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"Step nach vorne": Sturm startet ideal in Europa League

09. Sept. 2022 · Lesedauer 4 min

Der SK Sturm hätte es sich einfacher machen können. Auf dem Weg zum verdienten 1:0-Auftaktsieg in die Europa League gegen den FC Midtjylland geizten die Grazer nicht mit Spannungsmomenten - zwei Lattentreffer, ein vergebener Elfmeter und der Ausschluss von Kapitän Stefan Hierländer inklusive.

"Ein großartiger Abend für uns, für den ganzen Verein. Es war unser großes Ziel mit einem Heimsieg in die Gruppe zu starten", jubelte Christian Ilzer. Der Trainer und sein Team haben bereits nach dem ersten von sechs Spielen den Auftrag des Sportchefs erfüllt.

Gazibegovic: "Wollten es mehr"

Andreas Schicker hatte nach zwei Remis in der Vorsaison für heuer die leise Hoffnung auf zumindest einen Sieg in der Gruppe formuliert. Gegen Feyenoord - schon in der kommenden Woche folgt der schwere Gang nach Rotterdam - und Lazio Rom, sollte es sich nun befreit aufspielen lassen. Die Parallelpartie endete mit einem doch klaren 4:2-Sieg der Italiener.

Der dänische Vizemeister enttäuschte indes auf allen Linien, doch das schmälerte den runden Abend aus Grazer Sicht nicht. Anders als im Lehrjahr schien auch die innere Überzeugung auf Anhieb zu passen. "Wenn man drei Punkte in der Euro League macht, dann hat man einen Step nach vorne gemacht", stellte Hierländer fest. "Jeder ist für jeden gelaufen, hat Fehler ausgebessert, das war der Schlüssel heute. Ich glaube, dass wir es mehr wollten", erklärte Rechtsverteidiger Jusuf Gazibegovic.

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Ilzer: "Erste Halbzeit überragend"

"Das Spiel hatte alles, was ein Fußballspiel zu bieten hat. Die erste Halbzeit zählte zu den besten der Saison", meinte Gregory Wüthrich. "Die erste Halbzeit war überragend", stimmte Ilzer zu, "nur das Ergebnis hat mir nicht gefallen. Da müssen wir 3:0 führen."

Tatsächlich vergaben etwa der später als Matchwinner feststehende Emanuel Emegha und vor allem Tomi Horvat vom Elfmeterpunkt Top-Möglichkeiten auf einen klaren Pausenvorsprung. "Wir haben den FC Midtjylland am Leben gehalten. In der zweiten Halbzeit haben sie dann gezeigt, wie gut sie Fußballspielen können", meinte Ilzer.

Zittern nach Hierländer-Ausschluss

APA/ERWIN SCHERIAU

Hierländers gelb-rote Karte hätte gut zwanzig Minuten vor dem Ende zum Knackpunkt der unnötig knappen Partie werden können. Doch Sturm ließ wenig zu. "Auch wie der Hierli dann draußen war, haben wir trotzdem einen Mann auf der Tribüne gehabt", lobte Gazibegovic die Unterstützung der Anhänger. "Die Fans sind immer hinter uns, egal wie es steht. Sie waren heute ein großer Faktor." Beim ersten Heimsieg in einer europäischen Gruppenphase seit fast 13 Jahren (1:0 gegen Galatasaray/Dezember 2009).

Den Ergebnis-Unterschied fixierte mit Emegha ein Stürmer, der nach dem Abgang von Rasmus Höjlund und der Verletzung von Jakob Jantscher schneller als geplant funktionieren muss. Und das am Donnerstag auch tat. Sein Zwillingsbruder hätte ihm im Vorfeld ein Tor aufgetragen, meinte Emegha im Anschluss und dankte Gott für seinen ersten Europacup-Treffer. Wohl weniger für seine Effizienz. "Ich hätte wohl vier Tore schießen müssen", diktierte der 19-Jährige in die Sky-Kamera. "Aber glaubt mir, das kommt mit der Zeit."

Lob für Emegha 

Während der bei Sparta Rotterdam ausgebildete Niederländer schon gespannt zum folgenden Auswärtsspiel gegen Feyenoord blickte, lobte der Trainer seinen unorthodox wirkenden 1,95-m-Schlaks. "Er tut unserem Spiel gut. Die Mannschaft findet ihn, setzt ihn immer besser ein." Ilzer, der das 1:0 als "Bilderbuchtor" im Sturm-Playbook bezeichnete, zeigte sich auch angesichts von Emeghas Entwicklung zufrieden. "Er hat acht Monate vorher nicht gespielt von Anfang an. Er hat viel Potenzial, das er jetzt noch stabilisieren muss."

Ob Emegha seine Torgefahr auch im kommenden Ligaspiel gegen Klagenfurt zeigen darf, war Donnerstagnacht noch ungewiss. Aufgrund einer Wadenblessur musste der Stürmer wie auch Jon Gorenc-Stankovic (Oberschenkel muskulär) angeschlagen vorzeitig vom Feld.

Quelle: Agenturen / mpa