APA - Austria Presse Agentur

Kracher Salzburg - Rapid zum Start der Meistergruppe

02. Juni 2020 · Lesedauer 5 min

Der Geisterspiel-Kracher Salzburg gegen Rapid bringt gleich zum Start der Meistergruppe am Mittwoch (20.30 Uhr/live ORF eins) einen ersten Fingerzeig im Titelrennen der Fußball-Bundesliga. Grün-Weiß darf nach dem LASK-Urteil wieder Titel-Hoffnungen hegen. Für Salzburg-Coach Jesse Marsch ist das Spiel "vielleicht das wichtigste in der Meisterrunde". Der LASK empfängt Hartberg, Sturm Graz den WAC.

Der Geisterspiel-Kracher Salzburg gegen Rapid bringt gleich zum Start der Meistergruppe am Mittwoch (20.30 Uhr/live ORF eins) einen ersten Fingerzeig im Titelrennen der Fußball-Bundesliga. Grün-Weiß darf nach dem LASK-Urteil wieder Titel-Hoffnungen hegen. Für Salzburg-Coach Jesse Marsch ist das Spiel "vielleicht das wichtigste in der Meisterrunde". Der LASK empfängt Hartberg, Sturm Graz den WAC.

"Wir brauchen auch in der Meisterschaft einen guten Start und müssen auf alles vorbereitet sein", warnte Marsch vier Tage nach dem souveränen 5:0-Cuptriumph über Zweitligist Austria Lustenau. Dass Salzburg bereits ein Bewerbsspiel in den Beinen hat, ist für Rapid-Coach Dietmar Kühbauer "sicher kein Nachteil. Ein Titel für Marsch und Mannschaft, das gibt Selbstvertrauen. Und: Er konnte den einen oder anderen Spieler schonen", meinte der 49-Jährige.

Dreimal liefen sich die beiden Teams in der laufenden Saison schon über den Weg, stets behielt Salzburg die Oberhand - meist knapp: mit 2:1 n.V. in Wals-Siezenheim im Cup-Sechzehntelfinale, in der Liga mit 2:0 in Hütteldorf sowie 3:2 nochmals in Salzburg - durch einen Freistoß von Zlatko Junuzovic in der 94. Minute. "Das waren keine normalen Fußball-Spiele, sondern Kampf", befand Marsch.

"Die letzten Spiele gegen Salzburg haben gezeigt, dass es sehr eng war", meinte Kühbauer, der endlich auf das bessere Ende für seine Truppe hofft. Dann - und wohl nur dann - dürfte man noch auf den Titel schielen - der freilich nie erklärtes Ziel war und ist. "Der Kracher kann schon richtungsweisend sein", betonte Rapids Sport-Geschäftsführer Zoran Barisic, der insgesamt "sehr viel Mut und Zuversicht" ortete. Kühbauer beschrieb die Ausgangslage nüchtern: "Wenn du gegen Salzburg als Verlierer vom Platz gehst, wird die Möglichkeit, dass wir (am Ende, Anm.) ganz oben stehen, gering sein."

Der LASK will indes die Turbulenzen abseits des Rasens am Mittwoch (18.30 Uhr/live Sky) in der ersten Runde der Fußball-Bundesliga nach der Corona-Pause zu Hause gegen TSV Hartberg hinter sich lassen. Das verbotene Mannschaftstraining hat dem Image der Linzer zugesetzt. Dazu nimmt man die Meistergruppe nach sechs Punkten Abzug nicht mehr als Spitzenreiter, sondern drei Zähler hinter Salzburg in Angriff.

"Wir gehen extrem motiviert ins Spiel", betonte LASK-Trainer Valerien Ismael. "Es war eine turbulente Zeit natürlich. Wir als Team haben uns nicht geändert, auch wenn über den LASK schlecht geredet wird." Der Franzose hofft, dass sich die Auswirkungen der Affäre auf die Mannschaft in Grenzen halten. Sein Team habe sich im Trainingslager eingeschworen, das Motto "Jetzt erst recht" wurde geboren. "Da hat ein Prozess stattgefunden. Die Stimmung ist sehr entschlossen in der Mannschaft", sagte Ismael. Man habe einen Fehler gemacht und sich dafür entschuldigt. "Jetzt gilt es stark zu sein und die Herausforderung anzunehmen."

Die erste heißt Hartberg. Am 1. März, keine zwei Wochen vor dem Corona-Lockdown, hatten die Linzer die Steirer in Pasching mit 5:1 abgefertigt. Die Hartberger jubelten in der Kabine dennoch ausgelassen, weil zeitgleich ihre Teilnahme an der Meistergruppe feststand. Wilde Feierlichkeiten wird es diesmal alleine aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht geben. Spiele ohne Zuschauer sind für den LASK aber nicht neu. Das für zweieinhalb Monate letzte Profispiel in Österreich verloren die Oberösterreicher am 12. März im Linzer Stadion gegen Manchester United bereits vor leeren Rängen mit 0:5.

"Wir wissen, was auf uns zukommt", sagte Ismael. Ein großer Freund von Geisterspielen ist er nicht. "Es war die Wahl zwischen Pest und Cholera. Aber es ist wichtig für die Existenz, dass wieder gespielt wird. Wir müssen akzeptieren, wie es ist. Wir sehnen uns nach dem Re-Start. Es ist ein neuer Alltag." Auch der Jubel werde ungewöhnlich ausfallen. "Fußball lebt von den Emotionen. Jetzt müssen wir etwas künstlich erzeugen. Aber wir werden uns daran halten, was vorgegeben ist."

"Wir haben einen tollen Herbst gespielt und wollen das Ganze jetzt vollenden", erklärte Hartberg-Trainer Markus Schopp vor dem Start der Meistergruppe, die für sein Team "etwas Besonderes" sei. Er versprach weiter mutige Auftritte des Außenseiters. "Wir wollen nicht die Mannschaft sein, die einfach nur die Punkte liefert, sondern die Mannschaft, die richtig positiv überrascht."

Gastgeber Sturm Graz geht derweil nach fast dreimonatiger Corona-Pause am Mittwoch (18.30 Uhr) mit etwas mehr Druck als der WAC ins "Pack-Derby". Die Steirer treten als Fünfter mit einem Drei-Punkte-Rückstand auf den Vierten im ersten Meistergruppen-Spiel der Fußball-Bundesliga an. Sie müssen punkten, um nicht früh den Anschluss an die Top Vier, die einen fixen Europacup-Startplatz haben, zu verlieren.

"Wir müssen einfach versuchen, das Spiel zu gewinnen. Ein guter Auftakt ist immer wichtig", betonte Sturm-Trainer Nestor El Maestro. Sein Team peilt das 300. Heimspiel ohne Gegentor an. "Zu Null ist immer gut", weiß der 37-Jährige. In der Offensive ist noch fraglich, ob Aktivposten Otar Kiteishvili Akzente setzen kann.

Wie die Grazer haben auch die Kärntner einen Start nach Maß im Visier. "Es wird für jeden ein Kaltstart. Deshalb ist es schwierig, Prognosen zu stellen, und gilt es schnellstmöglich reinzufinden. Wer die Situation von Anfang an besser annimmt, wird unter dem Strich auch erfolgreich sein", schilderte WAC-Coach Ferdinand Feldhofer seine Sicht.

Auf ihn wartet eine besondere Partie, bekommt er es doch erstmals als Bundesliga-Coach mit jenem Club zu tun, für den er mehr als zehn Jahre die Schuhe geschnürt hatte. "Die Geschichte ist bekannt, dass ich sehr lange dort war, auch einige Erfolge gefeiert habe, und auch mein Hauptwohnsitz nicht weit weg ist vom Stadion. Theoretisch könnte ich zu Fuß rübergehen. Von dem her ist es einfach nur schön und ich spüre eine extreme Freude, dass ich da jetzt mit dem WAC hinkomme", erläuterte Feldhofer. Platz für Sentimentalitäten gebe es keinen. "Ich möchte mit dem WAC Erfolge feiern, dementsprechend wollen wir in Graz gewinnen", gab der Ex-Abwehrspieler die Marschroute vor.

Quelle: Agenturen