APA - Austria Presse Agentur

"Vergehen gegen die Redlichkeit" - Diack droht Haft

18. Juni 2020 · Lesedauer 2 min

Die französische Staatsanwaltschaft hat zumindest das moralische Urteil im Korruptionsprozess in Paris gegen Lamine Diack gefällt. Der 87-jährige Ex-Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes habe ein "Vergehen der Redlichkeit, das weltweit Schaden verursacht hat", begangen. Für den Senegalesen wurden vom Staatsanwalt vier Jahre Gefängnis und eine maximale Geldbuße von 500.000 Euro gefordert.

Die französische Staatsanwaltschaft hat zumindest das moralische Urteil im Korruptionsprozess in Paris gegen Lamine Diack gefällt. Der 87-jährige Ex-Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes habe ein "Vergehen der Redlichkeit, das weltweit Schaden verursacht hat", begangen. Für den Senegalesen wurden vom Staatsanwalt vier Jahre Gefängnis und eine maximale Geldbuße von 500.000 Euro gefordert.

Diack war wegen Betrugs, Korruption, Veruntreuung und Geldwäsche angeklagt worden. Das Urteil und Strafmaß sollen zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden.

Zum Abschluss des Prozesses am Donnerstag sagte Diack-Anwalt Simone Ndiaye in seinem Plädoyer, seinen Mandanten nicht zum "Sündenbock" zu machen. Er forderte die Richter auf, "sich vor rein moralischen Urteilen zu hüten" und "der Versuchung zu widerstehen, dies zu einem beispielhaften Fall zu machen", um den Weltverband IAAF (heute World Athletics) zu reinigen.

Härter als Lamine Diack soll sein Sohn Papa Massata bestraft werden. Die Staatsanwaltschaft beantragte in Abwesenheit für den ehemaligen Marketingberater des IAAF und Drahtzieher im Hintergrund fünf Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 500.000 Euro. Papa Massata hat sich in den Senegal zurückgezogen, das ihn trotz Haftbefehls von Interpol nicht ausliefern will.

Die zahlreichen E-Mails, Briefe und Finanztransfers, die als Beweise für die Korruptionsvorwürfe vorgelegt wurden, belegen laut Staatsanwaltschaft, dass der Weltverband unter der Ägide der Diacks von 1999 bis 2015 ein "Paradies der Interessenskonflikte" und "das Objekt ihres Präsidenten" gewesen sei. Sie geißelten auch die "Kontrolle der Finanzen durch Vater und Sohn" der IAAF.

In seiner Amtszeit soll Lamine Diack laut Staatsanwaltschaft direkt oder indirekt 3,45 Millionen Euro von vorwiegend russischen Athleten für die Vertuschung von positiven Doping-Tests erpresst haben. Mehrere Athleten konnten dadurch an den Olympischen Spielen 2012 in London teilnehmen und Gold gewinnen - wie der Geher Sergej Kirdjapkin über 50 Kilometer.

Seinem Sohn soll er erlaubt haben, sich in Verhandlungen mit Sponsoren - der russischen Bank VTB, der koreanischen Samsung oder China-Sender CCTV - mehrere Millionen Euro anzueignen. Einem früheren Bericht zufolge räumte Diack ein, entschieden zu haben, Disziplinarverfahren gegen gedopte russische Athleten zurückzusetzen. Es sei ihm vor allem um die finanzielle Gesundheit der IAAF gegangen. Diack selbst erinnerte sich an Details aus seiner Jugend, blendete aber Einzelheiten des Falles aus.

Quelle: Agenturen