WAC schlittert in Graz tiefer in die Krise
So mancher Akteur hat dem Verteidiger zufolge die Warnschüsse nicht gehört. Dabei holte der WAC in den jüngsten 13 Runden nur einen Sieg. Sechs Punkte trennen das Team von Schlusslicht Blau-Weiß Linz. "Sie begreifen nicht, dass es jetzt um Abstiegskampf geht und nicht darum, dass wir locker-lässig Siebenter werden. Es ist alles so eng da unten, jetzt ist Kampfgeist gefragt", forderte Wimmer auf Sky. Auch Club-Patron Dietmar Riegler musste einmal schlucken. "Wir stecken drinnen in der Krise. Die Durststrecke dauert schon lange, und wir hoffen, bald da raus zu kommen."
Trainer Ismael Atalan ging mit seinem Team öffentlich nicht allzu hart ins Gericht, meinte aber auch: "Nicolas hat in gewisser Weise recht." Seit dem Abgang von Dietmar Kühbauer zum LASK hat sich der WAC in beinahe allen Statistiken verschlechtert. Nach Peter Pacult hat auch Atalan seine Mühe, das im Vorjahr so erfolgreiche Wolfsrudel auf die Erfolgsspur zu führen. In Sachen Jobsicherheit meinte Atalan selbstbewusst: "Ich vertraue dem Präsidenten zu 1000 Prozent und vertraue auch meinen Fähigkeiten, den Jungs aus dieser Situation zu helfen."
Der GAK erwies sich als geschlossenere Mannschaft. "Man hat gemerkt, wir waren mehr für diesen Fight bereit", sagte Goalie Franz Stolz nach dem ersten Zu-null-Spiel seit der 10. Runde. Trainer Ferdinand Feldhofer war erleichtert. "Der Abstand nach hinten ist gewachsen, wir müssen aber auf der Hut bleiben und schnellstmöglich die Punkte machen, um die Liga zu halten." Nächste Woche gastieren die Rotjacken in Tirol. "Da waren wir erst vor Kurzem (0:2). Wir sind ready für Revanche", sagte Feldhofer. Der WAC empfängt den neuen Tabellenführer Altach.
Zaric: "Lassen wir uns nicht mehr nehmen"
Auch wenn der 3:1-Heimsieg über Blau-Weiß kein glanzvoller war, kamen die Altacher dem Ziel Klassenerhalt einen großen Schritt näher. "Das lassen wir uns nicht mehr nehmen", meinte Trainer Ognjen Zaric. Zehn Punkte liegen die Vorarlberger vor Blau-Weiß, vielleicht darf man sich schon in Bälde mit dem Europacup-Play-off beschäftigen. Vorerst freilich gilt es die neue Beständigkeit unter Beweis zu stellen und das eigene Spiel weiterzuentwickeln, wie Zaric es nannte. "Und das ist in der Qualigruppe natürlich schwierig."
Blau-Weiß zeigte nicht unbedingt einen schlechten Auftritt, kassierte aber dennoch die vierte Niederlage im sechsten Auftritt unter Ägide von Neo-Trainer Michael Köllner. Die Chancen, schon vor dem bedeutungslosen Tor von Ronivaldo (90.) zu treffen, waren vorhanden. Allein: "Wir haben in den entscheidenden Situationen nicht zugeschlagen, da fehlt der Killerinstinkt", bedauerte Köllner. "Das ist sehr bitter." In der kommenden Woche wolle man im OÖ-Derby gegen Ried Versäumtes nachholen. "Die Mannschaft wird sich schütteln und wieder kommen. Wir dürfen das Vertrauen in unser Spiel nicht verlieren."
Punktegleich mit Altach ist die SV Ried, die dank eines Heim-2:1 über die WSG Tirol eine fünf Partien andauernde Sieglos-Serie beendete. Dennoch dürfe man sich nicht in Sicherheit wiegen, mahnte Trainer Maximilian Senft. "Das Ligaformat ist an Brutalität nicht zu übertreffen. Wir haben zehn Punkte Vorsprung aufs Tabellenende, aber es sind noch 27 Punkte zu holen. Wir wissen, dass noch harte Spiele vor uns liegen."
Schiedsrichter-Ärger bei der WSG
Zwischen Senfts Riedern und der WSG hat sich zuletzt eine bemerkenswerte Rivalität entwickelt, angestachelt durch öffentlich geäußerte Kritik von Valentino Müller an der Spielweise der Innviertler. "Das hat uns heute sicher ein paar zusätzliche Prozent gegeben", meinte Senft. Sein WSG-Widerpart Philipp Semlic bezeichnete den ersten Elfer für Ried als "definitiv eine Fehlentscheidung", zudem hätte Michael Sollbauer nach einem rüden Einsteigen gegen Ademola Ola-Adebomi die Rote Karte sehen müssen. "Im Hinspiel haben sie uns schon Matthäus Taferner schwer verletzt mit einer unfairen Aktion. Jetzt haben sie auch wieder billigend eine schwere Verletzung in Kauf genommen."
Senft konterte: Taferners Verletzung sei unglücklich passiert, der erste Strafstoß sei ein klarer Elfmeter gewesen ("Da gibt es, glaube ich, keine zwei Meinungen") und ein Sollbauer-Ausschluss wäre überzogen gewesen. "Das Foul war nicht so rücksichtslos, dass Ola-Adebomi eine Riesenverletzung davongetragen hat oder hätte können. Aus meiner Sicht war es eine klare Gelbe Karte." Der Sieg sei verdient gewesen und verleihe im Hinblick auf das Cup-Semifinale am Mittwoch daheim gegen den LASK neues Selbstvertrauen, betonte Senft.
Zusammenfassung
- Der WAC hat nach dem 0:2 gegen den GAK auch den Start in die Qualifikationsgruppe der Bundesliga verpatzt und steckt mit nur einem Sieg aus den letzten 13 Runden tief in der Krise.
- Nicolas Wimmer kritisierte öffentlich die mangelnde Leidenschaft und Einsatzbereitschaft einiger Mitspieler und warnte vor dem Abstiegskampf, da nur noch sechs Punkte Vorsprung auf Blau-Weiß Linz bestehen.
- Trainer Ismael Atalan sieht sich weiterhin im Vertrauen des Präsidenten und glaubt an seine Fähigkeiten, das Team aus der Krise zu führen.
- Altach feierte mit einem 3:1-Sieg über Blau-Weiß Linz den Ausbau des Vorsprungs auf das Tabellenende auf zehn Punkte und kann sich bereits mit dem Europacup-Play-off beschäftigen.
- SV Ried beendete mit einem 2:1 gegen WSG Tirol eine fünf Spiele andauernde Sieglos-Serie, während WSG-Trainer Semlic die Schiedsrichterentscheidungen scharf kritisierte.
