APA - Austria Presse Agentur

Missbrauchsvorwürfe im Frauenfußball reißen nicht ab

06. Okt 2021 · Lesedauer 4 min

Bereits seit einigen Tagen sorgen Missbrauchsvorwürfe für ein Beben im amerikanischen Frauenfußball. Auch aus Venezuela und Australien lassen bekannte Spielerinnen mit brisanten Anschuldigungen aufhorchen.

Im Frauen-Fußball werden in immer mehr Ländern Missbrauchsvorwürfe publik bzw. ziehen diese Konsequenzen nach sich. In der amerikanischen Profiliga NWSL verabschiedete sich nun Steve Baldwin als geschäftsführender Gesellschafter von Washington Spirit per Twitter-Erklärung. 

Baldwin war zuvor für seinen Umgang mit Anschuldigungen gegen Ex-Coach Richie Burke in die Kritik geraten. Burke war nach Ermittlungen wegen Vorwürfen der Belästigung und einer toxischen Arbeitskultur entlassen worden. Doch Baldwins Rücktritt reicht den Spielerinnen des Vereins nicht. Auf dem Twitter-Account von Nationalspielerin Andi Sullivan forderten die Spielerinnen Baldwin auf, seine Anteile an die Mitbesitzerin Y. Michele Kang zu verkaufen. In den von Baldwin selbst noch installierten Nachfolger Ben Olsen gebe es kein Vertrauen. 

Liga-Chefin bereits zurückgetreten, Spiele abgesagt

Die Vorgänge rund um den Verein Washington Spirit sind nur ein weiteres Puzzleteil in der Causa um Missbrauchsvorwürfe in der amerikanischen Liga. Bereits letzte Woche wurde Paul Riley wegen Vorwürfen der sexuellen Nötigung von seinem Verein North Carolina Courage entlassen. In Folge dessen trat Liga-Chefin Lisa Baird zurück. Ein neues Führungstrio, bestehend aus drei hochrangigen Mitarbeiterinnen von Liga-Clubs, soll die weitere Untersuchung der Vorfälle interimistisch leiten. Die Suche nach einer dauerhaften Lösung läuft.

Zudem hat die Liga nach einem Bericht des Magazins "The Equalizer" eine Anwaltsfirma mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragt. Auch der nationale Fußballverband US Soccer schaltet sich in die Ermittlungen ein. Die Liga steht momentan still, die für kommendes Wochenende angesetzten Spiele wurden abgesagt. Namhafte Spielerinnen wie Megan Rapinoe oder Alex Morgan zeigten sich in den Sozialen Medien solidarisch mit den Betroffenen und zugleich schockiert über die Vorfälle. 

Australische Rekordtorschützin äußert Missbrauchsvorwürfe 

Mit einem ordentlichen Statement hat sich Lisa De Vanna, 150-fache australische Nationalspielerin und Rekordtorschützin, vom aktiven Profi-Fußball verabschiedet. Die 36-Jährige teilt im Zuge ihres Rücktritts mit, dass sie während ihrer Karriere Opfer von sexuellem Übergriff, Belästigung und Mobbing gewesen sei. "Bin ich sexuell belästigt worden? Ja. Bin ich schikaniert worden? Ja. Habe ich Dinge gesehen, die sich unangenehm angefühlt haben? Ja", sagte sie Sydneys "Daily Telegraph".

Die ebenfalls vor kurzem zurückgetretene Rhali Dobson wiederum gab an, von älteren Spielerinnen missbraucht worden zu sein. Australiens Verband hat nun Untersuchungen der Fälle in Gang gesetzt.

AFP

Lisa De Vanna äußert im Zuge ihres Rücktritts schwerwiegende Vorwürfe. 

Venezuela: Offener Brief von 24 Spielerinnen 

In Venezuela haben 24 Spielerinnen diverser Nationalteams einen Ex-Trainer der sexuellen Belästigung und des Missbrauchs beschuldigt. Die Rede ist von Kenneth Zseremeta. Der 55-Jährige coachte in Venezuela neun Jahre lang verschiedene Nachwuchsteams, ehe er 2017 entlassen wurde. Aktuell coacht er in seiner Heimat Panama Frauen-Mannschaften. Die 22-jährige Spielerin Deyna Castellanos veröffentlichte via "Instagram" einen Brief, indem die betroffenen Spielerinnen erklärten, sie hätten "beschlossen, ihr Schweigen zu brechen, um Situationen des Missbrauchs und der Belästigung - physisch, psychisch und sexuell - zukünftig zu vermeiden."

In dem Schreiben heißt es zudem eine Spielerin soll von ihrem Trainer sexuell missbraucht worden sei, seit sie 14 Jahre alt war. Zudem bezeichnen die Spielerinnen Zseremeta als "Monster". Der Trainer äußerte sich bisher nicht zu den Vorfällen. Jorge Gimenez, Präsident des Venezolanischen Fußballverbandes (FVF), sagte in einer Mitteilung: "Wir setzen uns für die Integrität des Sports ein und sind bereit, die Rechte unserer Spielerinnen durchzusetzen. Es ist an der Zeit, für Respekt und Fairness zu kämpfen."

Maximilian PatakQuelle: Agenturen / Redaktion / mpa