APA - Austria Presse Agentur

Leclerc muss um Heim-Pole in Monaco bangen

22. Mai 2021 · Lesedauer 4 min

Charles Leclerc hat sich im wichtigsten Qualifying des Jahres "theoretisch" die Pole für sein Formel-1-Heimrennen in Monte Carlo gesichert. Der 23 Jahre alte Monegasse hatte am Samstag als Schnellster 0,230 Sekunden Vorsprung auf Max Verstappen im Red Bull, als der Ferrari-Pilot 18 Sekunden vor Schluss mit einem Unfall für einen vorzeitigen Abbruch sorgte. Muss nun etwa das Getriebe an Leclercs Ferrari getauscht werden, verliert der seine Pole.

Am Abend gab es aber zunächst einmal Entwarnung. Eine erste Überprüfung habe keine Schäden am Getriebe ergeben, verlautete Ferrari in Monaco. Allerdings sind am Sonntag weitere Untersuchungen notwendig. Erst eine Stunde vor Rennstart wird wie in der Formel 1 üblich die Startaufstellung offiziell. Verliert Leclerc die Pole, geht diese an Red-Bull-Pilot Max Verstappen. Man werde bei Ferrari kein Risiko eingehen, hieß es. "Wir werden nicht gamblen, Sicherheit geht vor", versprach Ferrari-Teamchef Mattia Binotto. "Für uns ist die Maximierung der Punkte wichtig und das geht nur, wenn man ins Ziel kommt."

Das Auto des zu Hause seit Jahren von Pech verfolgten Leclerc wurde beim Crash in die Leitplanken vor allem vorne, aber auch hinten beschädigt. "Es ist eine Schande, das Qualifying an der Wand zu beenden", ärgerte sich Leclerc und verwies auf sein anhaltendes Pech in Monaco. Dort hat er bisher noch nie das Ziel erreicht oder ist in die Top Ten des Qualifyings gekommen.

Sollten "verbotene" Teile wie das Getriebe gewechselt werden, verliert der 23-Jährige seine Pole und muss in der Startaufstellung um fünf Plätze nach hinten. "Nach dem Crash weiß ich nicht, von wo ich starte. Mir geht es gar nicht gut", hatte Leclerc zunächst gemeint. Es wäre seine achte Pole und die erste in Monaco. Der letzte Monegasse auf Pole in Monaco war Louis Chiron 1936, also noch vor der Formel 1. Für Ferrari wäre es die erste Pole seit Oktober 2019 in Mexiko und damit 17 Monaten.

Nirgendwo sonst ist eine Pole so wichtig wie auf dem engen Stadtkurs an der Cote d'Azur. In den vergangenen elf Auflagen siegte acht Mal der Polesetter.

Mit seinem Crash verhinderte Leclerc wohl eine Pole für Verstappen, der seinen sehr guten letzten Versuch im Q3 wegen des Leclerc-Unfalls abbrechen musste. "Alles lief perfekt. Aber die rote Flagge hat meine Chance auf die Pole kaputt gemacht", klagte der Niederländer. "Max war nach unseren Aufzeichnungen schon vor Leclerc, dann kam die rote Flagge. Sonst hätte es für die Pole gereicht", bestätigte Red Bull Berater Helmut Marko.

Dritter wurde Valtteri Bottas im Mercedes vor Carlos Sainz Junior im zweiten Ferrari. WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton, der vor dem fünften WM-Lauf an diesem Sonntag (15.00 Uhr, live ServusTV, Sky) 14 Punkte Vorsprung im Klassement auf Verstappen hat, kam über Platz sieben im zweiten Mercedes nicht hinaus, was die eigentliche Überraschung des Qualifyings war.

Hamilton blickt nach drei Siegen in vier Rennen zwar auf den erfolgreichsten Saisonstart zurück, das kann sich aufgrund der aktuellen Konstellation aber schon am Sonntag in Monaco ändern. "Es ist frustrierend. Wir haben als Team einfach keinen guten Job gemacht", meinte der Weltmeister zunächst. "Jetzt muss ich am Sonntag alles geben, um Schadensbegrenzung zu betreiben", ergänzte der dreifache Monaco-Sieger.

Hamilton wurde dann sogar ungewohnt deutlich. "Es wird einige Diskussionen mit den Technikern geben müssen. Einige Dinge, die erledigt gehört hätten, waren es nicht. Ich werde hier nicht kritisch über das Team sprechen. Aber hinter verschlossenen Türen werde ich das tun", sagte der Weltmeister in einer virtuellen Medienrunde.

Offenbar geht es Hamilton um die Richtung, in die man bei Mercedes trotz der kühleren Temperaturen punkto Reifen gegangen ist. Teamchef Toto Wolff ist bewusst: "Wir haben Lewis kein Auto gegeben, das gut genug war. Bei Startplatz sieben in Monaco weißt du, dass das Wochenende eigentlich schon wieder vorbei ist."

Marko verfolgte den Konflikt bei Mercedes mit etwas Genugtuung. "Lewis ist unser Hauptkonkurrent und deshalb ist diese Platzierung für uns erfreulich", gab der Österreicher unumwunden zu. "Er hat in beiden Trainings massiv gekämpft, um auf eine Zeit zu kommen. Von dieser Position aus nach vorne zu kommen, ist fast unmöglich."

Für ihn gehe es im Rennen gar nicht so sehr um den Kampf gegen Ferrari. "Hauptgegner ist Hamilton. Und wenn Max seine Chance sieht, wird er versuchen, sie zu nutzen. Wir werden aber keine riskanten Sache machen."

Quelle: Agenturen