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Nach Mateschitz-Tod: Red Bull fixiert Konstrukteurs-WM mit Verstappen-Sieg

23. Okt. 2022 · Lesedauer 4 min

Am Tag nach dem Bekanntwerden des Ablebens von Eigentümer Dietrich Mateschitz hat Red Bull Racing den fünften Konstrukteurstitel in der Formel-1-WM fixiert.

Weltmeister Max Verstappen gewann am Sonntag in Austin den Grand Prix der USA trotz eines groben Patzers beim Boxenstopp vor Mercedes-Star Lewis Hamilton und Ferrari-Pilot Charles Leclerc. Mit seinem 13. Saisonsieg stellte Verstappen auch die Jahres-Bestmarke von Michael Schumacher und Sebastian Vettel ein.

Vestappen widmet Sieg Mateschitz

Verstappen widmete den 90. Erfolg von Red Bull in der Königsklasse dem verstorbenen Team-Eigentümer und Förderer. "Ich will diesen Sieg Dietrich Mateschitz widmen. Zu gewinnen war alles, was wir (für ihn) tun konnten", sagte der 25-Jährige. "Es ist ein schwieriges Wochenende für uns alle."

"Rennen, wie es Dietrich Mateschitz geliebt hätte"

Der erste RB-Triumph in der Teamwertung seit 2013 war nur noch Formsache gewesen. Sergio Perez, nach einer Motorstrafe von Platz neun gestartet, zeigte sich als Vierter erneut als verlässlicher Punktesammler im Schatten Verstappens. "Es war ein Rennen, wie es Dietrich Mateschitz geliebt hätte", meinte Helmut Marko, der die Trophäe für den siegreichen Konstrukteur am Podest entgegennahm, nach einer "faszinierenden" Aufholjagd seines Star-Fahrers. "Es war im Stile von Red Bull, im Stile von Mateschitz."

Um die ohnehin minimale Chance am Leben zu halten, hätte Ferrari in Texas 19 Punkte mehr als die "Bullen" holen müssen. Doch nach der Strafrückversetzung von Leclerc schied der aus Pole Position gestartete Carlos Sainz schon in der ersten Runde aus. Vielmehr reduzierte Mercedes mit Hamilton und dem fünftplatzierten George Russell den Rückstand auf Ferrari und spitzt drei Rennen vor dem Saisonende wieder auf Platz zwei.

Applausminute für Mateschitz-Leistungen

Vor dem Start würdigte die Formel 1 Mateschitz' Verdienste mit einer Applausminute. "Lasst uns Dietrich gedenken und ihn heute stolz machen", funkte Pierre Gasly vom RB-Zweitteam AlphaTauri auf der Aufwärmrunde. Verstappen gewann danach den Start, während für Sainz das Worst-Case-Szenario eintrat: Russell drehte das rote Auto von der Strecke. Sainz schied aus, der Mercedes-Pilot wurde mit einer Fünfsekundenstrafe bedacht.

Ganz vorne fuhr Verstappen auf und davon. Als größter Kontrahent des Niederländers offenbarte sich in der ersten Phase wie schon im Qualifying der Wind, der ein sich ständig änderndes Fahrverhalten einforderte.

Unfall zwischen Stroll und Alonso

Für eine Schrecksekunde sorgten kurz vor Rennhalbzeit die künftigen Teamkollegen Lance Stroll und Fernando Alonso mit einem Auffahrunfall, der wesentlich schlimmer hätte enden können. Alonsos Alpine-Wagen stieg über Strolls Hinterreifen auf. Die Szene resultierte "nur" im Ausfall des unverletzten Stroll und herumliegenden Teilen auf dem Circuit of the Americas. Alonso wurde Siebenter, rutschte nach dem Rennen aber wegen einer 30-Sekunden-Strafe auf Rang 15 ab.

Grund war ein von den Stewards stattgegebener Haas-Protest, dass Alonsos Auto nach dem Zwischenfall in einem unsicheren Zustand unterwegs war. Der rechte Spiegel sei instabil gewesen und schließlich auch abgefallen. Stroll wiederum bekam von den Stewards die Schuld für die Kollision und kassierte für den Grand Prix kommendes Wochenende in Mexiko eine Startplatzstrafe von drei Positionen.

Boxenstopp ging schief

Ein völlig verunglückter Verstappen-Boxenstopp (11,1 Sekunden) - beim Reifen vorne links wollte der Schlagschrauber nicht - schrieb die Geschichte des Rennens neu. "Wunderschön", hatte der plötzlich ins Hintertreffen geratene Weltmeister nur noch Sarkasmus für seine ansonsten oft fehlerfreie Boxencrew übrig.

Angesichts von sechs Sekunden Rückstand auf Hamilton fuhr Verstappen fortan mit dem Messer zwischen den Zähnen. Leclerc schnappte er sich im dritten Versuch, Hamilton in einer heuer selten gesehenen Neu-Auflage einstiger Duelle sechs Runden vor dem Ende.

Hamilton: "Red Bull war einfach zu schnell"

Der Mercedes-Star lobte sein Team, haderte mit der verpassten Siegchancen und wartet 2022 weiter auf einen Erfolg - mindestens einen feierte er in jedem seiner Karrierejahre in der Königsklasse. "Es war eng, ich habe alles gegeben, aber Red Bull war einfach zu schnell", sagte Hamilton.

"Wir haben den Sieg auf der Hand gehabt", meinte Toto Wolff, der Teamchef der Silberpfeile im ORF. "Aber die Dinge kommen, wie sie kommen müssen. Vielleicht ist es mit den Ereignissen um Mateschitz richtig, dass sie das Rennen an diesem Wochenende gewonnen haben."

Schon kommenden Sonntag in Mexiko hat der nun 33-fache GP-Sieger Verstappen den ersten von drei Matchbällen auf den alleinigen Saisonrekord. Während Schumacher (2004) bei seinen 13 Erfolgen damals aber nur 18 Saisonrennen hatte, sind es bei Verstappen 18 Jahre später vier Gelegenheiten mehr.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam