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Gute Karten für Twitter: Kauf-Rückzug könnte für Musk teuer werden

10. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Experten geben Twitter gute Chancen, sich vor Gericht erfolgreich gegen Tesla-Chef Elon Musk und seinem Rücktritt von der 44 Milliarden Dollar schweren Übernahme zur Wehr zu setzen.

Denkbar sei aber auch, dass sich der Kurznachrichten-Dienst für Nachverhandlungen oder einen Vergleich entscheide, anstatt gegen Musk einen langwierigen Rechtsstreit zu führen, um ihn zum Kauf unter den im April vereinbarten Bedingungen zu zwingen.

Teurer Kampf vor Gericht: Vergleich möglich

Die Gerichte im US-Bundesstaat Delaware, wo der Streit ausgetragen werden könnte, haben Experten zufolge die Messlatte hoch gelegt für den Rückzug aus Übernahmen. Die verschmähten Unternehmen zögen jedoch oft die Sicherheit eines neu ausgehandelten Geschäfts zu einem niedrigeren Preis oder eine finanzielle Entschädigung dem Klageweg vor, der sich über viele Monate hinziehen kann. "Für eine Einigung auf einen niedrigeren Übernahme-Preis spricht, dass ein Rechtsstreit teuer ist", sagt Adam Badawi, Juraprofessor an der Universität Berkeley. Zudem könnten Verhandlung chaotisch verlaufen. Es sei also keineswegs sicher, dass sich der Gang vor ein Gericht tatsächlich lohne.

Streit um gefälschte Twitter-Konten

Musk ließ am Freitag seine Anwälte ausrichten, er halte nicht mehr an seiner Kaufabsicht fest. Seine Erklärung: Twitter habe gegen eine Vereinbarung verstoßen und nicht bewiesen, dass nur weniger als fünf Prozent der aktiven Twitter-Nutzer Spam oder gefälschte Konten seien. Twitter hatte an dieser Schätzung festgehalten, hält es aber auch für möglich, dass die Zahl höher ist. Musk hatte erklärt, dass falsche Twitter-Angaben über die Anzahl der Spam-Konten eine "wesentliche nachteilige Auswirkung" darstellen könnten. Das ermögliche es ihm, gemäß den Vertragsbedingungen von dem Geschäft zurückzutreten.

Gericht entscheidet (fast) immer für Verkäuferseite

Verträge wie der zwischen Musk und Twitter seien laut Experten so gestaltet, dass bisher nur einmal dem Käufer recht gegeben wurde. Es sei nicht davon auszugehen, dass ungenaue Zahlen zu Spam-Konten für einen Kauf-Rücktritt reichen.  "Wenn es vor Gericht geht, muss Musk mit hoher Wahrscheinlichkeit beweisen, dass die Spam-Kontonummern nicht nur falsch waren, sondern dass sie so falsch waren, dass sie erhebliche Auswirkungen auf die künftigen Einnahmen von Twitter haben werden", sagt Ann Lipton, Vize-Dekanin für Forschung an der Tulane Law School.

Musk hat auch erklärt, Twitter habe gegen Vereinbarungen verstoßen, indem es zwei hochrangige Mitarbeiter ohne seine Zustimmung entlassen habe. "Das ist wahrscheinlich der einzige Punkt, der Bestand haben wird", sagt Brian Quinn, Professor an der Boston College Law School. Er bezweifele aber, dass die Entlassungen so schwerwiegend seien, dass sie das Geschäft von Twitter beeinträchtigten.

Eine Milliarde "Strafe"

So weit bekannt, müsste Musk eine Milliarde Dollar zahlen, sollte er vom Kauf zurücktreten. Musk führt für die Absage der Übernahme zwar einen Vertragsbruch durch Twitter ins Feld - Beobachter hatten aber bereits seit längerem gemutmaßt, der Tesla-Chef wolle angesichts des Kursverfalls bei Technologie-Aktien an den Börsen nicht mehr die vereinbarten 54,20 Dollar pro Twitter-Aktie zahlen. Nach der Absage des Deals am Freitagabend sackten die seit Wochen schwächelnden Papiere um knapp acht Prozent auf 34,05 Dollar ab.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam