Vor 50 Jahren hob der Luxusflieger Concorde erstmals ab
Die eleganten Jets mit der spitzen Nase erreichen dabei eine Geschwindigkeit von rund 2.200 Kilometern pro Stunde. Jeweils 100 Passagiere, die sich ihre Plätze teils schon Jahre zuvor reserviert haben, sind an Bord der Maschinen.
Die Fluggäste von Air France seien sich bei ihrer Rückkehr in Paris einig gewesen, dass sie eine unvergessliche Reise erlebt hätten, berichtete damals die Zeitung "La Croix". Während die Passagiere des ersten kommerziellen Concorde-Flugs ein Souvenirgeschenk erhalten, begibt sich die Besatzung zum Élysée-Palast, wo Präsident Valéry Giscard d'Estaing sie in Begleitung des Direktors für Flugtests der Concorde zum Frühstück einlädt. Der Empfang zeigt: Bei der Concorde ging es nicht bloß um die Entwicklung eines Flugzeugs, sondern auch um Prestigedenken. Die Concorde galt Briten und Franzosen als Symbol des nationalen Stolzes.
Bei Start und Landung imponierten die Überschallflugzeuge, und ihre Piloten und illustren Passagiere wurden beneidet. Die Liste der prominenten Fluggäste wurde über die Jahre immer länger - ob Madonna, Richard Gere, Sir Paul McCartney, Mike Tyson oder Claudia Schiffer. Und auch die britische Königin Elizabeth II., der französische Präsident Jacques Chirac sowie diverse britische und französische Regierungschefs haben die Concorde gerne demonstrativ als Transportmittel genutzt. Zu den regelmäßigen Passagieren gehörten neben Geschäftsleuten, Stars oder Angehörigen des Hochadels Menschen, die sich einmal im Leben einen solch luxuriösen Flug leisten wollten.
Die Menükarte bei den Concorde-Flügen las sich wie die eines Sterne-Restaurants: Kaviar, Hummer, Chateaubriand, Rührei mit Trüffeln oder marmorierte Gänseleber mit Trüffeln und Bordeaux-Weingelee etwa, dazu Champagner und ausgewählte Weine. Ein Luxus, für den die Passagiere tief in die Tasche greifen mussten: Im Jahr 2001 kostete das billigste reguläre Rückflug-Ticket für die Strecke London-New York 10.900 Euro, ab Paris wurden 8.100 Euro verlangt.
Prestigeprojekt war unwirtschaftlich
Sehr teuer und sehr laut war das mit Milliardenaufwand entwickelte Überschallflugzeug aber auch im Betrieb, was erklärt, dass am Ende nur 20 Maschinen für Air France und British Airways gebaut wurden. Keine der 17 anderen Airlines, die insgesamt 76 Jets vorbestellten, beschafften die Concorde tatsächlich. Mit wirtschaftlicher Vernunft ließ sich das Überschallflugzeug nicht erklären, weshalb Amerikas Flugzeugkonstrukteure sich am Ende gegen den Bau einer auf den Reißbrettern längst konzipierten "amerikanischen Concorde" entschieden.
Allerdings schickte die Sowjetunion im damaligen Wettlauf zwischen Ost und West ihr Überschallflugzeug, die der Concorde ähnlich sehende Tupolew Tu-144, schon am 29. Dezember 1975 und damit zwei Wochen vor der Concorde auf den kommerziellen Erstflug. Damit stahlen sie den Briten und Franzosen die Show. Dass anders als Fernsehbilder glauben ließen, bei diesem Flug noch keine Passagiere, sondern nur Fracht an Bord war, wurde erst später bekannt. Anders als die Concorde blieb die unausgereifte Tu-144 aber nur kurz im Liniendienst und wurde nach nur gut 100 Flügen 1978 ausrangiert.
Dramatischer Absturz mit knapp 100 Deutschen
Unterdessen sahen sich Air France und British Airways mangels Nachfrage schnell gezwungen, Ziele wie Rio, Mexiko oder Singapur wieder vom Flugplan der Concorde zu nehmen. Bald blieben als einzige reguläre Flugrouten die Strecken von London und Paris nach New York. Und dabei gab es um das Anfliegen der USA zunächst Streit, weil Umweltschützer und Flughafenanlieger sich schon damals gegen den extrem spritfressenden und lauten Jet wehrten. Erst im November 1977 konnte die erste Concorde in New York landen.
Zum Ruhm der Concorde trug auch bei, dass sie lange das einzige Düsenverkehrsflugzeug der Luftfahrtgeschichte ohne verhängnisvolle Unfälle blieb. Dann aber kommt es am 25. Juli 2000 zu einem dramatischen Absturz bei Paris. Eine gecharterte Concorde, die knapp 100 Deutsche sowie eine in Deutschland lebende gebürtige Österreicherin zum Ausgangspunkt einer Kreuzfahrt nach New York bringen soll, zerschellt nur knapp zwei Minuten nach dem Start in einem Flammenmeer. Insgesamt gibt es 113 Tote. Wie eine Schockwelle verbreitet sich die Nachricht vom Absturz in der Welt und vor allem in Deutschland.
Kettenreaktion löste Katastrophe aus
Wie Untersuchungen nach der Katastrophe ergaben, war die Concorde beim Start über ein 40 Zentimeter langes Metallstück gerollt, das ein zuvor abgeflogener Jet der damaligen US-Fluggesellschaft Continental Airlines verloren hatte. Das löste eine verhängnisvolle Kettenreaktion aus: Die Lamelle ließ einen Reifen am Fahrwerk der Concorde platzen, Gummiteile durchschlugen einen Tank des Flugzeugs, und das ausströmende Kerosin fing Feuer.
Das Unglück beschleunigte das Ende der prestigeträchtigen Concorde, die mit zunehmendem Alter immer pannenanfälliger und wartungsintensiver wurde. Zwar wurde der nach dem Absturz unterbrochene Betrieb der Concorde im November 2001 wieder aufgenommen und die Maschinen dazu mit Millionenaufwand modernisiert. Auch vor dem Hintergrund der Luftfahrtkrise nach den Anschlägen vom 11. September 2001 stellten Air France und British Airways den Betrieb der Concorde 2003 schließlich ein.
Bewundert werden kann der schicke Überschall-Jet heute nur noch am Boden. Etliche der Maschinen sind in Großbritannien und Frankreich ausgestellt. Eine Concorde steht auf dem Gelände des Flughafens Charles de Gaulle in Paris, eine im Luftfahrtmuseum Aerospace im britischen Bristol und auch im Technikmuseum Sinsheim (Baden-Württemberg) kann eine ausgemusterte Concorde bestaunt werden: Sie ist dort neben einem Exemplar ihrer früheren Rivalin, einer Tu-144, ausgestellt.
Zusammenfassung
- Am 21. Jänner 1976 starteten Air France und British Airways zeitgleich den ersten kommerziellen Concorde-Flug von Paris und London.
- Die Concorde erreichte Geschwindigkeiten von rund 2.200 km/h und bot Platz für 100 Passagiere, die für ein Ticket bis zu 10.900 Euro zahlten.
- Das Prestigeprojekt war wirtschaftlich nicht tragbar – von ursprünglich 76 vorbestellten Maschinen wurden nur 20 gebaut und ausschließlich von Air France und British Airways betrieben.
- Der dramatische Absturz einer Concorde am 25. Juli 2000 bei Paris forderte 113 Menschenleben und beschleunigte das Ende des Überschallfliegers.
- Nach dem Absturz, technischen Problemen und der Luftfahrtkrise nach dem 11. September 2001 stellten die beiden Airlines den Concorde-Betrieb 2003 endgültig ein.
