APA - Austria Presse Agentur

Walkner für seine siebente Dakar-Rallye zuversichtlich

15. Dez 2020 · Lesedauer 4 min

Die zweite in Saudia-Arabien gefahrene Dakar Rallye rückt näher, die zwölf Etappen sind für 3. bis 15. Jänner angesetzt. Österreichs Hoffnungsträger bei den Motorrädern ist erneut Matthias Walkner, der Salzburger nimmt zum bereits siebenten Mal an der Extremsport-Veranstaltung teil. 2018 hatte er die Dakar gewonnen, heuer im Jänner kam er auf Rang fünf, wobei die KTM-Siegesserie beendet wurde. Diesmal sind für die Endabrechnung die Top drei das erklärte Ziel Walkners.

Aufgrund der Corona-Pandemie gab es diesmal nur ein Vorbereitungsrennen, bei der Andalusien Rallye wurde Walkner im Oktober Sechster. Zuletzt hatte er mit der KTM-Truppe bei einem rund vier Wochen langen Trainingslager in Dubai versucht, für den Klassiker zu Jahresbeginn in Schwung zu kommen. Am 26. Dezember erfolgt der Abflug ins Abenteuer, ein negativer Corona-Test muss dabei sein. Vorort wird noch einmal getestet, bevor es in eine dreitägige Hotel-Quarantäne geht.

Hatte Walkner vor gut zwei Monaten in Spanien die lange Rennpause gemerkt - seit Jänner hatte er keine Konkurrenz mehr bestritten - und danach vor allem auch über Konzentrationsmängel geklagt, hat er in Dubai am Ausmerzen all der Schwächen erfolgreich gearbeitet. "Ich habe da in Summe fast 20 Fahrtage gehabt. Man merkt, dass ein so großer Block viel mehr bringt als nur immer eine Woche." Nach etlichen Roadbooks wurde gefahren, unzählige Navigationskilometer abgespult.

"Da habe ich gemerkt, dass ich erst nach zehn Fahrtagen so richtig wieder hineinkomme, dass das alles automatisiert ist und ich so richtig zum Funktionieren anfange", berichtete der 34-Jährige. "Ich fühle mich wirklich extrem gut vorbereitet und bin extrem zuversichtlich. Ich freue mich schon darauf, dass es losgeht." Damit punkto Corona vor der Abreise nichts mehr passiert, wird auf Weihnachten feiern im größeren Familienkreis diesmal verzichtet bzw. das nach der Dakar nachgeholt.

Wenn Walkner zu Jahresende Vorort ankommt, werden auf ihn nicht nur die bereits hingeschickten Koffer u.a. mit Grundnahrungsmitteln warten, sondern auch die intensivere Beschäftigung mit einigen Regeländerungen. Eine betrifft die Reifen, die Verwendung von gesamt nur sechs Hinterreifen sind erlaubt. Noch dazu dürfen die von nur einem Fabrikat sein. Walkner: "Diese Entscheidung ist aber relativ einfach. Es kommt nur der Michelin-Desert infrage, die anderen würden es nicht aushalten."

Der KTM-Werksfahrer möchte abwarten, wie sich die Einschränkung bei der Reifenanzahl auswirken wird. "Bei Sand wird das nicht so tragisch sein, aber bei einer typischen Stein-Etappe wird das schon spannend." Grundsätzlich sei es möglich, mit einem Reifen durchzufahren, allerdings werde damit auch alles mehr ausgereizt. "Über 1.500 km macht es das nicht weniger gefährlich. Der Bremsweg, die Beschleunigung, die Kontrollierbarkeit - das wirkt sich dann alles anders aus."

Das soll auch für seine neue Brille der Fall sein, in Dubai ist er da auf ein Manko aufmerksam geworden. "Ich habe ein bisschen Probleme gehabt mit dem Sichtfeld. Ich habe herausgefunden, dass wenn ich länger mit höherer Geschwindigkeit unterwegs war, diese Brille auf den Sehnerv oder auf die Stirn drückt und etwas beeinträchtigt wurde und ich so für eine halbe Stunde eine Sichtfeldeinschränkung gehabt habe. Es ist aber wichtig, den richtigen Durchblick zu haben."

Neu bei der Dakar ist auch, dass es das Roadbook nun erst 20 Minuten vor dem Start geben wird - bei den Motorrädern in Papier. "Das ist unnötig, macht nur einen Stress", urteilte Walkner. Nichtdestotrotz wird es seine Taktik beeinflussen. "Am besten ist es, immer zwischen den Positionen drei und sechs herumzufahren. Das Risiko, dass im Roadbook etwas falsch ist, ist schon sehr, sehr groß." Das geht primär zulasten des Ersten auf der Strecke. "Nicht falsch taktieren", gab sich Walkner als Devise.

Die inklusive Fahrer rund 40-köpfige KTM-Crew wird sich auch mit den bei der Dakar neu eingeführten Airbag-Westen beschäftigen müssen. Walkner begrüßt diesen Schritt aus sicherheitstechnischer Sicht, für die Bewegungsfreiheit müsse man aber noch eine Lösung finden. "Ich glaube, da ist noch Luft nach oben." Heinz Kinigadner, Motorsport-Berater bei KTM, will auch da das Optimum herausholen: "Bei den Tests überlassen wir nichts dem Zufall. Wir gehen bestvorbereitet an den Start."

Der 60-Jährige sieht ebenfalls die Top Drei als Ziel. "Das muss das große Ziel sein", meinte der Tiroler am Dienstag bei einer virtuellen Pressekonferenz. Dabei fürchtet er vor allem Titelverteidiger Ricky Brabec. Der US-Amerikaner hat auf einer Honda im Jänner die bei den Motorrädern 18 Jahre anhaltende KTM-Dakar-Siegesserie beendet. Kinigadner: "Brabec ist einer, der das Risiko nicht scheut - der hat keinen Fehler gemacht und eine Topleistung abgeliefert. Den musst du fast in einen Fehler treiben."

Quelle: Agenturen