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Datenleck: Wie Uber die Politik beeinflusste

11. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Ein Datenleck entblößt die aggressive Lobby-Kampagne des US-Fahrdienstleisters Uber bei dessen Streben auf den europäischen Markt. Über 124.000 interne Dokumente aus den Jahren 2013 bis 2017 zeigten, wie Uber "versucht hat, Politiker, Beamte und Journalisten zu beeinflussen", berichten mehrere Medien.

Enge Kontakte gab es etwa zum französischen Präsidenten Emmanuel Macron, einem FDP-Abgeordneten und einer Ex-EU-Kommissarin. Ein Austausch von SMS-Nachrichten legt laut Bericht nahe, dass sich Macron 2015 als damaliger Wirtschaftsminister gegen eine Uber-kritische Verordnung stark machte. "Ich werde mir die Sache persönlich anschauen", schrieb Macron laut NDR, WDR und "SZ" - woraufhin die Verordnung noch am selben Abend entschärft wurde.

Geheime Absprachen mit Macron

Die französische Zeitung "Le Monde" berichtete unter Berufung auf zahlreiche Dokumente, Textnachrichten und Zeugen, es habe geheime Absprachen zwischen Uber und dem damaligen Wirtschaftsminister Macron gegeben. Demnach war sein Ministerium darum bemüht, dem Fahrdienstleister dabei zu helfen, seine Position in Frankreich zu festigen. So sei dem Unternehmen vorgeschlagen worden, den Abgeordneten ausformulierte Änderungsanträge vorzulegen.

Der Elysée-Palast erklärte, dass Macron als Wirtschaftsminister in einer Zeit, als sich "tiefgreifende Veränderungen" im Dienstleistungssektor ereigneten, "natürlich" mit vielen der daran beteiligten Unternehmen in Kontakt stand. Die Opposition in Frankreich reagierte empört auf die Berichte, die Linke warf Macron ein "Lobbyist" für das US-Unternehmen zu sein, "welches das Arbeitsrecht dauerhaft deregulieren will". Die Kommunisten fordern eine parlamentarische Untersuchung.

Deutschland: Gesetz für Uber geändert

In Deutschland koordinierte dem Bericht zufolge der FDP-Politiker Otto Fricke die Lobby-Kampagne von Uber. Fricke war von 2002 bis 2013 Bundestagsabgeordneter, arbeitete dann als Lobbyist, und wechselte 2017 wieder in die Politik und in den Bundestag. Laut internen Uber-Dokumenten halfen seine Politik-Kontakte, eine Änderung des Personenbeförderungsgesetzes im Sinne des Fahrdienstleisters durchzusetzen.

Brisant ist auch der Fall des renommierten Ökonomen Justus Haucap, der den Recherchen zufolge eine Auftragsstudie und einen Uber-freundlichen Zeitungsartikel im Dezember 2014 in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" platziert haben soll. Haucap ist Mitglied des Kuratoriums der FAZIT-Stiftung, welche die journalistische Unabhängigkeit der "FAZ" sicherstellen soll.

Kommissarin wechselte von EU zu Uber

Auf EU-Ebene sicherte sich Uber dem Bericht zufolge die Unterstützung der EU-Kommissarin für Digitales, Neelie Kroes. Die Niederländerin übernahm nach ihrem Ausscheiden in Brüssel 2014 und nach Ablauf einer durch die Kommission auferlegten 18-monatigen Karenzzeit einen üppig bezahlten Berater-Job bei dem US-Unternehmen.

Uber fürchtete "Freunderlwirtschaft"-Debatte

Unterlagen aus dem Datenleck legen jedoch nahe, dass es schon während der Karenzzeit im Zusammenhang einer Polizei-Razzia gegen Uber in Amsterdam im März 2015 Kontakt zwischen Kroes und Uber gab. Das Unternehmen war demnach höchst erpicht darauf, dies geheim zu halten. Es bestehe das Risiko, dass sich an Kroes eine Debatte über "die politische Drehtür und über Freunderlwirtschaft" entzünde, heißt es den Medien zufolge in einer unternehmensinternen Mail.

Der Datensatz wurde der britischen Zeitung "The Guardian" zugespielt und enthält E-Mails, Präsentationen, Briefings, Textnachrichten und Schaubilder, die in Zusammenarbeit mit weiteren internationalen Medien ausgewertet wurden.

Jahresbudget von 90 Millionen - nur für Lobbying

Uber war anfangs in europäischen Ländern auf massiven Widerstand und rechtliche Hürden gestoßen. Den Dokumenten zufolge veranschlagte der Konzern allein im Jahr 2016 ein Lobby-Budget in Höhe von 90 Millionen Euro, um diese auszuräumen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam