Graz im Ausnahmezustand: So feiert Sturm das Double

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Sturm Graz sicherte sich Meistertitel und Cup und stürzte Red Bull Salzburg von der zehnjährigen Titelregentschaft. Entsprechend wird in der steirischen Hauptstadt am Montag gefeiert.

Den ersten Meistertitel seit 13 Jahren hat Sturm Graz gebührend gefeiert. Nach der überstandenen Nervenschlacht am Sonntag beim 2:0 gegen Austria Klagenfurt begann für die Double-Gewinner aus der Steiermark nach unzähligen Bierduschen und Fotos mit dem Meisterteller eine lange Partynacht - die am Montag gleich fortgesetzt wird. 

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Um 14 Uhr hat in der steirischen Hauptstadt die zweite große Feier begonnen. Die Spieler, der Vorstand, die Betreuer wurden zuerst im Grazer Rathaus empfangen. Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler (Grüne) und Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) bekamen vom Team unter anderem den Sprechchor "Sportklub Sturm Graz braucht eine Heimat" zu hören.

Das Team nutzte die Double-Feier also auch für eine Stadion-Debatte, wie die "Krone" berichtete. "Bitte, liebe Stadt Graz. Danke für die Einladung, aber gebt uns irgendwann auch das Gefühl, dass wir in dieser Stadt genauso willkommen sind wie die Menschen, die uns draußen feiern", sagte Sturm-Präsident Christian Jauk mit Blick auf die Ticketnachfrage und Mitgliederzahl auf die zu kleine Stadionkapazität in Liebenau.

In der nächsten Saison werden die Champions-League-Heimspiele höchstwahrscheinlich in Klagenfurt stattfinden. Kogler versprach, es habe die Botschaft verstanden, er sei außerdem Sturm-Fan. Im Rathaus trug sich die Mannschaft in das Goldene Buch der Stadt ein.

15.000 Fans

Am Hauptplatz, vor rund 15.000 Fans, ging die Feierei dann weiter. Der Platz war so voll, dass keine weiteren Besucher:innen mehr zugelassen wurden. Die Mannschaft präsentierte Pokal und Meisterschale den Fans - auch von einem Cabrio-Bus aus. 

"Uns allen geht es heute überragend. Wir haben eine fantastische Saison hinter uns. Mir geht es unglaublich gut und ich bin extrem dankbar, dass ich das alles miterleben darf", sagte Ilzer.

Otar Kiteishvili, bester Spieler der Bundesliga-Saison, wurde von seinen Teamkollegen in die Luft geworfen. "Da steht die beste Mannschaft mit den besten Fans. Es freut mich sehr, dass wir diese Geschichte zusammen geschrieben haben", sagte der Georgier, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, auf Deutsch.

"Ihr habt uns die ganze Saison getragen", bedankte sich Kapitän Stefan Hierländer bei den Anhängern.

Torjäger Mika Biereth tauchte mit einem aufgeklebten Schnurrbart, Perücke und als einziger noch im Trikot auf. "Dafür gibt es keinen Grund. Jeder hat einfach eine gute Zeit, es war eine sehr gute Party", sagte die Arsenal-Leihgabe einen Tag nach dem 2:0-Heimsieg im Herzschlagfinale gegen Austria Klagenfurt sichtlich bedient.

Entscheidung im letzten Match

Trainer Christian Ilzer sprach schon am Sonntag von einer "fantastischen Reise", die aber mit etwas Zittern verbunden war. Denn die Entscheidung fiel erst im letzten Spiel gegen die Klagenfurter. Es dauerte ganze 69 Minuten bis Gregory Wüthrich die Grazer mit dem Führungstreffer auf Meisterkurs brachte.

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Wenig später köpfelte SKA-"Joker" Florian Jaritz den Ball an die Stange und ließ die 15.325 Fans kurz verstummen. Erst nach dem 2:0 von Amady Camara kurz vor der Nachspielzeit war die Wachablöse besiegelt. "Nach dem 1:0 gab es eine kurze Emotions-Explosion, beim 2:0 waren wir dann alle völlig losgelöst", resümierte Ilzer.

"Ich bin der glücklichste Mensch der Welt"

Nicht nur die Spieler und Betreuer des SK Sturm Graz waren euphorisch, auch auf den Tribünen herrschte Ekstase. Für den Vizemeister der vergangenen beiden Jahre war es das Ende einer Durststrecke, eine Erlösung, eine Genugtuung.

"Wir haben jedes fucking Ziel erreicht, bis zum Ende alles durchgezogen", sagte David Affengruber mit einem Bierkrug in der Hand. "Ich bin der glücklichste Mensch der Welt", verlautete Jusuf Gazibegović. Torschütze Wüthrich wurde emotional. "Es ist so unbeschreiblich. Definitiv der schönste Moment meiner Karriere", sagte der Schweizer.

Feuerwerke in Graz

Die Grazer Glücksgefühle waren auch Stunden nach dem Schlusspfiff allgegenwärtig, mehrere Feuerwerke direkt neben dem Stadion erleuchteten den Liebenauer Nachthimmel.

"Wir haben gezeigt, dass Unmögliches möglich ist", sagte Ilzer und bedankte sich auch bei der Konkurrenz in der Meistergruppe für die guten Leistungen gegen Salzburg. Sein Team habe gezeigt, "dass es auch möglich ist, einen Giganten wie Salzburg vom Thron zu stoßen." Am Montag steht nun die zweite Partynacht an.

ribbon Zusammenfassung
  • Sturm Graz beendet mit dem Gewinn des Doubles die zehnjährige Titelserie von Red Bull Salzburg.
  • In Graz feierten 15.000 Fans am Hauptplatz, wo die Mannschaft Pokal und Meisterschale präsentierte.
  • Die zukünftigen Champions-League-Heimspiele von Sturm Graz finden wahrscheinlich in Klagenfurt statt, aufgrund der zu kleinen Stadionkapazität in Liebenau.
  • Beim Empfang im Grazer Rathaus trug sich die Mannschaft in das Goldene Buch der Stadt ein und nutzte die Gelegenheit, um auf die Notwendigkeit eines größeren Stadions hinzuweisen.
  • Das entscheidende Spiel gegen Austria Klagenfurt endete 2:0, wobei der Führungstreffer erst in der 69. Minute fiel.