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Red Bull pocht im Poker mit Porsche auf "Philosophie"

01. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

Auf XXL-Werbebannern empfängt der überlegene WM-Leader Max Verstappen seine "Orange-Army" an den Toren der Formel-1-Strecke von Zandvoort. Lokalmatador und Weltmeister Verstappen sorgt beim Grand Prix der Niederlande für riesige Begeisterung. Zwischen seinem Rennstall Red Bull und dem Wunsch-Partner Porsche ruckelt es aber. "

Porsche-F1-Einstieg wackelt", titelte das Fachmagazin "Auto, Motor und Sport". Eine Woche nach dem Einstieg von Audi zur Saison 2026 lautet die Frage: Wann verkündet die andere Volkswagen-Tochter ihr endgültiges Go? "Porsche befindet sich in Gesprächen, wir haben aber noch keine finale Entscheidung getroffen", sagte VW-Konzernchef und Porsche-Boss Oliver Blume. Man begrüße "das neue Reglement, das eine deutlich höhere Elektrifizierung der Motoren zulässt und den Einsatz von synthetischen Kraftstoffen". Mehr aber auch nicht. Das ist der Status Quo der Sportwagenmarke.

Die Formel 1 hat für die Hersteller Audi und Porsche einen Regelkompromiss geschaffen. Ab 2026 sollen die Hybrid-Motoren mit 100 Prozent nachhaltigem Kraftstoff betrieben werden. Der Verbrenner im Aggregat soll nur noch 50 Prozent der Leistung beitragen, der Rest ist elektrisch. Das passt zur künftigen Ausrichtung der Auto-Branche.

Porsche auf Partner-Suche

Jetzt geht es ans Finetuning. Das heißt im konkreten Fall, dass sich Porsche mit seinem künftigen Partner einigen muss. Red Bulls Teamchef Christian Horner sprach zuletzt von einem "längeren Prozess". Es gebe noch "einige wichtige Hindernisse", die man vor einer Einigung überwinden müsse.

Der Wunschtermin der Verkündung, Österreich zum Red-Bull-Heimspiel im Juli, ist ohnehin längst geplatzt. Bis zum 15. Oktober müssen sich die Motorenhersteller beim Motorsport-Weltverband (FIA) einschreiben, wenn sie ab 2026 dabei sein wollen. Man kann das auch ohne Partner tun, bei Porsche ist so ein Schritt aber unwahrscheinlich.

Red Bull will bessere Konditionen

Red Bull hat sich nach dem Ausstieg von Motorenpartner Honda Ende 2021 emanzipiert und eine eigene Motorenschmiede namens Red Bull Powertrains gegründet. Der Energydrink-Rennstall nutzt die zuvor entwickelten Grundlagen beim Bau einer eigenen Triebwerkseinheit, erhält dabei aber weiter technische Hilfe von den Japanern. Diese Vereinbarung läuft noch bis Ende 2025.

Hier kommt Porsche ins Spiel. "Auto, Motor und Sport" zufolge will der Stuttgarter Sportwagenbauer 50 Prozent von Red Bull Advanced Technologies übernehmen, der Technologiesparte des Formel-1-Teams. Das bedeutet für Red Bull finanzielle Sicherheit, aber auch ein erhebliches Mitspracherecht für den Partner. Red Bull will nun aber bessere Konditionen für sich rausschlagen und verweist auf seine gewachsene Unabhängigkeit in der Motorenfrage.

Porsche will vorne mitfahren

Porsche, das in diesem Jahr noch an die Börse soll, will bei einem Einstieg vorne dabei sein. Deshalb ist eine Zusammenarbeit mit Red Bull um den bis 2028 vertraglich gebundenen Weltmeister Max Verstappen das Ziel. Porsche müsse zur "Philosophie von Red Bull" passen, beschied Horner. Das sei "absolut grundlegend für jede Diskussion".

Noch wird am Rande des Heim-Grand-Prix von Verstappen also gepokert. Sportlich hält Red Bull heuer längst alle Asse in der Hand. Verstappen hat neun der 14 Saisonrennen gewonnen und nimmt langsam aber sicher den Allzeit-Rekord von 13 Saisonerfolgen in einem Jahr ins Visier. Diesen teilen sich aktuell Michael Schumacher und Sebastian Vettel.

Verstappen ist auch in Zandvoort der klare Favorit. "Es wird großartig sein, dass mich meine Familie unterstützt", sagte der Niederländer. "Es wird ziemlich verrückt." Gut möglich, dass er das Rennen in den Dünen wie 2021 gewinnt. "Das ist eine Leichtigkeit, mit der er momentan diese Leistungen bringt, das ist unbeschreiblich", meinte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko über seinen Zögling.

Quelle: Agenturen / mpa