APA - Austria Presse Agentur

ÖHB-Frauen starten in EM-Quali als Außenseiter

05. Okt 2021 · Lesedauer 4 min

Nach der geschafften Qualifikation für die WM im Dezember in Spanien beginnt am Donnerstag für Österreichs-Handball-Frauen die EM-Qualifikation 2022. Diese Aufgabe wird aber ungemein schwieriger, zumal man in Gruppe 1 mit Dänemark und Rumänien auch laut Aussagen von ÖHB-Teamchef Herbert Müller "zwei absolute Damen-Handball-Topnationen" zum Gegner hat. Am Donnerstag (20.00 Uhr) geht es auswärts gegen die Däninnen, am Sonntag (18.10) in der Südstadt gegen Rumänien.

"Wir sind uns der Schwere der Aufgaben diese Woche mehr als bewusst. Gerade mit Dänemark kommt jetzt sicher ein übermächtiger Gegner, aber die Mannschaft weiß, dass wir uns wehren können und wollen", meinte Müller, der bereits seit 17 Jahren das Teamchef-Amt bekleidet. Mögliche Schwächen der Gastgeber in Horsens suche er "seit Wochen": "Sie haben eine unfassbare breite Qualität im Kader, es spielt gar keine Rolle, wer da anfängt. Sie haben jede Position doppelt und dreifach auf Weltklasseniveau besetzt." Dänemark sei eine Mannschaft, die auf den ersten Blick unerreichbar erscheint.

Auch im Heimspiel am Sonntag gegen die Rumäninnen sieht er seine Truppe als klaren Außenseiter, auch wenn die Gäste auf die vierfache Welthandballerin Cristina Neagu (Müller: "eine Nationalheldin in Rumänien") verzichten müssen. "Beide Nationen treten bei jedem Großereignis an, nicht nur um Medaillen zu gewinnen, sondern immer wieder ganz oben mitzuspielen. Auch in Rumänien ist die Spielerbreite sehr groß."

Trotzdem sei die Aufgabe in Dänemark noch schwieriger einzustufen als im Heimspiel. "Weil wir gerade in den Heimspielen immer wieder gezeigt haben, dass wir in der Lage sind, auch einem ganz Großen ein Bein zu stellen."

Für eine Sensation am Sonntag müsse einfach alles zusammenpassen, aber: "Wir sind nicht realitätsfremd: Wir wissen, dass wir sogar die Realität ein bisschen biegen müssen, um in solchen Spielen eine Chance zu haben."

Für Petra Blazek, die Kapitänin und Langzeit-Torfrau, wird das Match am Donnerstag ihr 200. Länderspiel: "Natürlich bin ich stolz darauf, Österreich schon so viele Jahre vertreten zu dürfen, aber andererseits ist es für mich eigentlich egal, ob es das erste oder das 200. ist, weil ich denke, dass jedes Spiel eine neue Herausforderung ist." Blazek feierte im Mai 2004, übrigens gemeinsam mit Teamchef Müller, ihre Nationalteam-Premiere, damals war sie 16. "Wir sind auf einem guten Weg, aber wir müssen lernen, noch Konstanz reinzubringen, damit wir immer wieder gegen stärkere Gegner bestehen können."

Für die gesamte Qualifikation, in der es dann im März mit zwei Spielen gegen die Färöer weitergeht sowie dann die jeweiligen Rückspiele gegen Dänemark und Rumänien sei die erste Woche schon entscheidend, so Blazek. "Es wäre enorm wichtig, irgendwo zu punkten, dadurch, dass sich nur zwei Nationen qualifizieren."

Dänemark-Legionärin Sonja Frey kennt den ersten Gegner besonders gut. Der Handball-Sport habe sowohl in Dänemark (ebenso wie in Rumänien) viel mehr Bedeutung, das Match gegen Österreich würde im TV von Hunderttausenden beobachtet werden. Und auch wenn es zuletzt einige Niederlagen gegen Rumänien gegeben habe, sieht Frey keine "offene Rechnung". "Nein, da ist keine Rechnung offen, weil wir nicht auf Augenhöhe sind. Wir müssen wissen, wo wir stehen und wir sind Österreich und haben nicht diese Qualität."

Und auch bei der Ausgangslage, dass man für eine EM-Quali-Chance diese Woche Punkte mitnehmen müsse, will Frey das nicht hören. "Wir müssen gar nichts bei der Konstellation. Das ganze Land ist Handball-narrisch, was da Mädels Handball spielen, ist mit Österreich nicht vergleichbar, auch nicht in Rumänien." Es wäre vermessen von Muss-Punkten zu sprechen.

Und wo sieht Langzeit-Coach Müller den Schlüssel, dass auch Österreich eine derartige Handball-Kultur entwickelt? "Die Basis ist das Schlagwort: du musst von Kind auf die Basics lernen. Handball muss eine bestimmte Wichtigkeit auch haben - in Rumänien ist der Damen-Handball die wichtigste Sportart des ganzen Landes. In Dänemark war das etliche Jahre auch so", erläuterte Müller.

Was einst ein im positiven Sinne Wahnsinniger wie Gunnar Prokop mit dem "Kunstprodukt Hypo" erreicht habe, sei sensationell. Doch so etwas sei in Österreich nur sporadisch ausgeprägt, so der Deutsche. "Bei uns kriegt man viel zu schnell die Chance, in einem Nationalteam zu spielen, man muss gar nicht so sehr kämpfen. Wir müssen von ganz unten aufforsten", hielt Müller ein flammendes Plädoyer für den Handball in Österreich.

Schritt für Schritt wollen sich die Frauen näher heranpirschen mit dem vorläufigen Fernziel Heim-EM 2024. Die erhofften ersten Schritte dazu sind am Donnerstag und Sonntag live auf ORF Sport + zu sehen.

Quelle: Agenturen