Vinzenz Rohrer: Sein Weg zum NHL-Draft

24. Juni 2022 · Lesedauer 5 min

Knapp zwei Wochen noch bis zum NHL-Draft am 7. und 8. Juli – Österreichs zweiter Stürmerhoffnung neben Marco Kasper, Vinzenz Rohrer, wird derzeit sicher nicht fad. Bernd Freimüller wirft einen Blick auf die letzten Vorbereitungen des Vorarlbergers.

Anfang Juni stand in Buffalo noch das Combine für ihn und Kasper auf dem Programm – die von Central Scouting ausgewählten Top-Prospects aus Nordamerika und Europa bekamen Einladungen. 

Während Kasper direkt von der WM anreisen musste, konnte Rohrer zuvor doch noch in Feldkirch etwas entspannen – sein OHL-Team der Ottawa 67's schied schon in der ersten Playoff-Runde aus.

"Hat Spaß gemacht, kein Stress", so das Fazit Rohrers zum Combine, das Fitness- und medizinische Tests beinhaltet.

Das Erscheinen ist nicht Pflicht, aber doch Usus. Der tschechische Defender David Jiracek (ein potentieller Top-5-Pick) sagte nach der WM, die für ihn noch länger dauerte als für Marco Kasper, jedoch dankend ab, seinen Draft-Status wird das aber nicht berühren.

Gutes Abschneiden bei Fitness-Tests

Rohrer, früher auch ein begnadeter Tennis-Spieler, schnitt bei den Fitness-Tests sehr gut ab, gehörte bei elf von 18 Tests zu den Top-25-Cracks.

Daneben standen natürlich auch noch unzählige Interviews an, 20 Teams nahmen Rohrer in die Mangel. Die Bandbreite dabei reichte von zwanglosen Gesprächen zu verhörartigen, wo die Scouts roboterhaft Fragen stellten, keinen Blickkontakt aufnahmen und die Antworten in ihre Laptops hämmerten.

Dazu kam auch noch das eine oder andere Psycho-Spiel, eine Story über Süßigkeiten, die abwechselnd mit dem Head Scout in einer Tonne entsorgt wurden, macht auch beim Nachfragen nicht mehr Sinn. Aber halt alles Teil des Wegs, an dessen Ende die Talenteziehung steht.

Nach Buffalo ging es für Rohrer gleich nach Toronto (ohnehin kein weiter Weg), wo die Maple Leafs ihn auch noch einmal medizinisch testeten. Zusätzliche Fitnesstests nach dem Combine untersagt jedoch das NHL-Statut.

Rohrer sieht sich selbst "irgendwo um die dritte Runde herum"

Nach einer Woche Trainingspause nach der Saison stand schnell wieder Training an, der Ex-VEU-Langzeitlegionär Dylan Stanley fungiert dabei als Rohrers Personal Coach.

Das steht auch jetzt auf dem Programm, ehe Rohrer mit seinem Vater gleich wieder eine Reise über den großen Teich antritt. Am 5. Juli geht es nach Montreal zum Draft, der ist aber für ihn keineswegs am 8. Juli schon wieder beendet.

"Ich reise natürlich mit meinem Hockey Equipment an", so Rohrer, muss er doch mit einer Einladung an die gleich anschließenden Development Camps rechnen.

In Montreal stehen natürlich auch noch weitere Interviews an – im Gegensatz zu den hohen Erstrundern, die für einige Teams unerreichbar sein werden und daher auch zusätzliche Gespräche unsinnig erscheinen lassen, kann Rohrer natürlich von jedem Team gezogen werden.

Positives Feedback machte er etwa neben Toronto bei Minnesota, Philadelphia, Florida oder Montreal aus, doch meistens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Seine Eigeneinschätzung für den Draft erscheint realistisch: "Irgendwo um die dritte Runde herum." Eine kleine Abweichung nach oben oder unten ist dabei natürlich möglich, das eine oder andere Team könnte sich durchaus höher für ihn aus dem Fenster lehnen.

Sonderlob von Dave Cameron

Einer der Vorteile Rohrers, der auf einen Handelsschul-Abschluss zurückblicken kann: Er kann spielend zwischen Center und Flügel wechseln. "Hälfte-Hälfte", würde er seine Einsätze bei den 67's einschätzen.

Ein weiterer kleiner Vorteil, der jetzt noch ein bisschen ein Nachteil ist: Er gehört zu den jüngsten Spielern im Draft, sein Geburtsdatum 9. September 2004 ist nur sechs Tage vom Enddatum 15. September entfernt. Nicht viele andere Spieler gehen in den Draft als 17-jähriger.

Die Tatsache, dass er ein Rechtshänder ist, ist gerade für einen potentiellen Center auch nicht unerheblich, befinden sich diese doch stets in der Minderheit. Sein frühes Geburtsdatum bedeutet, dass er noch mehr Zeit als andere hat, gewisse physische Defizite aufzuholen.

Das sprach auch Ex-Caps-Coach Dave Cameron an, der in einem Interview mit der Sport-Webpage "The Athletic" von seinem Schützling bei den 67´s schwärmte: "Unglaublicher Kampfgeist, dazu noch ein sehr hoher Hockey-IQ. Er wird an seinem Körper hart arbeiten und dann ein sehr guter Eishockeyspieler werden. Selbst jetzt spielt er schon ohne Angst, einige seiner Pässe riechen jetzt schon nach der NHL. Wer immer ihn zieht, bekommt einen Super-Spieler und einen Super-Menschen."

AHL-Gig keine Alternative

Ottawa-GM James Boyd sparte gegenüber "The Athletic" auch nicht mit Lob: "Vinny spielt das Spiel in hohem Tempo, bewegt sich dauernd, findet daher offene Räume und entkommt so seinen Gegenspielern. So etwas überträgt sich sehr gut auf das nächsthöhere Level."

Der NHL-Draft, egal an welcher Stelle und von welchem Team, ist natürlich nur ein weiterer Schritt in der Entwicklung Rohrers.

Die nächsten zwei Jahre wird er höchstwahrscheinlich weiter im Juniorenbereich verbringen, ein AHL-Gig ist aufgrund der Abmachung mit der NHL keine Alternative (im Gegensatz zu Marco Kasper, dem diese Option offensteht).

Rohrers Hingabe zum Sport und bereits überaus professionelles Auftreten macht es für mich jedenfalls zur Tatsache, dass er zu jener (kleinen) Gruppe von österreichischen Eishockeyspielern gehört, die ihr Potential komplett ausschöpfen werden.

Hinweis: Dieser Artikel ist zuerst auf laola1.at erschienen 

Quelle: Redaktion / Laola1.at, Bernd Freimüller