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Höchster Wert seit 1984: Inflation bei 5 Prozent

23. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

Deutlich höhere Preise für Energie haben die Inflationsrate im Jänner in Österreich im Jahresvergleich auf 5 Prozent schnellen lassen, nach 4,3 Prozent im Dezember.

Die Inflation ist auf "den höchsten Wert seit Dezember 1984 angewachsen", so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas. Preistreiber waren vor allem Treibstoff und Haushaltsenergie. Im Vergleich zum Dezember sind die Preise aber im Schnitt insgesamt um 0,1 Prozent gesunken.

Teuerungen in allen Bereichen

Die Treibstoffpreise legten im Vergleich zu Jänner 2021 um 29,6 Prozent zu, teilte die Statistik Austria am Dienstag in einer Aussendung mit. Haushaltsenergie verteuerte sich um 16,4 Prozent. In Restaurants und Hotels musste durchschnittlich um 6,3 Prozent mehr bezahlt werden. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke kosteten durchschnittlich um 4,9 Prozent mehr. Ohne Teuerungen für Verkehr, Wohnen und Nahrungsmittel läge die Inflation laut Statistik Austria im Jänner im Jahresvergleich bei 1,8 Prozent.

Das Preisniveau des Mikrowarenkorbs, der den täglichen Einkauf repräsentiert, stieg im Jahresabstand um 4,1 Prozent. Der Miniwarenkorb, der einen wöchentlichen Einkauf abbildet und auch Treibstoffe enthält, verteuerte sich um 8,8 Prozent.

Die Situation in der Eurozone

Aktuell liegt die Inflationsrate in der gesamten Eurozone bei rund 5 Prozent und damit weit über der Zielmarke von 2 Prozent, während weiterhin eine Nullzinspolitik gefahren wird.

Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und EZB-Ratsmitglied Robert Holzmann geht deswegen davon aus, dass die EZB die Situation im März neu bewerten müsse. "Zur Diskussion stehen sicherlich ein schnelleres Auslaufen aller Anleihekäufe und die Frage von Zinserhöhungen noch in diesem Jahr", sagte Holzmann

Holzmann für Zinserhöhung

Holzmann kann sich angesichts der hohen Inflation zwei Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) noch heuer vorstellen. Der Ausstieg aus der Negativzins-Ära wäre ein wichtiges Signal an die Bevölkerung und die Marktteilnehmer, sagte der österreichische Notenbankchef in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der "NZZ".

"Mir würden zwei Zinsschritte bis Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres gefallen", ergänzte der Notenbanker. "Einige Kollegen von mir wären hier vielleicht noch progressiver, andere dagegen zurückhaltender."

Änderung der Zinspolitik

Grob gerechnet wären 1,5 Prozent der Richtwert, wohin sich die Leitzinsen bewegen müssten. "Erst beim Erreichen dieses Wertes wäre unsere Zinspolitik nicht mehr expansiv, sondern neutral", sagte Holzmann. "Das sollten wir den Marktteilnehmern klar kommunizieren." Wann dieser Wert erreicht werden sollte, hänge davon ab, wie hartnäckig die Inflation sei. "Ich denke jedoch, dass ein Leitzins von ganz grob 1,5 Prozent im Jahr 2024 realistisch sein könnte, wenngleich sich das durchaus etwas nach vorne oder nach hinten verschieben kann", sagte das Ratsmitglied.

Legarde gegen Richtungswechsel

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte sich zuletzt gegen einen abrupten Richtungswechsel ausgesprochen. Sie betonte, dass es Zinserhöhungen erst nach dem Ende der Anleihenkäufe geben werde. Holzmann widersprach dieser Sicht und sagte der "NZZ", die EZB könne davon abweichen und auch Zinsen erhöhen, bevor die Käufe endeten. So könnte die erste Anhebung im Sommer kommen und somit noch vor Ende der Käufe. Ein zweiter Zinsschritt könne dann Ende 2022 kommen: "Das würde ich favorisieren", fügte er hinzu.

Quelle: Agenturen / Redaktion / foj