Calmund über Rangnicks ManUtd-Engagement: "Nicht vereinbar mit Teamchef-Posten"

18. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Reiner "Calli" Calmund hat in Deutschland Kultstatus. Im exklusiven Interview spricht der 73-Jährige über die Bestellung Ralf Rangnicks als österreichischen Teamchef und hat viel Lob für seinen Landsmann parat. Die Kritik an Rangnicks Beratertätigkeit bei Manchester United kann der Ex-Leverkusen-Funktionär allerdings gut nachvollziehen.

Knapp 30 Jahre prägte Reiner Calmund die deutsche Fußball-Bundesliga wie kaum ein Zweiter. Als Hauptverantwortlicher von Bayer Leverkusen wurde er zur Identifikationsfigur der "Werkself" und formte diese zu einem Spitzenclub. Der Gewinn des UEFA Pokals 1988, des DFB-Pokals 1993 bzw. der Einzug ins Champions League Finale 2002 zählen zu den größten Erfolgen des Vereins unter "Calli". Mittlerweile ist er als Experte, Moderator und Teilnehmer an diversen Reality-TV-Shows bekannt. 

"Ralf Rangnick ist ein Top-Mann"

Im Exklusiv-Interview auf der Hohen Warte spricht Calmund vor allem über die Bestellung Ralf Rangnicks als österreichischen Teamchef. "Ralf Rangnick ist ein absoluter Top-Mann", meint Calmund der viel Lob für seinen Landsmann parat hat. Der 73-Jährige hebt die Erfolge Rangnicks mit Ulm, Hannover 96, Stuttgart, Schalke 04, Hoffenheim und nicht zuletzt Red Bull Salzburg bzw. Leipzig hervor. "Da war natürlich auch Kohle dahinter aber das war einfach ein ausgezeichneter Job, den er dort gemacht hat."

Calmund streicht außerdem die Vorzüge des neuen ÖFB-Coachs abseits des Platzes heraus: "Wenn du Nationaltrainer von Österreich bist, kannst du nicht nur als normaler Trainer herumlaufen. Du brauchst einen Trainer, der dort managt, in die Jungend reinguckt, Entwicklungen plant, die Nationalspieler beobachtet. Ein Riesen-Apparat. Da wäre Ralf Rangnick schon ein guter Mann." 

Calmund äußert Verständnis für Kritiker 

Dennoch äußert "Calli" auch Verständnis für die Kritik an der Bestellung des Deutschen. Er könne verstehen, dass sich einige nach Marcel Koller und Franco Foda eine österreichische Lösung gewünscht hätten. Peter Stöger und Andi Herzog hält er für gute Trainer. 

Dass der Umstand, dass Rangnick seine Berater-Tätigkeit beim englischen Topverein Manchester United für maximal sechs Tage im Monat fortführen will, Kritik hervorruft, sei für Calmund absolut nachvollziehbar. Er habe "völligstes Verständnis für jeden österreichischen Fußballfachmann, der das kritisiert." Für Calmund seien die beiden Jobs nicht vereinbar. Der Deutsche denkt, dass diesbezüglich noch Gespräche geführt werden: "Das kann im Endeffekt auch nicht im Interesse von Manchester United sein. Ich sehe da Lösungsmöglichkeiten."

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Relegation: "Wird ein heißes Tänzchen"

Reiner Calmund äußerte sich außerdem zu den anstehenden Relegationsspielen der deutschen Bundesliga. Im Kampf um die Bundesliga-Teilnahme stehen sich Hertha BSC Berlin und der Hamburger SV gegenüber. Eine Liga darunter geht es zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Dynamo Dresden zur Sache. Calmund verweist auf die große Tradition vieler Vereine, die aktuell nicht zu den Top-Adressen des deutschen Fußballs gehören. "In der zweiten Liga haben wir mit Bremen, Schalke, Nürnberg und dem HSV vier Vereine, die zusammen 20-mal deutscher Meister waren."

Der langjährige Funktionär hätte eher mit dem VfB Stuttgart in der Relegation gerechnet, der sich am letzten Spieltag in einem Herzschlagfinale noch Platz 15 sicherte - auch dank ÖFB-Stürmer Sasa Kalajdzic. "Er gehört zu den besten Stürmern der Bundesliga", meint Calmund. Für die anstehenden Relegationsspiele erwartet er "ein heißes Tänzchen."

Maximilian PatakQuelle: Redaktion