APA - Austria Presse Agentur

Titelverteidiger Thiem startet in Wien gegen Nishikori

24. Okt 2020 · Lesedauer 4 min

Dominic Thiem startet gegen Japans Topspieler Kei Nishikori in seine Titelverteidigung beim mit 1,551 Mio. Euro dotierten Erste Bank Open in Wien. Der US-Open-Sieger hat gegen den 30-Jährigen noch eine negative Bilanz von zwei Siegen in fünf Matches. Nishikori schlägt sich allerdings seit einem Jahr mit einer Ellbogenverletzung herum, wurde vor Jahresfrist auch am rechten Ellbogen operiert.

Thiem äußerte sich Samstagnachmittag über die Auslosung für sein Heimturnier. "Nishikori ist schon ein toughes Los, aber das war natürlich zu erwarten. Der Raster ist ja eine komplett andere Liga da", meinte Thiem. Seinen ersten Gegner habe er schon länger nicht mehr spielen gesehen. Nishikori war zuletzt ja verletzt und spielt mit "geschütztem Ranking".

Sein Trainer Nicolas Massu werde sich Videos anschauen von den letzten Turnieren Nishikoris. "Er ist natürlich ein echter Champion, Wahnsinnsspieler. Ich hoffe natürlich, dass er zur Zeit nicht die Form hat, die er vor zwei, drei Jahren gehabt hat. Aber ich schau, dass ich noch ein paar gute Vorbereitungs-Trainings habe und dann am Dienstag voll da bin."

Meistert der Weltranglisten-Dritte aus Lichtenwörth die erste Runde, könnte es zu einem Duell mit dem Schweizer Stan Wawrinka kommen. Der dreifache Grand-Slam-Sieger, mit dem Thiem zuletzt in Traiskirchen trainiert hatte, misst sich zum Auftakt mit dem Chilenen Cristian Garin. Erster möglicher gesetzter Gegner Thiems wäre im Viertelfinale der Russe Andrej Rublew (5), "programmierter" Halbfinalgegner wäre mit dem als Nummer 4 gesetzten Daniil Medwedew ebenfalls ein Russe. Im "Thiem-Raster-Viertel" befinden sich auch zwei andere aufstrebende Jungstars, die gleich in der ersten Runde aufeinandertreffen: Der Italiener Jannik Sinner und der Norweger Casper Ruud.

Superstar Novak Djokovic, der erstmals seit seinem Wien-Titel 2007 wieder in der Stadthalle spielt, startet bei seinem dritten Antreten gegen seinen serbischen Landsmann Filip Krajinovic. Auf dem Weg zum erhofften Traumfinale der Nummern 1 und 3 der Welt zwischen dem 17-fachen Major-Sieger Djokovic und Österreichs Grand-Slam-Champion Thiem müsste der Serbe aber bei "normalem" Verlauf noch Diego Schwartzman (ARG-6) und danach den als Nummer 3 gesetzten Griechen Stefanos Tsitsipas aus dem Weg räumen.

"Es war klar, dass jedes Match ein sehr starkes werden wird. Mir fällt die Ausgeglichenheit auf. Es ist kein Match, wo man sagt, da sind jetzt zwei Turnierfavoriten gegeneinander", konstatierte Turnierboss Herwig Straka und meinte über die Auslosung seines Schützlings: "Das Viertel vom Dominic ist stark. Mit Nishikori, eventuell Wawrinka zweite Runde, Rublew, Sinner, das ist schon ein Viertel, in dem er arg zu kämpfen hat."

Die weiteren Österreicher, die dank Wildcard im Feld sind, sind in ihren Matches Außenseiter: Dennis Novak spielt erstmals gegen den Wien-Sieger 2018, den Südafrikaner Kevin Anderson. Jurij Rodionov trifft ebenfalls zum ersten Mal auf den als Nummer 8 gesetzten Kanadier Denis Shapovalov. Die beiden sind übrigens fast gleich alt, Shapovalov ist rund ein Monat älter, beide sind 21.

Voller Freude war der erst 21-jährige Jurij Rodionov. "Ich habe mich richtig gefreut, dass der Herwig (Straka, Anm.) mir gesagt hat, dass ich die Hauptfeld-Wildcard bekomme. Das ist eine Riesengelegenheit", sagte der Niederösterreicher. Bei dem starken Teilnehmerfeld wäre er "laut Papier gegen jeden der Außenseiter" und nun geht es für ihn gegen Denis Shapovalov. "Er ist einer der gefährlichsten Spieler auf der Tour. Nichtsdestotrotz werde ich 110 Prozent spielen, werde mein letztes Hemd geben und versuchen alle stolz zu machen. Ich freue mich schon richtig auf das Match."

"Rodionov - Shapovalov ist sicher ein interessantes Match von der Spielanlage her und Novak - Anderson - bei Anderson weiß man nicht, der war ja lange verletzt. Für Dennis ist es, wenn er die Chance hat, den Ball im Spiel zu halten, durchaus auch möglich", lautete die Einschätzung Strakas für diese Österreicher-Spiele.

Im Doppelbewerb sind insgesamt vier Österreicher vertreten. Jürgen Melzer kommt mit seinem französischen Partner Edouard Roger-Vasselin als frischgebackener St. Petersburg-Sieger nach Wien. Für den 39-jährigen Niederösterreicher war es sein 17. Tour-Doppeltitel gewesen.

Oliver Marach, der sich vom südafrikanischen Partner Raven Klaasen getrennt hat, tritt in Wien mit dem Briten Daniel Evans an. Als Duo präsentieren sich auch wieder einmal Dominic Thiem und sein bester Freund Dennis Novak. Die beiden hatten 2016 in Kitzbühel schon einmal das Endspiel erreicht. Für Thiem wird es sein erster Doppeleinsatz auf der Tour in diesem Jahr.

Nach Absagen von Matteo Berrettini (ITA/ATP-10.), Milos Raonic (CAN/ATP-19.) und David Goffin (BEL-14) rutschten Taylor Fritz (USA), Hubert Hurkacz (POL) und Jan-Lennard Struff (GER) in den Hauptbewerb. Damit sind offiziell noch sechs Top-Ten-Spieler im Bewerb, Nishikori (aktuell 36.) geht mit einem "geschützten Ranking" von 10 ins Turnier.

Alle drei Österreicher in der Qualifikation scheiterten gleich in der ersten Runde am Samstag. Alexander Erler gelang beim 6:3,3:6,2:6 gegen den Kanadier Vasek Pospisil der einzige Satzgewinn, Lucas Miedler unterlag dem Italiener Lorenzo Sonego 4:6,3:6, David Pichler dem Slowenen Aljaz Bedene 0:6,4:6.

Quelle: Agenturen