APA - Austria Presse Agentur

Wieder in Monza: Überraschungsparty der kleinen "Bullen"

07. Sept 2020 · Lesedauer 4 min

Zwölf Jahre und eine Namensänderung später bejubelt das Red-Bull-Zweitteam AlphaTauri am selben Ort wieder eine der größten Überraschungen der Formel-1-Geschichte. Der unerwartete Premierensieg des Franzosen Pierre Gasly am Sonntag in Monza verzückt die Branche. Eine erneute Beförderung des 24-Jährigen ist derzeit aber kein Thema.

Zwölf Jahre und eine Namensänderung später bejubelt das Red-Bull-Zweitteam AlphaTauri am selben Ort wieder eine der größten Überraschungen der Formel-1-Geschichte. Der unerwartete Premierensieg des Franzosen Pierre Gasly am Sonntag in Monza verzückt die Branche. Eine erneute Beförderung des 24-Jährigen ist derzeit aber kein Thema.

Gasly, ein Fahrer aus dem Nachwuchsprogramm von Red Bull, hat ausgerechnet beim Monza-Klassiker wie 2008 Sebastian Vettel die Chance am Schopf gepackt und nach einem speziellen Rennverlauf und einigen Schwächen der Platzhirsche zugeschlagen. Im erlauchten Kreis der Großen hatte er zuvor nicht reüssiert: Nach seiner Promotion von Toro Rosso, das heute AlphaTauri heißt, ins stärkere Schwesternteam Red Bull vor der Saison 2019, wurde Gasly aufgrund enttäuschender Ergebnisse noch im selben Sommer degradiert, ausgetauscht durch Alexander Albon. Gasly musste zum kleineren Rennstall zurückkehren.

Am Sonntag hat sich Gasly von Qualifying-Rang zehn und einer am Ende beherzten Verteidigung gegen Verfolger Carlos Sainz jr. wieder in den Vordergrund gefahren. Als erster Franzose seit Olivier Panis 1996 in Monaco gewann er in der Königsklasse. "Ich habe gesagt, es muss endlich wieder ein Franzose einen Grand Prix gewinnen. Dass das ich bin, ist verrückt", sagte der nunmehr WM-Achte.

Zwei der nun vier Podestplätze des Aufbauteams, das Ende 2005 aus dem ab 1985 existierenden Team Minardi entstanden ist, gehen nun auf das Konto von Gasly. Im Vorjahr wurde er Zweiter in Brasilien, Daniil Kwjat holte ebenfalls 2019 Platz drei in Deutschland. Angesprochen auf eine mögliche Rückkehr 2021 zum Einserteam sagte der Pendler zwischen den Red-Bull-Welten: "Ich denke, ich bin bereit. Es liegt aber nicht an mir, das zu entscheiden."

Helmut Marko bremste. "Das ist momentan keine Überlegung", betonte der Red-Bull-Motorsportkonsulent, obwohl Alexander Albon im Einserteam Schwächen zeigt. "Gasly ist einer der Red-Bull-Fahrer, er ist derzeit bei Alpha Tauri, macht dort einen super Job. Wir brauchen aber auch dort einen Teamleader." Jener bei Red Bull Racing, Max Verstappen, konnte aufgrund eines Ausfalls (Motorproblem) keinen Boden auf WM-Leader Lewis Hamilton (7.) gutmachen. Marko ärgerte sich über das Verpassen einer "auf dem Silbertablett" angebotenen "Riesenchance im Kampf um den WM-Titel".

Wie 2008 gelang dem RB-Juniorteam der Coup in Monza. Das damals wie heute vom Tiroler Franz Tost geführte italienisch-österreichische Team feierte den prestigeträchtigen Heimsieg, den Ferrari nur allzu gern wiederholt hätte. Doch die Scuderia in Rot erlitt mit den Ausfällen von Sebastian Vettel (defekte Bremsleitung) und Vorjahressieger Charles Leclerc (Unfall Parabolica) Totalschaden. Seit Jean Alesi und Gerhard Berger 1995 ist das im Zentrum allen Motorsportdaseins Italiens nicht mehr passiert.

Vettel fasste seine Gefühlslage im ORF mit österreichischem Dialekt zusammen: "I mog nimma", schnaubte der Hesse. Wie es mit seiner Motivation nach diesen Tiefschlägen aussehe? "Fit bin ich ja. Da gibt es gar kein Problem, weil ich fahr ja keine Rennen. Ich bin ja nach zehn Runden schon fertig und auch im Qualifying nach dem Q1 schon raus", erinnerte Vettel. Dies sei einerseits kräftesparend. "Aber im Kopf sieht es ein bisschen anders aus", sagte der vierfache Weltmeister.

Vorerst heißt es für Vettel und Ferrari weiter Wunden lecken. Die Situation sei nicht nur für ihn schwer, sondern für das ganze Team. "Da leide ich natürlich mit." Schon am kommenden Sonntag bietet das Rennen in Mugello die Möglichkeit für Wiedergutmachung - oder das nächste Debakel.

Dass Hamilton nur Siebenter wurde, war nicht dem jüngsten Verbot der Party-Modus genannten Motoreneinstellung, sondern einem für das Team ungewohnten Fehler zuzuschreiben. Nach einer Safety-Car-Phase war Hamilton als Führender zum Reifenwechsel abgebogen, obwohl die Boxengasse geschlossen war. Zur Strafe musste er ein weiteres Mal dort für zehn Sekunden halten - und rutschte ans Ende des Feldes zurück.

Hamiltons 90. Karriere-Sieg war dahin, doch damit war erst der Weg für jene Momente bereitet, die für den "Telegraph" das "beste Rennen des Jahres" ausmachten, Gasly "die Vernunft besiegen" ("AS") ließ und in einer die F1 belebenden "Überraschungsparty" (FAZ) mündete.

Quelle: Agenturen