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Gemischte Gefühle: Ära Foda endet nach vier Jahren

28. März 2022 · Lesedauer 4 min

Franco Foda wird am Dienstag gegen Schottland sein letztes Länderspiel als österreichischer Fußball-Teamchef absolvieren. Diese Entscheidung gab der Deutsche am Montag in einer ÖFB-Pressekonferenz bekannt.

Sein Vertrag beim ÖFB wäre mit Monatsende abgelaufen. Die Möglichkeit einer Verlängerung hatte die Verbandsspitze trotz des Aus im WM-Play-off am Donnerstag in Wales (1:2) zuletzt nicht gänzlich ausgeschlossen.

Foda: "Übernehme die Verantwortung" 

"Wir haben uns nicht für die WM qualifiziert. Dafür übernehme ich die volle Verantwortung", betonte Foda. Seine ÖFB-Trainertätigkeit sei damit nach dem Schottland-Spiel beendet. Seine laut eigenen Angaben am Sonntagabend getroffene Entscheidung hatte Foda bereits am Montagvormittag der Mannschaft mitgeteilt. "Ich war mit großer Ehre und voller Stolz Nationaltrainer", betonte der 55-Jährige. Das Amt übt er seit November 2017 aus.

Foda bedankte sich bei seinen Spielern für die vergangenen viereinhalb Jahre. "Die waren wunderbar." Highlight war das Erreichen des EM-Achtelfinales, in dem sich das ÖFB-Team erst in der Verlängerung dem späteren Europameister Italien mit 1:2 beugen musste. Dazu kam 2020 der Gruppensieg in der Nations League samt Aufstieg in deren Topliga, in der im Juni nun Fodas Nachfolger seine Feuertaufe erleben wird.

Bilanz: 27 Siege, fünf Remis, 15 Niederlagen 

In bisher 47 Länderspielen unter Foda gelangen 27 Siege bei fünf Remis und 15 Niederlagen. "Unter dem Strich gibt es eine positive Statistik", sagte der ehemalige Sturm-Graz-Coach. Die Bilanz falle aber dennoch sehr unterschiedlich aus. "Wir waren teilweise sehr erfolgreich, leider aber mit einem nicht so guten Ende, weil wir unser großes Ziel, die WM in Katar, nicht erreicht haben." Weder über die reguläre Quali, noch im Play-off, in dem bereits im Halbfinale in Wales Endstation war.

Er habe sich in den Tagen nach dem Aus in Cardiff intensiv Gedanken gemacht, verriet Foda. "Das ist logisch." Sein Vertrag hätte sich nur bei einem Aufstieg automatisch verlängert. Nun endet er am Donnerstag. ÖFB-Präsident Gerhard Milletich und Sportdirektor Peter Schöttel hatten nach dem Aus in Wales angegeben, dass im Rennen um den künftigen Cheftrainer auch mit Foda Gespräche zu führen seien. Dem kam der Wahl-Grazer nun aber zuvor.

"Es stand zwar noch im Raum, dass ich eventuell auch noch die Möglichkeit gehabt hätte auf eine Vertragsverlängerung, das kann ich nicht beurteilen, aber das hat für mich dann keine Rolle mehr gespielt", erklärte Foda. Die Gründe für die zuletzt wechselhaften Leistungen suchte er auch bei sich. "Ich bin schon immer jemand gewesen im Leben, als Spieler und als Trainer, der Verantwortung übernommen hat. Von mir gibt es keine Schuldzuweisungen."

Emotionale Verabschiedung 

Mit seiner Entscheidung hoffe er, dass nun Ruhe einkehre. Er wollte sie seinen Spielern noch vor dem Schottland-Spiel mitteilen, weil sich danach sehr schnell alle wieder zu ihren Clubs verabschieden. "Es war von meiner Seite sehr emotional", betonte Foda. "Es war für mich eine große Ehre, hier als Deutsch-Österreicher, als der ich mich bezeichnen würde, mal als Nationaltrainer tätig zu sein - in dem Land, ich dem ich lebe, in dem ich mich sehr wohlfühle."

Stürmer-Routinier Marko Arnautovic sprach von einem Schock. "Wir sind auch geschockt, es war keine Besprechung ausgemacht heute", schilderte der 32-Jährige das von Foda verkündete Aus. "Wir müssen die Entscheidung respektieren - vom ÖFB und vom Trainer." Er habe ein sehr gutes Verhältnis zu Foda. "Die Zeit mit dem Trainer war für mich persönlich überragend. Wir haben immer sprechen können, es ist nicht immer nur um Fußball gegangen. Es zeichnet ihn aus, dass er immer Charakter gezeigt hat. Ich wünsche ihm alles, alles Gute."

Foda: "Karriere noch nicht beendet" 

Die Erfahrung als Nationaltrainer sei für ihn "extrem wichtig" gewesen, versicherte Foda. Es sei etwas komplett anderes als Vereinstrainer. Welchen Weg er in Zukunft einschlagen will, ließ der Ex-Verteidiger offen. "Meine Karriere ist noch nicht beendet", sagte Foda über seine Trainerlaufbahn. Vorerst müsse er aber "alles einmal sacken lassen, alles reflektieren". Sein geplanter erster Schritt: nach dem Schottland-Spiel mit Freunden einige Tage auf Urlaub zu fahren.

Quelle: Agenturen / mpa