Michalski zu Katar-WM: "Sport hat eine Menschenrechtsverpflichtung"

12. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Wenzel Michalski, Deutschland-Direktor von Human Rights Watch, spricht im Interview mit PULS 24-Anchorwoman Gundula Geiginger über die Vergabe der Fußball-WM an Katar und deren Folgen.

In genau 100 Tagen startet die 22. Fußball-WM der Männer in Katar. Eines steht wohl jetzt schon fest: Es ist die umstrittenste und am kontroversesten diskutierte Weltmeisterschaft der Geschichte. Korruption, die Menschenrechtslage in Katar, die fehlende Infrastruktur und die klimatischen Bedingungen sorgten im Vorfeld für hitzige Diskussionen.

Gerüchte um eine Verschiebung oder gar einen Boykott machten die Runde. Doch wenn kein Wunder mehr passiert, wird die Weltmeisterschaft, die zu einem der größten Sportereignisse der Welt zählt, am 20. November eröffnet. 

Katar als Gastgeberland "ungeeignet"

Einer von zahlreichen Kritikern ist die NGO Human Rights Watch. Wenzel Michalski, Deutschland-Direktor der Menschenrechtsorganisation, sagt im PULS 24-Interview mit Gundula Geiginger deutlich, dass er Katar als ungeeignet für die Ausrichtung des Turniers betrachtet. Es gebe "viele massive Menschrechtsverletzungen in dem Land" und die FIFA wisse darüber Bescheid. Michalski führt unter anderem die Bedingungen auf den Baustellen, die aktuelle Rechtslage für Schwule und Lesben, sowie die eingeschränkten Rechte für Frauen an. Echte Medienfreiheit herrsche in dem Golfstaat ebenfalls nicht, so der Direktor der Menschenrechtsorganisation. 

Scheinwerferlicht durch Fußball? 

Dem Argument, dass die problematische Situation in Katar durch die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft mehr Aufmerksamkeit erhalte und in der Folge verbessert werden könne, sieht Michalski zwiespältig. Bei anderen Großereignissen, wie den Olympischen Wintersspielen in China 2022, habe sich diese These nicht bewahrheitet. Für Katar hat Michalski dennoch Hoffnung: "Wir haben gesehen, dass der Druck auf die FIFA und die Regierungen schon zu Verbesserungen führt", sagt er. Dennoch bestehe noch viel Handlungsbedarf.

"Wir haben gesehen, dass der Druck auf die FIFA und die Regierungen schon zu Verbesserungen führt"

Wenzel Michalski, Deutschland-Direktor Human Rights Watch

Aus diesem Grund fordert die NGO von der FIFA einen Zahlungsfonds einzurichten, um Verwandte und Angehörigen der Opfer zu entschädigen. Beim DFB und anderen nationalen Fußballverbänden findet dieser Vorschlag durchaus Gehör, doch "es braucht noch mehr Unterstützung", meint Michalski. 

Michalski plädiert für nachhaltige Reformen

Da ein Boykott der Weltmeisterschaft mittlerweile gänzlich vom Tisch sei, fordert Wenzel Michalski nun von allen Sportlern, Verbänden, Ländern und Sponsoren "ihre Stimme zu erheben und auf Missstände in Katar hinzuweisen". Wichtig seien vor allem nachhaltige Reformen, die auch noch bestehen bleiben, "wenn die Kameras abgezogen sind und die Welt nicht mehr so auf Katar schaut, wie jetzt gerade." 

Für die Zukunft sei es entscheidend wie sehr sich die FIFA an ihre eigene Agenda hält, in der verankert wurde, dass Menschenrechte ein Faktor für zukünftige Vergaben sein sollen. "Sport ist Business und Business hat eine Menschenrechtsverpflichtung. Daran muss sich auch der Sport halten."

Maximilian PatakQuelle: Redaktion