Wieder Skiflug-WM-Silber für Österreich - Japan siegt
Beide Ski von Prevc rutschten während der vierten Startgruppe am abfahrbereiten Norweger Marius Lindvik vorbei vom Absprungturm über die Anlaufspur talwärts. Eines der Sprunggeräte gelangte mit hoher Geschwindigkeit bis in den Schanzenauslauf. Weil die Ski nach dem Zwischenfall nicht rechtzeitig zu Prevc zurück an den Start gebracht wurden, durfte der Seriensieger nicht antreten.
Laut den FIS-Verantwortlichen machten sich die von Prevc bei der Vorstartmaterialkontrolle an einem nicht dafür vorgesehenen Platz abgestellten Ski plötzlich selbstständig. "Das war ein großer Schock. So etwas haben wir seit Jahrzehnten nicht erlebt, dass so etwas passiert. Es war Eigenverschulden, aber das wünscht man natürlich auch dem Athleten nicht", sagte FIS-Materialchef Andreas Bauer. Er betonte, dass Prevc keinen Regelverstoß begangen habe.
Die vor dem Fauxpas deutlich hinter Österreich und Japan drittplatzierten Slowenen schieden durch den Prevc-Nuller aus dem Medaillenkampf aus. Das ÖSV-Quartett hingegen lag auch schon nach dem ersten Durchgang 3,9 Punkte hinter Japan auf Rang zwei. Im Finale drehten die Österreicher den Spieß zwischenzeitlich um. Das Duell um Gold gipfelte letztlich bei 0,4 Punkten Vorsprung für Österreich in einen Zweikampf von Hörl mit Ren Nikaido, in dem der Einzelvierte aus Salzburg (216 m) gegen den Bronzenen vom Samstag (229) deutlich den Kürzeren zog.
Hörl nach verlorenem Duell um Gold geknickt
"Es war sehr eng, für das war ich heute einfach das Eitzerl zu unlocker. Ich wollte zeigen, dass ich schon sehr gut fliege, aber es hat nicht ganz so geklappt. Es war sehr spannend, mir ist ein bisserl das Herz in den Arsch gerutscht", sagte Hörl zum ORF und lobte die erstmals in der WM-Historie auf dem Podest gelandeten Japaner. "Sie haben echt einen richtig guten Job gemacht, deswegen sind die verdient Weltmeister." Die WM sei für ihn aber erfolgreich verlaufen, ergänzte er.
Seine Teamkollegen konnten mit Silber gut leben. "Voll cool, eine Medaille bei meiner ersten WM ist etwas ganz Besonderes", sagte Embacher. Fettner war ebenfalls nicht besonders enttäuscht. "Es ist sicher eine gewonnene Silberne, keine verlorene Goldene, da war heute definitiv nichts zum Abholen", sagte der Routinier. Der von Prevc am Vortag entthronte Weltmeister Kraft konnte die "Niederlage" ebenfalls verschmerzen. "Es ist natürlich schade, aber Silber ist auch sehr schön. Wenn es blöd ausgeht, kann man auch Vierter werden", sagte Kraft und bekräftigte: "Mit einer Medaille wegfahren, ist immer schön."
Widhölzl auch mit Silber glücklich
ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl bilanzierte positiv. "Ich bin auf jeden Fall zufrieden. Es war ein harter, sehr enger Fight. Es waren schwierige Bedingungen, und es war auch chaotisch, deshalb bin ich überglücklich, dass wir eine Medaille gemacht haben, Silber ist cool", sagte Widhölzl. Im Einzel sei man auf den undankbaren Plätzen vier und fünf aber etwas unglücklich gewesen, ergänzte der Tiroler.
Zum Hinweis auf nicht erfolgte Punkteabzüge für einen angeblichen Griff in den Schnee von Nikaido bei der Landung meinte er: "Man sieht es eigentlich schon am Video, dass er reingegriffen hat, aber es ist eine Tatsachenentscheid der Sprungrichter - das ist so zu nehmen." Japan sei unabhängig davon zu gratulieren. "Es passt, sie sind wirklich sehr gut gesprungen und haben es sich verdient. Sie waren doch ein bisschen besser als wir."
Auf Olympianominierung folgt noch ein Weltcup
Vor den Olympischen Spielen, für die am Montag mit großer Wahrscheinlichkeit Hörl, Kraft, Embacher und Daniel Tschofenig nominiert werden, steht kommendes Wochenende in Willingen noch ein Weltcup von der Großschanze auf dem Programm. Tschofenig war nach Einzel-Rang 27. nicht für das Skiflug-Team aufgeboten worden.
Zusammenfassung
- Österreichs Skiflug-Team mit Embacher, Kraft, Fettner und Hörl holte bei der WM in Oberstdorf erneut Silber und musste sich Japan mit 9,6 Punkten Rückstand geschlagen geben.
- Ein kurioser Materialzwischenfall um den slowenischen Einzelweltmeister Domen Prevc führte dazu, dass Slowenien aus dem Medaillenrennen ausschied und Norwegen mit 85,9 Punkten Rückstand Bronze gewann.
- Im spannenden Finale lag Österreich nach dem ersten Durchgang 3,9 Punkte hinter Japan, führte kurzzeitig, musste sich aber nach dem entscheidenden Sprungduell von Hörl (216 m) gegen Nikaido (229 m) knapp geschlagen geben.
