Chef Martin Pucher vom 30. Juli. Demnach soll er schon vor dem Jahr 1992 mit Bilanzfälschungen begonnen haben. Damals gehörte die Bank noch der Raiffeisen.

Vor 1992 habe es höchstens einzelne Fake-Kredite gegeben, später sei es um zig Millionen für den SV Mattersburg gegangen und um Bargeld für Kreditnehmer - für deren marode Betriebe, wo dann wiederum Rechnungen fingiert worden seien, damit Scheinumsätze entstünden. Die Bank habe damit frühere Kredite selber nicht verloren.

Seit 1992 habe er grob geschätzt 40 Millionen Euro unrechtmäßig entnommen, dieses Geld sei zur Gänze an den SV Mattersburg geflossen, so Pucher laut dem zitierten Einvernahmeprotokoll. An Firmen habe es zudem Bargeld gegeben.

Übergaben hätten größtenteils in der Bank, aber auch bei ihm zu Hause, in der Firma oder auf einem Parkplatz gegeben. Pucher belastet auch seine damalige Stellverteterin in der Bank. Sie hätte Bargeldbeträge teilweise selbst in die Hand bekommen und Verschleierungshandlungen getätigt, so Pucher laut Protokoll.

Einer der laut "ORF"-Radio im Einvernahmeprotokoll genannten vier begünstigten Kreditnehmer sei Aufsichtsrat der Bank gewesen.

Beim SV Mattersburg habe er bezüglich der 40 Millionen auch gelogen, und erklärt, es handle sich um Sponsorengelder. Aus seiner Sicht habe beim SV niemand erkannt, woher das Geld kommt, wird Pucher zitiert. Jedenfalls habe ihn niemand danach gefragt.

Weitere Details zu Whistleblower-Tipps aus 2015

Ein Informant aus der Mattersburger Commerzialbank hat sich im Jahr 2015 mit Tipps zu den Malversationen an die Behörden gewandt. Das war bereits bekannt. Nun gibt es weitere Details zu den Hinweisen. Das geht aus einem Ermittlungsakt-Auszug hervor, der dem "ORF "vorliegt.

 

Vorstandsvorsitzender Martin Pucher schafft seit Jahren Millionen zur Seite. (...) Dieses Geld wird verwendet (...) im Fußballverein Mattersburg (...) sowie zur persönlichen Bereicherung.

Whistleblower im Jahr 2015

Am 2. Juli 2015 ging die schriftliche Stellungnahme bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ein. Der Informant wies die Behörden auf die Unregelmäßigkeiten in der Bank hin. "Vorstandsvorsitzender Martin Pucher schafft seit Jahren Millionen zur Seite. (...) Dieses Geld wird verwendet (...) im Fußballverein Mattersburg (...) sowie zur persönlichen Bereicherung." 

Der Informant beschrieb wie der damalige Commerzialbank-Chef Pucher vorging: "Zu diesem Zweck hat er falsche Konten angelegt. Die lauten zwar auf den Namen von physischen (...) Personen. Diese haben jedoch keine Ahnung (...) und wissen auch nicht, dass 'ihre' Konten heillos überzogen sind (...) mit 6- oder 7-stelligen Beträgen".

Er wies außerdem darauf hin, dass diese Fake-Konten zwei besondere Merkmale hätten: Die Familiennamen seien in Großbuchstaben geschrieben, während die normalen immer klein geschrieben werden und die ersten beiden Ziffern der Kontonummer seien immer 58 - versteckte, interne Codes, von denen einige Bankmanager Kenntnis hätten.

Die WKStA reagierte am Folgetag und verlangte weitere Auskünfte zu den "falschen Konten". Er habe leider keine präzise Zahl, schrieb der Whistleblower. "Es sollte doch mit meiner Information ein Leichtes sein, (...) die Konten zu finden und die Kontoinhaber zu kontaktieren?", so der Tippgeber. Der Schriftverkehr zwischen der Staatsanwaltschaft und dem Informanten ging einige Male hin und her. Die Staatsanwaltschaft gab dann diese Informationen an die Finanzmarktaufsicht (FMA) weiter. Die FMA und die OeNB-Bankprüfer konnten damals die anonymen Vorwürfe nicht verifizieren.

Der Artikel wurde am 21.08.2020 um die Angaben des Whistleblowers ergänzt.

Quelle: Agenturen / apb