APA/APA (Schneider)/HARALD SCHNEIDER

IHS-Ökonom: Grüner Wasserstoff einzige nachhaltige Alternative zu Erdgas

08. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Für IHS-Ökonom Christian Kimmich zeigt die Aufregung um Kanzler Nehammers Vorschlag der Gewinnabschöpfung bei Krisengewinnern, wie wichtig es sei, die Gewinnung von Alternativen zu fördern. Für ihn sei das klar grüner Wasserstoff, den Österreich "schleunigst" benötigt.

Derzeit definiert das teuerste zugeschaltete Kraftwerk den allgemeinen, aktuell gültigen Strompreis. In der Regel ist das derzeit ein Gaskraftwerk. Damit schlägt sich der aktuelle  Gas- auf den Strompreis durch. 

Da aber derzeit schon reguliert werde, welche Gaskraftwerke in Reserve gehalten werden, um bei Bedarf einzuspringen und Strom zu produzieren, könnte man auch bei der Preisbildung regulierend eingreifen. "Es ist sowieso kein Markt im freien Wettbewerb", so der Ökonom. 

"Einzige nachhaltige Alternative"

Aus Sicht von Christian Kimmich sollte die ganze Diskussion vor allem zeigen, wie dringend es sei, die Produktion von grünem, also ohne CO2-Ausstoß gewonnenem, Wasserstoff anzukurbeln. "Ich glaube, es ist viel sichtbarer geworden, wie zentral Gas auf dem Strommarkt ist", so Kimmich. "Letztlich müsste das eigentlich das Signal sein, dass wir schleunigst grünen Wasserstoff benötigen", denn das sei die einzige nachhaltige Alternative, die zur Unabhängigkeit von Erdgas führen könne.

Allerdings müsse auch die Akzeptanz für den Bau von Windrädern und Photovoltaik-Anlagen gesteigert werden: "Es ist vielen noch nicht bewusst, was die Konsequenzen davon sind, dass Teile der Bevölkerung gegen Windkraft und Photovoltaik sind". Gäbe es dafür mehr Bewusstsein, wäre der Widerstand geringer, ist Kimmich optimistisch.

Gewinnabschöpfung kein Problem

Der heftig umstrittene Vorschlag von Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP), Gewinne von Firmen mit Staatsbeteiligung, die überproportional von der Krise profitieren, gesetzlich abzuschöpfen, soll in Maßen kein Problem sein, erklärt der IHS-Ökonom. Der Strommarkt sei ohnehin streng reguliert. Solange den Unternehmen der in den Vorjahren übliche Gewinn bleibt, sehe er ökonomisch keine Probleme. Kimmich geht auch nicht davon aus, dass deshalb Investitionen in Erneuerbare Energieträger leiden.

Gewinnabschöpfung: "Nicht bis zum Ende durchgedacht"

Walter Hämmerle, Chefredakteur der "Wiener Zeitung", bezeichnet im Interview mit PULS 24 Nehammers Vorschlag als strategische, aber nicht durchdachte, Ansage. 

Andersbehandlung teilstaatlicher Firmen problematisch

Solange ganz klar sei, dass die Gewinnabschöpfung aus dieser einmaligen, außerordentlichen Situation hergeleitet wird, könne man so einen Eingriff machen. Allerdings könnte es juristische Probleme geben, wenn man teilstaatliche Unternehmen anders behandelt als rein private, gab Kimmich im Gespräch mit der APA zu bedenken.

Kimmich empfiehlt daher, sich ganz grundsätzlich über die strategische Bedeutung der Infrastrukturunternehmen im Land Gedanken zu machen - auch im Zusammenhang mit der Energiewende. "Man muss schon aufpassen, wie man das als Steuerungselement verwendet und muss das schon ein Stück weit unter Kontrolle behalten, um die größeren gesellschaftlichen und wirtschaftspolitischen Ziele zu erreichen." Schließlich gehe es um "die Blutadern der Gesellschaft". Der Strompreis sei für die Wirtschaft essenziell.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam