APA - Austria Presse Agentur

Matterburg-Bank: Ex-Vorständin Klikovits geständig

25. Aug 2020 · Lesedauer 3 min

Franziska Klikovits, Ex-Vorständin der Commerzialbank Mattersburg, hat nach Bankchef Pucher ein Geständnis abgelegt. Sie gab jahrelange Bilanzfälschungen zu und übergab den Behörden Beweismaterial.

In der Causa um die Commerzialbank Mattersburg ist nun auch die Ex-Vorständin Franziska Klikovits geständig. Das berichtete der "ORF Burgenland", dem das Vernehmungsprotokoll der Bankmanagerin vorliegt. Demnach seien Ex-Bankchef Martin Pucher und Klikovits schon länger ein eingespieltes Team gewesen. Sie soll sich nicht persönlich bereichert haben.

670 Millionen Euro in Bank-Bilanz frei erfunden

Die Ex-Vorständin gestand, dass sie zusammen mit Pucher jahrelang die Bilanzen der Commerzialbank manipuliert habe. "Ich habe die Manipulationen in den Systemen vorgenommen und bei papierhaften Ausfertigungen wirkte Herr Pucher mit. Ein weiterer Mitarbeiter der Bank oder der dritte Vorstand waren dabei nicht involviert", wird Klikovits vom "ORF" zitiert. Rund 670 Millionen Euro der Commerzialbank-Bilanz seien in Summe frei erfunden.

Pucher hatte Idee für Fälschung

Die Ideen für die Fälschungen seien von Pucher gekommen, sie selbst habe es technisch durchgeführt, habe Klikovits bei der Einvernahme erklärt. Sie beschreibt auch, wie der Betrug funktioniert haben soll: "Teilweise wurden bei bestehenden Kunden neue, fingierte Kreditkonten eröffnet und teilweise habe ich als Kunden infrage kommende Personen in der Grundbuchdatenbank und im Firmenbuch gesucht und Pucher traf dann die Auswahl. Diese Personen hatten gar keine reale Geschäftsbeziehung zur Commerzialbank Mattersburg".

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Persönlich bereichert habe sie sich aber nicht. "Ich persönlich für mich habe kein Geld entnommen. In die Hand bekommen habe ich es schon, aber ich habe es nicht für mich behalten", soll Klikovits, für die die Unschuldsvermutung gilt, laut dem Vernehmungsprotokoll gesagt haben.

Klikovits habe auch mehrmals kündigen wollen, Pucher habe sie jedoch mehrmals wieder überredet in der Bank zu bleiben. Sie habe gehofft, die Fälschungen irgendwann wieder bereinigen zu können. "Hätte ich damals gekündigt, hätte der Herr Pucher alleine vermutlich nicht geschafft, das zu verstecken," wird Klikovits zitiert.

Prüforgane haben Fälschungen nicht bemerkt

In der Bankbilanz seien rund 350 Millionen Euro an Kundenkrediten ausgewiesen worden. 180 Millionen davon sollen fingiert gewesen sein. In ihrer Einvernahme verweise Klikovits auch mehrfach auf Datenträger, die sie den Ermittlern übergeben habe: "Auf den USB-Sticks und auf der Festplatte befinden sich umfangreiche Daten, die die vollständige Aufklärung der Causa sicherstellen werden".

Die Prüforgane der Bank sollen von den Unregelmäßigkeiten laut Klikovits aber nichts mitbekommen haben. "Aus meiner Sicht hat die TPA niemals Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei den Prüfungen festgestellt und ich wurde auch nie auf Unstimmigkeiten von den Prüfern der TPA angesprochen. Auch der Aufsichtsrat der Commerzialbank Mattersburg hat niemals Hinweise auf Unregelmäßigkeiten festgestellt", soll die Ex-Vorständin ausgesagt haben.

Quelle: Agenturen / apb