Überlegene Melbourne-Pole für Russell - Verstappen crashte
Im ersten Kräftemessen seit der größten Reglement-Änderung in der Motorsport-Königsklasse seit Jahrzehnten fuhr Mercedes der Konkurrenz davon. "Es war ein großartiger Tag. Wir wussten, dass das Auto ein tolles Potenzial hat. Aber bis zum ersten Samstag der Saison weißt du nicht, wo du stehst", sagte Russell nach seiner achten Karriere-Pole hochzufrieden.
Dahinter feierte der Franzose Hadjar ein erfolgreiches Red-Bull-Debüt. "Im Moment sind sie zu schnell, ich würde gerne meine Position halten", sagte er mit Blick auf das Mercedes-Duo. Vierter wurde Charles Leclerc (+0,809) im Ferrari. Das McLaren-Duo mit Lokalmatador Oscar Piastri (+0,862) und Weltmeister Lando Norris (+0,957) musste sich mit der dritten Startreihe begnügen. Rekordweltmeister Lewis Hamilton (+0,960) stellte den zweiten Ferrari auf den siebenten Startplatz, direkt vor den Racing-Bulls-Fahrern Liam Lawson und Arvid Lindblad, dem einzigen "Rookie" im seit diesem Jahr 22-köpfigen Fahrerfeld.
Verstappen verlor seinen Red Bull im ersten Qualifying-Abschnitt am Ende der Start-Ziel-Geraden und krachte seitlich in die Streckenbegrenzung des Albert Park Circuits. "Das Auto hat einfach auf der Hinterachse blockiert. Fantastisch", funkte der Niederländer, der glimpflich davon kam, zynisch an die Box.
Der Vierfach-Weltmeister blieb ohne Zeit und muss im ersten Saisonrennen von Startplatz 20 auf eine Aufholjagd hoffen. "Es ist schwierig zu sagen, was da los war. Ich habe keine Ahnung, wie das Überholen im Rennen funktionieren wird. Da sind noch viele Fragen offen", sagte Verstappen bei ServusTV.
Antonelli dankte seinen Mechanikern
Es folgte eine Rote Flagge, von der vor allem Antonelli profitierte. Denn der Italiener hatte im Abschlusstraining ebenfalls die Kontrolle über seinen Mercedes verloren und demolierte seinen "Silberpfeil" in Kurve zwei. Sein Team schaffte es aber gerade noch rechtzeitig, das Auto für das Qualifying zu reparieren. Antonelli bedankte sich mit dem zweiten Startplatz und danach bei seinen Mechanikern. "Es war ein harter Tag. Die wahren Helden sind in der Garage", betonte der 19-Jährige.
Auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff, der Antonelli nach dem Unfall aufgemuntert hatte, sah eine "unglaubliche Leistung" des Teams. "Das Auto hat zwei Stunden vor dem Qualifying so ausgeschaut, als hättest du ein Lego-Formel-1-Auto auf den Boden geworfen. Da muss man den Hut vor der gesamten Mannschaft ziehen", sagte der Wiener. Nach dem Qualifying war Wolff mit dem Status quo freilich zufrieden, die Favoritenrolle von Russell könne man nicht abstreiten. "Wir waren auf den Long Runs ganz gut. Aber es ist das erste Rennen mit den neuen Regeln, das muss man auch mal zu Ende fahren. Es wird ein Lernrennen für alle werden."
Aston Martin und Cadillac wie erwartet langsam
Antonelli droht allerdings noch eine Strafe, weil sein Team in "Q3" ein Kühlgerät an seinem Boliden vergessen hatte. Dieses blieb auf der Strecke liegen, Norris fuhr über das Teil und beschädigte sich seinen McLaren kurz vor dem Finale leicht. Am Ende des Feldes blieb Williams-Pilot Carlos Sainz wegen Motorenproblemen ohne Zeit, genauso wie Aston-Martin-Fahrer Lance Stroll. Dessen Teamkollege Fernando Alonso wurde 17., die langsamsten Runden drehte Formel-1-Neuling Cadillac mit Sergio Perez (18.) und Valtteri Bottas (19.).
Die Formel 1 fährt ab dieser Saison dank einer Regelrevolution in eine neue Ära. Die Autos sind kürzer, schmaler und leichter. Die Motoren werden zu gut 50 Prozent vom Verbrenner angetrieben, der von komplett nachhaltigem Kraftstoff befeuert wird. Die restliche Power kommt von der Batterie. Da die elektrische Energie nicht ausreicht, um die gesamte Runde über Vollgas zu geben, sind die Fahrer zu permanentem Energie-Management aufgerufen.
Zusammenfassung
- Max Verstappen verunfallte im ersten Qualifying-Abschnitt schwer, blieb ohne Zeit und muss das Rennen am Sonntag von Startplatz 20 aus aufnehmen.
- Die neuen Formel-1-Regeln sorgen für kürzere, schmalere und leichtere Autos, die zu rund 50 Prozent von nachhaltigem Kraftstoff angetrieben werden, was das Energiemanagement für die Fahrer deutlich anspruchsvoller macht.
