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Medwedew führt Topfeld in Wiener Stadthalle an

21. Okt. 2022 · Lesedauer 4 min

Vier Top-Ten-Spieler, allen voran der Weltranglisten-Vierte Daniil Medwedew, schlagen beim mit 2,489 Mio. Euro dotierten Erste Bank Open kommende Woche in der Wiener Stadthalle auf. Auch wenn sich ein Novak Djokovic oder Rafael Nadal nicht mehr für Wien entschieden haben, ist das Feld so stark, dass Turnierboss Herwig Straka auch auf einen neuen Zuschauerrekord hofft.

Dass Djokovic ein viertes Mal nach 2006, 2007 (Titel) und 2020 nach Wien kommt oder gar Nadal seine Wien-Premiere gibt, dieses leise Fünkchen Hoffnung wurde nicht erfüllt. "Die Notwendigkeit für Djokovic zu spielen ist nicht gegeben, weil er letztlich keine Chance hat, Nummer eins zu werden in diesem Jahr. Das Jahr war für ihn alles andere als ein gutes mit all den Umständen", berichtete Straka am Freitag im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. Bei dem kürzlich erstmals Vater gewordenen Nadal haben die privaten Freuden jetzt Vorrang.

Doch auch ohne die beiden von den "big three" verbliebenen Superstars, zu denen der kürzlich zurückgetretene Roger Federer gehört, wird die Stadthalle brodeln. Der Turnierboss hat hohe Erwartungen, "weil bis jetzt alles sehr gut läuft und wir gut besetzt sind. Weil die Spieler hohe Erwartungen ins Turnier setzen, deshalb haben wir entsprechend hohen Druck. Da sind wir selbstbewusst."

Eine Unbekannte ist Dominic Thiem, der am Freitag noch um den Halbfinaleinzug in Antwerpen kämpfte. Der Ex-Manager des ehemaligen US-Open-Siegers traut ihm viel zu. "Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ihm in Wien der finale Knopf aufgeht. Ich glaube, mit der richtigen Auslosung mit ein, zwei guten Runden ist auch für Dominic in Wien alles möglich. Wenn du ein gewohntes Umfeld hast, jetzt rede ich noch gar nicht von den Fans, gehen halt Dinge dann oft schneller. Das wäre natürlich super, wenn das in Wien passieren würde."

Neben Thiem haben Jurij Rodionov, Kitzbühel-Finalist Filip Misolic sowie in letzter Minute am Freitagnachmittag Dennis Novak Wildcards für das ATP-500-Turnier erhalten. Der Kartenvorverkauf ist seit Monaten gut gelaufen. "Freitag und Samstag ist komplett ausverkauft und auch an anderen Tagen kriegt man in den guten Kategorien keine Karten mehr. Wenn die Konstellation bis zum Finale die richtige ist, dann werden wir sicher einen Zuschauerrekord haben", hofft Straka.

Die Preis-Gestaltung ist übrigens (noch) nicht inflationsangepasst und befindet sich noch auf dem Niveau von 2019. In der Zukunft werde man sie aber ändern müssen. "Wir tragen die volle Differenz, müssen daher im nächsten Jahr anheben. Wir wollen die Schere größer werden lassen: wer wirklich eine gute Karte haben will, muss mit Inflation mehr zahlen, wer einfach dabei sein möchte, wird fast die gleichen Preise vorfinden."

Einen ordentlichen Patzen Geld musste Straka wieder für Startgelder hinlegen. "Wir investieren heuer eine Rekordsumme in Startgeld", so der Steirer, der sich nicht näher dazu äußern will. "Das meiste, was wir je gezahlt haben, aber das ist okay. Wir haben ein gutes Starterfeld. Der VIP-Bereich ist ausverkauft. Wenn du mehr investierst, kommt auch mehr zurück."

Apropos Zurückkommen: Glaubt Straka eigentlich, dass Thiem wieder ganz oben um Grand-Slam-Titel mitspielen kann? "Das Zeug hat er sicher. Die Basis wird ja in früheren Zeiten gelegt, die Frage ist immer nur: wie kann ich das Potenzial, das ich habe, umsetzen und abrufen? Wieweit spielt der Körper mit? Das werden die Fragen sein, die die nächsten Wochen und Monate klären. Schafft er es mental wieder auf die Siegesstraße zurückzukehren und spielt er jetzt zu viel?"

Von der Persönlichkeit her sei Thiem anders als ein Alexander Zverev (der Titelverteidiger fehlt verletzt) oder Matteo Berrettini. "Er ist nicht mit dem gleichen Selbstbewusstsein ausgestattet. Sein Selbstbewusstsein holt er sich über die Erfolge."

Darum habe Straka schon seit Februar gemeint, Thiem solle sich über Challenger das Selbstvertrauen zurückholen. Wieder ganz nach oben scheint dann für Straka möglich. "Wenn er wieder in diesen Flow reinkommt, absolut. Er scheint die letzten Wochen auf dem richtigen Weg zu sein, aber er muss jetzt einmal die Top-Ten-Spieler auch schlagen. Wenn ihm das gelingt, das Potenzial hat er."

Quelle: Agenturen