APA/GEORG HOCHMUTH

Gas-Stopp aus Luhansk: Österreich "auf Ernstfall vorbereitet"

11. Mai 2022 · Lesedauer 4 min

Wegen des Krieges hat die Ukraine einen Teil des Gas-Transits von Russland in den Westen gestoppt. Die Folgen für Zentral- und Westeuropa sind noch nicht abzusehen. In Österreich verändert sich vorerst nichts, laut Ministerin Gewessler sei man "vorbereitet".

Fast ein Drittel der Gasmenge, die von Russland in den Westen transportiert werden kann läuft laut der Ukraine durch jene Station in Luhansk, der nun der Hahn zugedreht wurde. Trotzdem liege der Druck in den heimischen Gasleitungen auf Normalniveau, heißt es aus dem Energieministerium von Leonore Gewessler (Grüne).

Alternative Pipelines nur wenig ausgelastet

Der Gastransport nach Österreich läuft über unterschiedliche Leitungen, ein großer Teil davon fließt auch über unterschiedliche Pipelines in der Ukraine. Die von der Ukraine angekündigte Einstellung des Transports betreffe nur einen Teil des ukrainischen Leitungsnetzes, betont man im Klimaschutzministerium. Über eine Verdichterstation in der Region Luhansk werde laut Berichten tatsächlich kein Gas geliefert. Andere Teile des Leitungsnetzes in der Ukraine seien aktuell jedoch nur gering ausgelastet. Die betroffene Gasmenge lasse sich deshalb voraussichtlich über andere Leitungen durch die Ukraine sowie über Nord Stream 1 ersetzen.

Gazprom will weiter liefern

"Die Gazprom hat angekündigt die Lieferverträge weiterhin zu erfüllen", heißt es aus dem Ministerium. "Es gibt keine Anzeichen dafür, dass diese Ankündigungen nicht stimmen. Klar ist aber - Russland führt Krieg. Wir können uns auf Russland nicht verlassen." Das Klimaschutzministerium habe deshalb umfassende Pläne für den Ernstfall vorbereitet. "Sollten sich Auswirkungen auf die österreichische Gasversorgung ergeben, werden wir die notwendigen Schritte setzen."

Gazprom bestätigt Gas-Rückgang

Der russische Staatskonzern Gazprom bestätigte am Vormittag, dass am Mittwoch nur 72 Millionen Kubikmeter Gas durch die Ukraine in Richtung Westen fließen sollen. Am Vortag sei das Auftragsvolumen noch bei 95,8 Millionen Kubikmetern gelegen. Wie aus Daten des ukrainischen Netzbetreibers OGTSU hervorging, wurden für die Station Sochraniwka im östlichen Gebiet Luhansk für Mittwoch keine Aufträge mehr angenommen. Der Betrieb könne dort kriegsbedingt nicht mehr kontrolliert werden, hieß es zur Begründung in Kiew.

Störung durch russische Truppen? Gazprom widerspricht

Die Ukrainer deuteten an, dass Russen den Betrieb von Sochraniwka sowie den der Verdichterstation Nowopskow zuletzt gestört hätten. Der Betreiber berief sich beim Teilstopp des Transits durch die Sojus-Pipeline auf einen Fall "höherer Gewalt". Russlands Energieriese Gazprom hielt dagegen, man habe "keinerlei Bestätigungen über Umstände höherer Gewalt" erhalten. Die Ukrainer hätten in den vergangenen Wochen ganz "ungestört" in Sochraniwka gearbeitet.

Die nun wegfallenden Lieferungen stattdessen direkt an den Punkt Sudscha, der auf russischem Gebiet in Grenznähe zur Ukraine liegt, durchzuleiten, sei technisch nicht möglich, hieß es am Dienstagabend aus dem Moskauer Konzern. Ob eine Kompensierung über andere Routen möglich ist, wurde zunächst offen gelassen. Gazprom betonte erneut, alle seine Verpflichtungen gegenüber europäischen Kunden zu erfüllen.

Gas-Hauptroute über Ostsee-Pipeline

Ukrainischen Angaben zufolge können nun bis zu 32,6 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag wegfallen - das sei fast ein Drittel der täglich über die Ukraine nach Europa transportierbaren Höchstmenge, hieß es. Diese liegt bei 109 Millionen Kubikmetern pro Tag. Die Ukraine bezieht aus dem Transit des russischen Gases wichtige Durchleitungsgebühren. Die Hauptroute für russisches Gas nach Europa ist allerdings die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1.

EU-Länder verständigen sich auf verpflichtende Gasreserven

Die EU-Länder unterstützen unterdessen ein geplantes Gesetz für verpflichtende Gasreserven in der EU, um die Energieversorgung im nächsten Winter zu sichern. In ihrem Verhandlungsmandat legten Vertreter der Staaten jedoch fest, dass die Verpflichtung 2026 auslaufen soll, wie aus einer Mitteilung am Mittwoch hervorgeht. Für Länder mit besonders großen Speichern ist eine abweichende Regelung vorgesehen.

Das Gesetz sieht vor, dass die Gasreserven heuer bis zum 1. November zu 80 Prozent gefüllt sein sollen, und in den nächsten Jahren zu dem gleichen Stichtag zu 90 Prozent. Auch das Parlament hatte seine Position schon festgelegt, somit können die Verhandlungen beginnen, damit das Gesetz rechtzeitig zum Winter in Kraft tritt.

Die EU-Kommission hatte das Gesetz im März vorgeschlagen, um die Gasversorgung zu sichern und Preisausschläge eindämmen. Die EU hat sich vorgenommen, so schnell wie möglich von russischen Energielieferungen loszukommen - laut einem Vorschlag der Kommission sollen Gasimporte bis Ende des Jahres um zwei Drittel reduziert werden. Genauere Pläne dazu will die Behörde kommende Woche vorlegen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam