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EM-Preisgeld: Frauen und Männer trennen ca. 7 Millionen Euro

23. Juli 2022 · Lesedauer 4 min

Angesichts der Frauen EM zeigt sich wieder: Der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männer ist weiterhin enorm. Aber nicht nur im Leistungssport ist diese Lücke sichtbar, generell fehlen Frauen in Sportvereinen in den Führungspositionen.

Gleiche Bezahlung für gleiche Leistung: Was nach einer einfachen Gleichung klingt, scheint für die Gehälter von Frauen und Männer nicht zu gelten. Tatsächlich ist der sogenannte Gender Pay Gap – also der Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern - so groß und verringert sich so langsam, dass er bei dem jetzigen Tempo erst in 132 Jahren geschlossen würde.

"Minusgeschäft" Frauen-Fußball

Der Titel "Fußball Europameister" ist zwar der gleiche, doch im Preisgeld zeigt sich: Es gibt auch weiterhin einen großen Unterschied zwischen Frauen- und Männerbewerb. Zwar hat die UEFA ihre Ausschüttungen bei der Frauen-EM auf 16 Millionen Euro verdoppelt, finanziell sei die Veranstaltung für den ÖFB dennoch ein Minusgeschäft, heißt es im Vorfeld der Frauen-EM.

Allein beim Preisgeld liegt der Unterschied bei 7,34 Millionen Euro. "Auch wenn sich Damen-Fußball weiter professionalisiert, kann der Großteil der Damen-Bundesliga Spielerinnen nach wie vor nicht von ihren Profi-Einkünften leben und haben nebenbei weitere Jobs", erklärt die Organisation "fairplay" auf PULS 24-Nachfrage.

Der Fußball nimmt in der Gender-Pay-Gap-Debatte allerdings eine spezielle Stellung ein, denn nicht in allen Ländern hinken die Frauen den Männern so sehr hinterher, wie in Österreich. In den USA etwa erwirkten die Nationalspielerinnen gleiche Bezahlung per Vergleich vor Gericht. Die Schweiz zahlt gleich hohe erfolgsabhängigen EM-Prämien für Männer und Frauen. Diese werden per Sponsor finanziert. Aber auch in Spanien werden künftig an Frauen und Männer die gleichen Anteile an Fernsehprämien sowie den Bonuszahlungen der UEFA und FIFA ausbezahlt.

Lücke auch im Ski-Weltcup

Ein Ungleichgewicht ist auch im alpinen Ski-Weltcup sichtbar. In der aktuellen Saison haben laut dem internationalen Skiverband FIS die Slowakin Petra Vlhova und der Schweizer Marco Odermatt am meisten erhalten. Die beiden trennen umgerechnet 157.456 Euro. Katharina Liensberger ist mit 105.650 Franken (105.880 Euro) die bestbezahlteste Österreicherin, bei den Herren ist das Vincent Kriechmayr mit 223.700 Franken (224188 Euro).

Kein Gender-Pay-Gap im Tennis

Keine Lücke gibt es bei den Preisgeldern im Tennis. So haben zuletzt Elena Rybakina und Novak Djokovic beide in Wimbledon jeweils zwei Millionen Pfund (2,34 Mio. Euro) erhalten. Seit 2007 erhalten Männer und Frauen beim Grand-Slam Turnier in Wimbledon das gleiche Preisgeld. Damit schließt sich der Bewerb den anderen großen Tennis-Turnieren an, die schon davor Männern und Frauen das gleiche Geld gezahlt haben.

Doch diese Gleichstellung erfreut offenbar nicht jeden Sportler. Rafael Nadal, der bisher 22 Grand-Slam-Titel führt, sieht darin einen Vergleich, der "nicht gezogen werden sollte", wie er dem italienischen Magazin "IO Donna" 2018 erzählte. "Weibliche Models verdienen mehr als ihre Kollegen, aber niemand sagt etwas. Und warum? Weil sie die meisten Follower haben. Auch im Tennis sollte die mehr verdienen, die mehr Zuschauer haben", so seine Begründung. Auch Tennis-Star Nowak Djokovic teilt diese Ansicht. "Frauen sollten für das kämpfen, was sie glauben zu verdienen, und wir sollten für das kämpfen, was wir glauben zu verdienen", wurde er 2016 im "Guardian" zitiert.

"Weibliche Models verdienen mehr als ihre Kollegen, aber niemand sagt etwas. (...) Auch im Tennis sollte die mehr verdienen, die mehr Zuschauer haben."

Rafael Nadal (Tennisprofi)

Zu wenig Frauen in Vereinsführung

Neben den Preisgeldern, erhalten viele Sportler:innen auch Gelder durch Prämien, Werbeverträge oder Sponsoring. Zusätzlich sind einige österreichische Athleten und Athletinnen beim Bundesheer oder Polizei angestellt. Dort erhalten Männer und Frauen dasselbe Gehalt, wie es auf PULS 24 Nachfrage von beiden Institutionen heißt.

Dennoch sind Frauen auch in der Vereinsorganisation weiterhin unterrepräsentiert, das zeigt eine aktuelle Studie der EU. Nur 14 Prozent der Entscheidungsträger in Sportverbänden innerhalb der EU sind Frauen. Dabei reicht die Spanne von 3 Prozent in Polen bis zu 43 Prozent in Schweden – welchen Platz Österreich hier einnimmt, wird nicht explizit erwähnt.

Angela PerkonigQuelle: Agenturen / Redaktion / pea