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WM 2022: Diese fünf Mannschaften können überraschen

15. Nov. 2022 · Lesedauer 6 min

Die WM 2022 ist gespickt mit absoluten Top-Nationen. Wie die Vergangenheit zeigt, sind es aber nicht immer die Spitzenteams, die bei Weltmeisterschaften für Furore sorgen.

2010 war es Paraguay, 2014 Costa Rica und 2018 Kroatien. Weltmeisterschaften enttäuschen nie - zumindest, wenn es darum geht, für Überraschungen zu sorgen.  Auch in Katar sind wieder einige Teams dabei, welche das Potenzial haben, zumindest auf dem Geheimtipp-Zettel zu stehen.

Serbien (Gruppe G)

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Nachdem sich die serbische Nationalmannschaft 2021 nicht für die EM qualifizieren konnte, musste eine Wende her. Mit dem neuen Trainer und ehemaligen Kapitän der jugoslawischen Nationalmannschaft Dragan Stojkovic qualifizierte sich Serbien für die WM und schickte dabei am letzten Spieltag sogar den großen Favoriten aus Portugal in die Play-Offs.

Der 22-jährige Stürmer Dušan Vlahović (Juventus Turin), welcher 2021 für 80 Millionen Euro nach Juventus Turin gewechselt ist, zählt aktuell zu den größten Spieler-Talenten Europas und entwickelte sich unter dem neuen Nationaltrainer zu der wichtigsten Stütze im Team. Ebenfalls zur "Alten Dame" gewechselt ist der Serbe Filip Kostić (Juventus Turin), welcher mit Eintracht Frankfurt die Europa League gewinnen konnte. Aber auch Angreifer Aleksandar Mitrovic (FC Fulham), welcher in den letzten vier Nationalspielen sechs Treffer erzielen konnte und insgesamt schon 50 Treffer im Nationaltrikot bejubeln durfte, zählt zu den Sturmkräften Stojkovics.

Kapitän der Mannschaft ist Dusan Tadic (Ajax Amsterdam), welcher bereits 90 Länderspiele absolviert hat und immer für ein Tor gut ist. Der 35-jährige Sergej Milinkovic-Savic (Lazio Rom) bringt die nötige Routine mit. Er überwintert mit Lazio Rom auf dem vierten Tabellenplatz und wird trotz seines Alters seit Kurzem mit Juventus in Verbindung gebracht. Für den nötigen Rückhalt sorgt der 21-jährige Verteidiger Strahinja Pavlovic (Red Bull Salzburg), der sich wegen seiner starken Leistungen bei Salzburg unter dem neuen Trainer zur Stammkraft entwickelt hat.

Senegal (Gruppe A)

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Im Februar 2022 gelang Senegal der große Coup. Im Finale des Afrika-Cups konnte sich das Team von Trainer Aliou Cissé gegen Ägypten durchsetzen und somit den wichtigsten Titel des afrikanischen Kontinents gewinnen.

Der unbestrittene Star der Mannschaft ist Sadio Mané. Der Neo-Münchner, welcher mit Liverpool zuvor sowohl die Meisterschaft als auch die Champions League gewinnen konnte, steht zwar im Kader für die WM in Katar, jedoch bleibt ein Einsatz des Angreifers wegen einer Sehnenverletzung fraglich. Ismaila Sarr (FC Watford), Nicolas Jackson (FC Villaereal) und Krépin Diatta (AS Monaco) können den Ausfall Manés aber gut kompensieren. Vor allem der 24-jährige Flügelspieler aus Watford, welcher auf Frank Lampards Wunschliste steht, ist in einer starken Form und konnte bereits 10 Tore für das Nationalteam schießen.

Mit starken Innenverteidigern wie Kalidou Koulibaly (FC Chelsea) und Abdou Diallo (RB Leipzig) sollte Torhüter Edouard Mendy (FC Chelsea) wenig Schüsse aufs Tor bekommen. Defensiv und offensiv ist Senegal also sehr stark bestückt. Kein Wunder, dass die Mannschaft von 15 Länderspielen im Jahr 2022 nur ein Spiel verlor.

USA (Gruppe B)

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Mit den früheren Bundesliga-Profis Christian Pulisic (FC Chelsea) und Weston McKennie (Juventus Turin) sowie Bundesliga-Profis Giovanni Reyna (BVB) und Joe Scally (Gladbach) reisen die USA zur WM nach Katar. Mit Brenden Aaronson (Leeds United) befindet sich auch ein Spieler im Kader, der bis vor kurzem noch in der österreichischen Admiral Bundesliga aktiv war.

Der Kader der Amerikaner ist im Schnitt 25,1 Jahre alt. Trainer Gregg Berhalter schickt somit die jüngste Mannschaft des Turniers zur WM nach Katar. Mit Deandre Jedlin (Inter Miami) kann nur ein Spieler auf WM-Erfahrung zurückgreifen. In der WM-Qualifikation landeten die Amerikaner auf Platz drei hinter Kanada und Mexiko, zeigten aber immer wieder durch starke Leistungen, dass sich der Fußball in Amerika im Aufschwung befindet. Mittelstürmer Timothy Weah (LOSC Lille) konnte in der Ligue 1 schon acht Scorerpunkte sammeln und ist mit seiner Schnelligkeit immer für einen Treffer gut. Mit Sergino Dest (AC Milan) zählt der Ex-Katalane zu den namhaftesten Defensivleuten Berhalters.

Grundsätzlich kann sich die Mannschaft Chancen auf ein Weiterkommen ausrechnen. Die USA reist zwar mit dem jüngsten, aber auch mit dem vermeintlich stärksten Kader seit langem zu einer WM-Endrunde.

Wales (Gruppe B)

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Wenn da nicht noch Wales wäre. Diese spielen nämlich mit USA, England und Iran in derselben Gruppe. Neben England wird sich also wahrscheinlich einer der beiden Underdogs für das Achtelfinale qualifizieren können.

Bei der EM 2021 schafften es die Waliser bereits ins Achtelfinale, wo sie aber gegen Dänemark mit 4:0 unter die Räder kamen. Jetzt konnte sich Wales erstmal nach 64 Jahren wieder für eine WM-Endrunde qualifizieren. Ohne Gareth Bale (Los Angeles FC) hätte sich Wales wohl nicht für die WM qualifiziert. Der 33-Jährige machte in den Qualifikations-Playoffs gegen Österreich und Ukraine alle drei Tore und führte sein Land damit praktisch im Alleingang nach Katar. 39 Tore und 22 Assists in 108 Spielen für Wales können sich durchaus sehen lassen.

Premiere League Außenverteidiger Ben Davies (Tottenham Hotspur) und Neco Williams (Nottingham Forest) können zusammen schon 97 Länderspiele aufweisen. Aaron Ramsey (OGC Nizza) sorgt mit seiner Routine (unter anderem 262 Premiere League Spiele) für die nötige Ruhe im Waliser Spiel. Harry Wilson und Daniel James (beide FC Fulham, beide 25 Jahre) zählen neben Gareth Bale zu den Offensivhoffnungen der Waliser.

Marokko (Gruppe F)

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Nicht ganz gefreut haben dürfte sich Marokko bei der Auslosung der Gruppengegner, denn mit Belgien, Kanada und Kroatien warten schwere Begegnungen auf die Marokkaner. Trotzdem kann Marokko für eine Überraschung sorgen, da die Mannschaft absolut in Form ist. Nur drei Niederlagen in den letzten 15 Nationalspielen sprechen für sich.

Shootingstar bei den Marokkanern ist Außenverteidiger Achraf Hakimi (PSG), der wohl einer der besten Spieler auf seiner Position ist. Hinzu kommt Außenverteidiger Noussair Mazraoui (FC Bayern München), der in München zuletzt immer besser in Schwung kam. Sofyan Amrabat (AC Florenz) ist auf der Sechs auf jeden Fall gesetzt. Der 26-Jährige bringt jede Menge Serie-A-Erfahrung mit und ist ein wichtiger Arbeiter und Zweikämpfer.

Zu den Eckpfeilern des Kaders zählen darüber hinaus Torhüter Bono (FC Sevilla), der in der Champions League zuletzt immer wieder gezeigt hat, was für ein Rückhalt er ist. Bittere Nachricht: Der Ex-Schalker Amine Harit (Olympique Marseille) hat sich im letzten Ligue1-Spiel vor dem Turnier schwer verletzt und musste operiert werden. Eine Teilnahme kommt für ihn also nicht in Frage.

Chelseas Hakim Ziyech (FC Chelsea) ist ohne Zweifel der Star der Angriffsreihe der Marokkaner, Youssef En-Nesyri (FC Sevilla) ist wohl ebenfalls gesetzt. Beide haben bei ihren Vereinen aber heuer wenig Spielpraxis erhalten. Wenn sie bei der WM aber zur Höchstform auflaufen, ist vieles möglich für Marokko.

Thomas GolavcnikQuelle: Redaktion / tgo