Mangott: Putin treibt "durchkalkuliertes gemeines Spiel"

06. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

Der Politikwissenschafter Gerhard Mangott spricht im Newsroom LIVE über die Getreideblockade und die Bedeutung des Öllieferstopps aus Kasachstan.

Ob Putin das Gas abdreht, würden wir dann sehen, "ob Russland während dieser Wartungsphase tatsächlich mehr Gas über das ukrainische Gasleitungsnetz exportiert". Das sei auch bei früheren Wartungsarbeiten der Fall gewesen, so der Politikwissenschafter Gerhard Mangott. Sollte das jedoch nicht der Fall sein, "dann ist das schon ein Hinweis darauf, dass Russland die Wartungsperiode verlängern könnte." Eine generelle Wiederinbetriebnahme von Nord Stream 1 sei damit "fraglich", einen Lieferstopp hält Mangott "für durchaus möglich".

Auf die Frage, ob die Gasdrosselung nicht die Kriegsfinanzierung Russland behindert, meint der Politikwissenschafter, dass "für den russischen Staatshaushalt die Einnahmen aus dem Öl-Export wichtiger" seien. Trotz hoher Rabatte auf Öl-Lieferungen an China und Indien, seien die Einnahmen dafür hoch. Außerdem ende der Öl-Export in die EU erst mit Ende des Jahres.

Öl-Lieferstopp nach Kasachstan "politischer Beschluss"

Öl ist es auch, wofür Russland einen Lieferstopp nach Kasachstan verhängt hat. Der offiziellen Begründung, wonach "das Pipelinekonsortium für eventuelle Notfälle nicht vorgesorgt hat", kann Mangott keinen Glauben schenken, schließlich habe man dazu bis November Zeit bekommen.

Es handle sich vielmehr um einen "politischen Beschluss", der sowohl als Signal an die EU gedeutet werde könne, um weiter Druck auszuüben oder an Kasachstan, dass sich gegen eine Anerkennung der Separatisten-Republiken Russlands aussprach.

Doch "Russland kann Kasachstan nicht über die Maßen verärgern", ist Kasachstan doch Mitglied des Eurasischen Wirtschaftsbundes. Zudem würde das die "wirtschaftliche Integration Kasachstans nicht fördern".

Lösung der Getreideblockade unwahrscheinlich

Beim Ende der Getreideblockade sind keine Fortschritte zu erwarten. Derzeit werde verhandelt, ob das "Getreide nicht international geschützt die Häfen verlassen kann". Doch dazu müsse die Ukraine erst die Häfen entminen. Russland wiederum "müsste zulassen, dass ausländische Schiffe unter Militärschutz" das Getreide aus den Häfen bringen. "Das wird Putin nicht zulassen." Putin sei klar, dass er mit seinem Vorgehen die "Preise für Getreide auf dem Weltmarkt in die Höhe treibt". Er treibe damit ein "durchkalkuliertes gemeines Spiel", schließt Mangott.

Maximilian SperaQuelle: Redaktion / msp