APA/dpa/Marijan Murat

Erdgasabhängigkeit bereits von vielen Unternehmen reduziert

05. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Eine Umfrage sowie eine Studie des Complexity Science Hub (CSH) im Auftrag der Wirtschaftskammer (WKÖ) fand heraus, dass rund die Hälfte der befragten Firmen sich bereits auf einen möglichen Gas-Notfall vorbereiten. Unter anderem kam es zur Umstellungen auf Alternativenergien, Wärmedämmungen und Temperaturreduktionen.

329 Betriebe, die 51 Prozent des Gasverbrauches unter den Befragten repräsentieren, gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten bereits Maßnahmen ergriffen zu haben, um ihre Erdgasabhängigkeit zu reduzieren. Beinahe 75 Prozent dieser Gruppe hätte etwa durch verbesserte Dämmung oder Temperaturreduktionen ihren Gasbedarf reduziert. Über ein Fünftel habe ihr Heizsystem bereits auf alternative Energieträger umgestellt, sieben Prozent auch ihre Produktionsanlagen auf alternative Energien umgerüstet.

58 Prozent planen weitere Maßnahmen

376 Unternehmen, die für 58 Prozent des Gasverbrauches stehen, würden weitere Maßnahmen planen, um ihre Erdgasabhängigkeit abzubauen: Beinahe zwei Drittel dieser Unternehmen plane ihr Heizsystem, 23 Prozent ihre Produktionsanlagen auf alternative Energieträger umzustellen.

75-prozentige Erdgasreduktion innerhalb eines Jahres

Auf die Frage, wie schnell der Energieträgerwechsel möglich wäre, gab ein Fünftel der befragten Unternehmen an, innerhalb von einem Jahr ihren Erdgasbedarf um mindestens 75 Prozent reduzieren zu können. Innerhalb von zwei Jahren hielte das sogar mehr als ein Viertel der Betriebe für möglich. Zwölf Prozent der Unternehmen hingegen bekundeten, in den kommenden zwei Jahren ihren Gasverbrauch kaum reduzieren zu können. Diese Unterschiede ließen sich aber nicht durch den absoluten Gasverbrauch oder der Gasintensität der Unternehmen erklären, so Pichler.

Hohe Investitionskosten verhindern Umstellung

Einige der Großverbraucher würden durchaus Flexibilität für eine relativ zeitnahe Umstellung bekunden, während andere kaum Einsparungspotenzial sehen würden. Als größte Hürde für eine Umstellung auf alternative Energiequellen nannten rund zwei Drittel der befragten Unternehmen hohe Investitionskosten. Auch die Verfügbarkeit und die Kosten alternativer Energieträger seien für mehr als die Hälfte der Betriebe ein Problem beim Energieträgerwechsel.

Betroffenheit der Unternehmen unterschiedlich

Ein abrupter - wenn auch nach Einschätzung des CSH unwahrscheinlicher - Gasausfall würde die befragten Unternehmen sehr unterschiedlich treffen: 27 Prozent der Betriebe würden infolge mit einem kompletten Ausfall ihrer Produktion rechnen. Im Gegensatz dazu gehe ein Drittel der Unternehmen von keinen oder nur geringen Einbußen ihrer Produktion aus. Die meisten Betriebe gaben aber an, ihre Produktion innerhalb von weniger als einem Tag (21 Prozent) oder zwischen einem Tag und einer Woche (31 Prozent) wieder aufnehmen zu können. 17 Prozent könnten erst nach frühestens acht Wochen ihre Produktion wieder hochfahren.

Szenario zu vollständigen Gaslieferstopp

Die Studie des CSH behandelt unter anderem das Szenario eines vollständigen Gaslieferstopps und einem damit einhergehenden Gasausfall. Studienautor Anton Pichler betonte im Gespräch mit der APA, dass die Wahrscheinlichkeit für einen derartigen Ausfall aber von Tag zu Tag geringer werde.. Die Gasspeicher würden sich laufend füllen und die Unternehmen würden bereits seit einem Jahr auf die erhöhten Gaspreise reagieren und hätten entsprechende Einsparungsmaßnahmen gesetzt.

"Die Annahme, dass wir so viel Gas wie immer brauchen, ist ein Trugschluss. Im vergangenen Jahr ist schon viel passiert, die Unternehmen reagieren schnell auf die Preissignale", so Pichler. Das würden auch die Studienergebnisse nahelegen.

Das Complexity Science Hub befragte für die Wirtschaftskammer vom 28. Juni bis zum 12. Juli insgesamt 1.041 erdgasverbrauchende Unternehmen zum Thema Energieträgerwechsel.

Quelle: Agenturen / Redaktion / poz