NHL made in Austria - Kasper und Rohrer auf Rossis Spuren

18. März 2022 · Lesedauer 9 min

Mit Marco Rossi hat in der Saison 2021/22 ein weiterer Österreicher in der besten Eishockeyliga der Welt debütiert. Mit Marco Kasper und Vinzenz Rohrer stehen die nächsten Kandidaten bereits in den Startlöchern. PULS 24 nimmt die rot-weiß-roten Top-Prospects im Hinblick auf den NHL-Draft 2022 genauer unter die Lupe.

Am 6. Jänner war es endlich so weit: Marco Rossi betritt als achter Österreicher der Geschichte NHL-Eis und gibt sein Debüt für die Minnesota Wild. Während der Vorarlberger, der auch zu Österreichs Spieler des Jahres 2021 gewählt wurde, drauf an und dran ist sich in der NHL zu etablieren, schicken sich zwei weitere junge Österreicher an in seine Fußstapfen zu treten.

Marco Kasper: CHL-Sieger mit 17 Jahren

Einer davon ist Marco Kasper. 17 Jahre alt und frischgebackener Sieger der Champions Hockey League mit seinem schwedischen Klub Rögle BK. "Das bedeutet mir richtig viel. Das ist schon cool, da bereits mitwirken zu können", meint der Center einen Tag nach dem Triumph. Zwar blieb Kasper beim 2:1-Finalsieg über Tappara Tampere Eiszeit verwehrt, in den zwölf Spielen zuvor brachte er es jedoch auf zwei Tore und vier Assists. Obwohl es "natürlich schade" ist, dass er im Finale nicht habe mitwirken können, freut sich der gebürtige Innsbrucker über den Erfolg seiner Mannschaft ("Eishockey ist ein Teamsport.")

Dass Kasper in seinem jungen Alter bereits zum Stammpersonal einer europäischen Topmannschaft gehört, ist ohnehin keine Selbstverständlichkeit. Die Entwicklung steht dabei immer im Vordergrund. Punkte sind zweitrangig. Dennoch gelangen Kasper in der starken "Swedish Hockey League" in 43 Spielen bereits sechs Treffer und vier Vorlagen. 

Vinzenz Rohrer: Auf Rossis Spuren?

Und dann gäbe es da noch einen anderen Spieler des Jahrgangs 2004, der bereits in jungen Jahren auf sich aufmerksam macht. Vinzenz Rohrer, ein halbes Jahr jünger als sein Landsmann Kasper, wechselte nach der Jugendausbildung bei den Zürich Lions in der Schweiz vor der Saison 21/22 nach Ottawa. Dort sorgt er in der Ontario Hockey League bei den 67´s mit 35 Scorerpunkten in 48 Spielen für Furore.

Ein Karriereweg, der treuen Eishockeyfans bekannt vorkommen dürfte. Es ist quasi ein Spiegelbild der Laufbahn von Marco Rossi. Ob Rohrer die Vergleiche beflügeln oder hemmen? "Keines von beiden. Ich nehme das ganz locker. Ich vergleiche mich jetzt nicht ihm, aber wenn das jemand tun möchte, soll er das machen."

Während Rossi die Center-Position bekleidet, agiert Rohrer jedoch eher als rechter Flügel. "Hohe Laufbereitschaft, gute Spielübersicht, defensiv fokussiert und energisch", so beschreibt der Feldkircher seinen Spielstil. An der Zweikampfstärke und seinen körperlichen Schwächen will er noch feilen.

Dabei helfen soll ihm ein alter Bekannter aus der ICE Hockey League: Dave Cameron trainiert die Ottawa 67´s seitdem er die Vienna Capitals im Sommer 2021 nach drei Saisonen verließ. Der 63-Jährige blickt auf über 25 Jahre Erfahrung im Trainergeschäft zurück. Unter anderem coachte Cameron auch in der NHL als Assistant Coach (Calgary Flames, Ottawa Senators).

Auf die Frage, wie man sich die tägliche Arbeit mit ihm vorstellen kann, schmunzelt Rohrer: "Hart", so seine erste Antwort. "Er ist natürlich ein unglaublicher Trainer mit viel Erfahrung. Die Trainings sind ziemlich hart. Er ist immer direkt und sagt dir, was er denkt. Abseits des Eis kann es auch ziemlich lustig mit ihm sein. Er ist nicht immer nur der "angry man", fügt der 17-Jährige an.

Dave Cameron coachte die Vienna Capitals von 2018-2021, ehe es ihn zurück in seine kanadische Heimat zog. Neben den Ottawa 67´s ist er Trainer der kanadischen U-20-Nationalmannschaft. 

Kasper lobt heimische Nachwuchsarbeit

Während Vinzenz Rohrer die österreichische Eishockey-Liga maximal von Erzählungen seines Head Coaches kennt, war Marco Kasper etwas näher dran am Geschehen: Vor seinem Wechsel nach Schweden - im Sommer 2020 – absolvierte der Linksschütze seine komplette Jugendausbildung beim KAC. Dreimal kam Kasper sogar in der Alps Hockey League für das Farmteam zum Einsatz.

Für die Klagenfurter hat der 17-Jährige viel Lob übrig: "Der KAC ist eine super Organisation. Ich glaube, dass ich mich hier sehr gut entwickeln habe können", so Kasper, der seine ehemaligen Trainer, Mitspieler und die Strukturen im Verein hervorhebt.

Den größten Unterschied zur Nachwuchsarbeit in Schweden sieht er darin, welchen Stellenwert Eishockey generell einnimmt. "Hier steht einfach in jedem kleinen Ort eine Eishalle. Die Dichte an guten Spielern ist viel höher und es wird von klein auf viel mehr Eishockey gespielt." Die zusätzlichen Jahre in Österreich haben seiner Entwicklung jedenfalls keinen Abbruch getan, wie Kasper selbst bestätigt.

In dieselbe Kerbe schlägt Vinzenz Rohrer. "Der europäische Raum wird zu sehr niedergemacht. Oft heißt es, Nordamerika ist das Unglaublichste und man muss unbedingt dorthin wechseln. Ich würde Europa nicht zu sehr abwerten", so Rohrer, der seinem Ex-Klub, den Zürich Lions, "eine der besten Nachwuchsabteilungen in Europa" bescheinigt. Dennoch muss man auch realistisch bleiben: "Die OHL (Anm.: Ontario Hockey League) ist trotzdem noch einmal eine andere Dimension. Hier ist alles ein Stück weit professioneller."

ÖEHV-Talente mit guten Chancen im NHL-Draft

Für beide ÖEHV-Nachwuchshoffnungen ist das Ziel jedoch klar definiert: Über kurz oder lang soll der Weg in die NHL führen. Für Marco Kasper stehen die Chancen, bereits beim Entry Draft 2022 (7. – 8.7.) gepickt zu werden, sehr gut. Der Center liegt im "Draft Prospect Ranking" aller Spieler, die aktuell in Europa aktiv sind, auf Platz sieben. 

Mit guten Leistungen in Rögle hat sich Kasper in die Notizblöcke zahlreicher Scouts spielen können. Bei allem Medienrummel versucht er jedoch die Ruhe zu bewahren: "Ich möchte mich davon nicht beeinflussen lassen und versuche mich auf meine Leistungen zu konzentrieren." Die NHL sei natürlich trotzdem ein "Traum von mir", gibt Kasper zu.

Ähnlich schätzt Rohrer die Situation ein. "Natürlich hofft man, dass sich der Traum dieses Jahr verwirklicht, aber ich mache mir da keinen Stress. Man probiert sein bestes Eishockey zu spielen und der Rest kommt von allein." Rohrer, der in der Offensive flexibel einsetzbar ist, wird in der Kategorie "North American Skaters" aktuell auf Platz 46 geführt und darf sich ebenfalls berechtigte Hoffnungen machen, gedraftet zu werden.

U-20 WM als Sprungbrett

Eine weitere Möglichkeit sich in die Auslage zu spielen, bekommen die beiden Jungstars vermeintlich Anfang August. Die im Dezember abgebrochene U-20-Weltmeisterschaft soll laut IIHF-Präsident Luc Tardif in diesem Zeitraum nachgeholt werden. Trotz der klaren Niederlagen, die Österreich im Dezember gegen Kanada (2:11) und Finnland kassierte (1:7), freuen sich Beide auf die Neuaustragung: "Ich habe gar nicht gewusst, was das hier für einen Stellenwert hat. Andere Spieler haben mir erzählt, das war ihr Kindheitstraum, noch bevor sie in der NHL spielen wollten", ordnet der Kanada-Legionär Rohrer die Bedeutung des Turniers ein. "Gegen die besten Juniorenspieler auf der ganzen Welt zu spielen, ist schon ziemlich imponierend", fügt er hinzu.

Sein Teamkollege Marco Kasper gibt sich hinsichtlich des Turniers selbstbewusst: "Wir versuchen immer zu gewinnen, auch wenn das natürlich sehr schwierig sein wird gegen Top-Nationen wie Kanada oder Finnland. Aber gegen Deutschland ist eine Überraschung durchaus möglich." Neben diesen drei Nationen wurde dem ÖEHV-Team in Pool A Tschechien zugelost. Auch Rohrer ist "sich sicher, dass wir Spiele gewinnen können."

Sowohl Marco Kasper als auch Vinzenz Rohrer dürften in den Zukunftsplänen von ÖEHV-Teamchef Roger Bader wohl eine gewichtige Rolle spielen. 

Beide Akteure spielen wohl auch in den Zukunftsplänen von Teamchef Roger Bader eine große Rolle. Während Marco Kasper beim Vier-Nationen-Turnier in Jesenice bereits A-Team-Luft schnuppern durfte und sich eindrucksvoll mit zwei Toren und zwei Vorlagen vorstellte, wartet Rohrer noch auf sein Debüt.

NHL-Spieler, welche die beiden 17-Jährigen in absehbarer Zukunft werden wollen, sind für das Nationalteam aufgrund des straffen Spielplans oftmals nur eingeschränkt verfügbar. Sowohl Kasper als auch Rohrer bekennen sich jedoch dazu die rot-weiß-roten Farben in Zukunft so oft wie möglich bei Großereignissen vertreten zu wollen.

Michael Raffl: Die ewige NHL-Konstante

APA/APA/GETTY IMAGES NORTH AMERICA/CHRIS TANOUYE

Doch bis es soweit ist, hält ein anderer Österreicher in der besten Eishockey-Liga der Welt die Stellung. Die Rede ist von Michael Raffl, der heuer die Schallmauer von 600 Spielen in der National Hockey League durchbrechen wird.

Mit seinen Dallas Stars kämpft der 33-jährige Villacher aktuell um seine dritte Playoff-Teilnahme in Folge. Nach einer turbulenten Vorsaison mit drei Vereinswechseln scheint der Villacher in Dallas angekommen zu sein, auch wenn ihn eine Unterkörperverletzung kurzfristig ausbremste. Ende Februar gelang Raffl gegen die Buffalo Sabres sein erster Doppelpack seit 2016. Nach 47 Spielen hält er bei sechs Toren und sieben Vorlagen. Tore zu schießen sei immer schön. Viel schöner sei es jedoch, wenn seine Mannschaft Spiele gewinnt, gab der Teamplayer in gewohnt nüchterner Manier nach seinen beiden Treffern gegen die Sabres zu Protokoll.

Raffl absolviert bereits seine neunte Saison in der NHL. Nur Thomas Vanek und Michael Grabner haben mehr Spiele in den Beinen. Doch wer weiß, vielleicht schickt sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten einer der jungen österreichischen Talente an diese Rekordmarken zu brechen. Die Liste an möglichen Anwärtern wird mit jeder Saison länger.

Alle Österreicher in der NHL 

  • Reinhard Divis (2001-2006, St Louis Blues, 28 Spiele)
  • Christoph Brandner (2003-2004, Minnesota Wild, 35 Spiele, 4 Tore) 
  • Thomas Pöck (2003-2009, New York Rangers, New York Islanders, 118 Spiele, 8 Tore)
  • Thomas Vanek (2005-2019, u.a. Buffalo Sabres, 1.098 Spiele, 394 Tore) 
  • Andreas Nödl (2008-2013, Philadelphia Flyers, 183 Spiele, 15 Tore) 
  • Michael Grabner (2009-2020, u.a. New York Islanders, 680 Spiele, 184 Tore) 
  • Michael Raffl (seit 2013, u.a. Philadelphia Flyer, 563 Spiele, 88 Tore) 
  • Marco Rossi (seit 2022, Minnesota Wild, 2 Spiele)
     

Anzeige/Werbung

Dieser Artikel ist zuerst im Powerplay-Magazin erschienen. Mehr Geschichten wie diese inkl. eines ausführlichen Interviews mit Marco Rossi finden Sie in der aktuellen Ausgabe Powerplay. Jetzt bestellen und Abo sichern. 

Außerdem:

  • Neo-ÖEHV-Geschäftsführer Bernhard Friedrich im Interview
  • Ausblick auf das A-Nationalteam mit Teamchef Roger Bader
  • win2day ICE Hockey League und Alps Hockey League starten in die Playoffs
  • Ö Eishockey Liga macht Lust auf mehr
  • Alle wichtigen Verbands- und Eishockey-News wie Dameneishockey, Para Eishockey aus Österreich
  • und noch vieles mehr.
Maximilian PatakQuelle: Redaktion