Kopf über den Arbeitsmarkt: Unternehmer müssen "ganz schön tanzen"

15. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

Der Leiter des AMS, Johannes Kopf, analysiert im Newsroom LIVE die aktuellen Arbeitslosenzahlen und welche Auswirkungen die angekündigten Lockerungsschritte sowie die Impfpflicht auf den Arbeitsmarkt haben werden.

Für Kopf zeigen die aktuellen Arbeitslosenzahlen, dass es im letzten Jahr zu "unglaublich dynamischen Entwicklungen" gekommen ist, welche niemand vorhergesehen hatte. Aktuell befinde sich die Arbeitslosigkeit auf dem niedrigsten Niveau seit 10 Jahren – man sei besser unterwegs als im letzten Monat vor der Pandemie.

Im Moment lasse sich das Wirtschaftswachstum nur mit jenem aus den siebziger Jahren vergleichen. "Ich freue mich, dass ich so eine Entwicklung als AMS-Chef erleben darf", sagt Kopf. Schwierigkeiten und Einschränkungen aufgrund der Pandemie lassen sich dennoch noch in gewissen Branchen – wie dem Tourismus und der Gastronomie – finden.

Sinkende Langzeitarbeitslosigkeit

Für den AMS-Leiter sei die Kombination aus Geld zur Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit und das Wirtschaftswachstum etwas, das sich im Moment sehr bezahlt mache. Aktuell sinke die Zahl der Langzeitarbeitslosigkeit sehr schnell – das sei "ungewöhnlich", auch wenn man sich noch nicht auf dem Vorkrisen-Niveau befinde.

Das Modell der Kurzarbeit könnte laut Kopf im Idealfall "in der Jahresmitte" auslaufen. Hierzu könnten sowohl die angekündigten Lockerungen als auch saisonale Entwicklungen – wie etwa in der Baubranche – beitragen. Sie könnten auch zu einer weiteren Reduktion der Arbeitslosigkeit führen.

Es könne sich zu einem Jahr entwickeln "in dem wir viel mehr über Arbeitskräftemangel reden werden als über Arbeitslose", so Kopf.

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Impfpflicht schafft auch Jobs

Angesprochen auf die Impfpflicht in gewissen Branchen und daraus folgende Kündigungen merkt der AMS-Leiter an, dass es hier nur eine geringe Anzahl an Personen gäbe, die dadurch wirklich ihr AMS-Geld gesperrt bekommen würden.

Es zeige sich, dass es sich hierbei um ein "emotionales, theoretisches" Thema handle und um kein praktisches. Spannend findet Kopf, dass aufgrund der Impfpflicht auch Jobs geschaffen werden: Vor allem in öffentlichen Behörden werden Menschen für die Abwicklung der kommenden Impfpflicht-Strafverfahren gesucht.

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Jobwechsel aktuell attraktiver

Zum erst kürzlich veröffentlichten Arbeitsklimaindex, in welchem herausgekommen ist, dass ein Viertel aller Befragten ihren Job wechseln wollen, meint Kopf, dass die Situation hierfür im Moment ideal sei. Es gäbe einen "Boom an offenen Stellen". So entsteht auch der Wunsch und die Bereitschaft für einen Jobwechsel.

Da auch immer weniger EU-Bürger auf den österreichischen Arbeitsmarkt drängen würden, müssen Unternehmen und Arbeitgeber künftig "ganz schön tanzen", damit sie neue Kräfte bekommen. Wir befinden uns in einer Entwicklung in Richtung eines "Arbeitnehmermarktes".

Jan ForoboskoQuelle: Redaktion / foj