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Große Erleichterung der ÖFB-Frauen nach Sieg in WM-Quali

09. Apr. 2022 · Lesedauer 4 min

Österreichs Frauen-Fußball-Nationalteam hat die erste Hürde auf dem langen Weg zur erstmaligen Teilnahme an einer Fußball-WM so gut wie genommen. Nach dem 3:1-Heimerfolg gegen Nordirland am Freitagabend im siebenten Gruppe-D-Spiel der Qualifikation ist der ÖFB-Auswahl realistisch gesehen der zweite und damit für das mehrstufige Play-off reichende Platz nicht mehr zu nehmen. Dementsprechend groß war die Erleichterung im Lager von Teamchefin Irene Fuhrmann und Co.

"Uns ist absolut ein Stein vom Herzen gefallen, wir sind überglücklich, dass wir als Sieger vom Platz gehen konnten", sagte Fuhrmann. Mehrere Corona-Fälle im Vorfeld der Team-Zusammenkunft hatten die Vorbereitung negativ beeinträchtigt. Umso höher ist der Sieg einzuordnen, zumal Stützen wie Nicole Billa, Carina Wenninger oder Sarah Zadrazil vor Freitag nur wenig Trainingseinheiten in den Beinen hatten. "Wir haben das Beste daraus gemacht, es ist wieder ein Entwicklungsschritt, dass wir so ein Spiel auch gewinnen konnten."

Fuhrmann erlebte auf der Linie ein "Wechselbad der Gefühle", wie sie danach betonte. Nach einer ersten Halbzeit mit viel Spielkontrolle, aber wenig Chancen, passte nach der Pause vor allem die Effizienz, was bei einem Tripleschlag durch Wenninger (48.), Billa (55.) und Barbara Dunst (57.) deutlich wurde. Dazwischen hätte es auch aufgrund von Unsicherheiten von Manuela Zinsberger aber 1:1 stehen können. "Sie hatte nicht den souveränsten Tag, das muss man ihr aber auch einmal zugestehen", meinte Fuhrmann.

Die Ruhe im Team fehlte auch nach der klaren Führung, das Ehrentor von Joely Andrews (85.) war die logische Folge. "Die zweite Halbzeit ist spielerisch nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben, aber so ist manchmal der Fußball. Am Ende ist uns viel wichtiger, dass wir die drei Punkte gemacht haben und nicht wie es in Nordirland war, wo wir sehr gut im Spiel waren, dann aber mit Ach und Krach ein Unentschieden mitnehmen konnten", resümierte die 41-Jährige.

Auch die Spielerinnen gaben sich selbstkritisch. "Ich denke nicht, dass das der Fußball war, den wir spielen wollten. Die zweite Halbzeit war wirklich anstrengend", so Wenninger. Körperlich habe sie sich schon wieder "ganz gut" gefühlt. Billa hielt nicht über die volle Distanz durch. "Es war ein erster Gradmesser, wie es geht. Ich habe nach der 50. Minute gemerkt, dass es eng wird, und dann gesagt, dass es reicht", sagte die Hoffenheim-Stürmerin.

Die ÖFB-Truppe ist den drittplatzierten Nordirinnen um drei Punkte enteilt. Mindestens genauso wichtig wie der Vorsprung ist die Tatsache, dass nach dem 2:2 in Belfast bei Punktegleichheit der direkte Vergleich für Österreich sprechen würde. Zadrazil und Co. können es sich also erlauben in den Duellen mit dem punktlosen Schlusslicht Lettland (Dienstag), dem makellosen Leader England (3. September) und Nordmazedonien (6. September) drei Punkte weniger zu machen, als die Nordirinnen, die noch gegen England und in Luxemburg sowie Lettland antreten.

"Ja, theoretisch ist der Play-off-Platz abgesichert, aber wir haben noch drei Spiele", wollte Fuhrmann keine verfrühten Glückwünsche entgegennehmen. Dass die Richtung stimmt, ist auch den Spielerinnen bewusst. "Eigentlich darf nix mehr passieren, wir sind gereift und routiniert", gab sich Billa optimistisch. Die 26-jährige Tirolerin traf zum 42. Mal im Teamdress und zum 10. Mal in dieser Qualifikation. Nur vier Spielerinnen waren noch treffsicherer als die Angreiferin, die auch in der deutschen Bundesliga wieder um die Torjägerkrone kämpft. "Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung wie es da steht, es interessiert mich auch überhaupt nicht. Es geht mir darum mit der Mannschaft am Platz Spaß zu haben", meinte Billa.

Spaß will sie mit ihren Kolleginnen auch im Juli bei der EM in England haben. Und Erfolg noch dazu. Mit u.a. England und Nordirland warten da wieder bekannte Gegner. "Der Sieg ist natürlich positiv, ich glaube aber, dass die Situation und das Spiel in England nicht vergleichbar sein wird", sagte Fuhrmann. Laut Wenninger könne man auf jeden Fall etwas mitnehmen: "Ich denke, dass wir die taktisch flexiblere Mannschaft sind und wenn wir es analysieren noch bessere Lösungen finden werden." Vor dem Turnier wartet mit Lettland noch eine WM-Quali-Hürde, alles andere als ein klarer Sieg wäre da am Dienstag eine herbe Enttäuschung.

Quelle: Agenturen