APA/EVA MANHART

Nations Cup: Ausgelassene Party am Wiener Heumarkt

Viele kritische Stimmen begleiten den Beach-Volleyball Nations Cup, der aktuell am Wiener Heumarkt im Gange ist. Vor Ort ist davon wenig zu merken. Die Stimmung ist ausgelassen und feuchtfröhlich, wie man es von diesem Sport kennt. PULS 24 war am Mittwoch vor Ort und hat sich ein Bild gemacht.

Rosane Sonnenhüte, eigens bedruckte T-Shirts, Sonnenbrillen und nackte Oberkörper, so weit das Auge reicht: Die Stimmung am Wiener Heumarkt am Mittwoch hätte aus Sicht des Veranstalterteams um Hannes Jagerhofer kaum besser sein können. Bereits in der Day Session am Vormittag zelebrierten die Zuschauer:innen beinahe jeden Punkt des österreichischen Frauen-Teams als ginge es um Olympia-Gold. Am Abend platzte die ausverkaufte 2.800 Zuschauer fassende Red Bull Arena endgültig aus allen Nähten, als sich das österreichische Männer-Team mit einem 2:0-Sieg über Tschechien seinen ersten Sieg im ersten Spiel sicherte. 

Temperaturen jenseits der 30 Grad-Marke taten der guten Laune keinen Abbruch. Das DJ- und Moderatoren-Duo Florian und Tobias Rudig heizte die Menge an. Diese dankte es ihnen auch noch als "Sweet Caroline" von DJ Ötzi zum zehnten Mal aus den Boxen dröhnte. Auf den ersten Blick schien die Beach-Volleyball somit völlig in Ordnung zu sein, dennoch hagelte es im Vorfeld viel Kritik für den erstmals ausgetragenen Nations Cup.

APA/EVA MANHART

Turnier zählt nicht zur ProTour

Jenes Format stellt nämlich nur eine Notlösung für die Veranstalter dar. Das Turnier, bei dem acht Nationen im Frauen- und Herren-Bewerb in zwei Vierer-Gruppen und anschließender K.O-Runde um den Sieg spielen, zählt nicht zur FIVB-Tour, welche die wichtigsten Beach-Volleyball-Turniere ausrichtet. Aus diesem Grund verzichteten viele Topspieler auf ihr Antreten. Mit den Norwegern Morum/Sol ist jedoch das beste Beach-Volleyball-Duo der Gegenwart in der Bundeshauptstadt zu Gast.

Jagerhofer macht bei der vom Weltverband neuerdings zentral vermarkteten ProTour nicht mit. Deshalb und weil die EM und WM längst vergeben waren, wurde kurzerhand der neu kreierte Nations Cup übernommen. Im "Länderkampf" treten je zwei Paare für die jeweilige Nation an und spielen sich in zwei Matches den Sieger aus. Steht es 1:1 bringt ein "Golden Set", für den die Teamchefs zwei beliebige Spieler nominieren dürfen, die Entscheidung. 

Entertainment-Faktor fest in Sportart verankert

Vor Ort hat man nicht das Gefühl, dass die Fans sich an dem sportlichen Wertverlust stören. Der Entertainment-Faktor steht ganz klar im Vordergrund. Böse Zungen würden behaupten manche Besucher:innen seien fokussierter auf die Afterpartys in der "Pratersauna" oder im VIE i PEE", als auf das Geschehen am Center Court. 

Dieser Entertainment-Faktor ist fest mit der Sportart Beach-Volleyball verbunden. Bereits in den 60er und 70er-Jahren entwickelten sich die Turniere in den USA zu riesengroßen Partys. Die Olympia-Biermeisterschaften 1976 in State Beach zogen 30.000 Zuschauer an und dieses Turnier mit dem passenden Namen gilt bis heute als der Ursprung des Eventkonzeptes für den Sport.

Doppler/Horst entfachten Wien-Euphorie

APA/EXPA/SEBASTIAN PUCHER

Beach-Volleyball-Großevents haben in Österreich mittlerweile eine lange Tradition. Seit 1996 finden hierzulande Major-Turniere, Europameisterschaften und Weltmeisterschaften statt. Zwei Jahrzehnte lang war Klagenfurt das Mekka der heimischen Beach-Volleyball-Fans. Bis zu 135.000 Zuschauer:innen pilgerten zu dem Event in der Kärntner Bundeshaupstadt.

Weil sich das Veranstalterteam mit der Landesregierung nicht mehr einigen konnte, übersiedelte man 2017 nach Wien, wo zunächst auf der Doanuinsel gespielt wurde. Die Weltmeisterschaft 2017 ist vielen Fans noch in bester Erinnerung: Knapp 180.00 Zuschauer:innen verfolgten bei dem einwöchigen WM den Sensations-Lauf des österreichischen Duos Doppler/Horst, der schließlich mit dem Gewinn der Silber-Medaille endete.

Nach zwei weiteren Turnieren auf der Donauinsel, sorgte die Corona-Pandemie 2020 für eine Unterbrechung, ehe der Umzug auf den Wiener Heumarkt folgte. Während der Eintritt auf der Wiener Donauinsel großteils frei war, müssen Besucher:innen seit 2021 für Tickets zahlen. Für kommendes Jahr wird eine Rückkehr auf die Donauinsel angepeilt.

Beach-Party findet Höhepunkt am Sonntag

Die Gegenwart heißt jedoch Nations Cup und dieser ist aktuell voll im Gange. Am Donnerstag finden die letzte Gruppenspiele statt. Die österreichischen Teams sind sowohl im Frauen als auch im Männer-Bewerb wieder im Einsatz. Freitag werden die Zwischenrunde gespielt, bei dem die Gruppenzweiten- bzw. dritten um den Einzug ins Halbfinale kämpfen. Die beiden Gruppensieger sind fix qualifiziert. Am Wochenende finden am Heumarkt die Halbfinal- und Finalspiele statt. Während sportlich noch alles offen ist, ist eines so gut wie klar: Die nächsten drei Tage wird mitten in der Wiener Innenstadt noch feuchtfröhlich getanzt, gesungen und gejubelt werden. 

ribbon Zusammenfassung
  • Viele kritische Stimmen begleiten den Beach-Volleyball Nations Cup, der aktuell am Wiener Heumarkt im Gange ist.
  • Vor Ort ist davon wenig zu merken. Die Stimmung ist ausgelassen und feuchtfröhlich, wie man es von diesem Sport kennt. PULS 24 war am Mittwoch vor Ort und hat sich ein Bild gemacht.