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Ferrari trotz Sieg im Feindesland mit Sorgen

11. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Das Sieg-Comeback ausgerechnet beim von Max-Verstappen-Fans in Beschlag genommenen Großen Preis von Österreich war zwar Balsam auf der Seele von Charles Lecerc. Punkto WM hat Ferrari in Spielberg aber nicht viel Boden gutmachen können, da Silverstone-Sieger Carlos Sainz wegen eines Motorschadens ausschied. Als Fahrer liegt Leclerc heftige 38 Punkte hinter Formel-1-Titelverteidiger Verstappen, und Ferrari muss auf Red Bull 56 Punkte aufholen.

"Glücklich über den Sieg, aber enttäuscht über den Schaden bei Carlos, denn es hätte ein noch besserer Sonntag sein können", konstatierte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto dementsprechend. Der rote Doppelsieg, der im letzten Viertel des Rennens möglich schien, ging buchstäblich in Flammen auf, als der Motor im Heck von Sainz ohne Anzeichen kaputt ging. "Es ist offenbar die Geschichte meiner Saison. Sobald wir ein bisschen Momentum haben, läuft irgendetwas schief. Es ist schwierig, damit umzugehen", sagte der Spanier, der in Silverstone zum ersten Mal in seiner Formel-1-Karriere ein Rennen gewonnen hatte.

Dem brennenden Ferrari entkam Sainz rechtzeitig und unverletzt. Der Ausfall sei aber mental "noch schwieriger zu verdauen, weil wir in der Lage gewesen wären, die Rückstande auf die Führenden in der WM, Max und Red Bull, zu verkürzen", betonte Sainz, der mit 75 Punkten Differenz zu Verstappen WM-Vierter ist. "Wir waren drauf und dran, ein sehr gutes Resultat für das Team zu holen."

Leclerc gab zu, dass die Erleichterung sehr groß sei. "Natürlich habe ich, immer wenn ich zu einem Rennen komme, ein Lächeln im Gesicht und gebe mich optimistisch. Aber es war ein hartes Rennen nach dem anderen, es fühlte sich an, als ob alles gegen mich sei", erklärte der 24-Jährige, der vor dem Gastspiel in der Steiermark fünfmal in Serie das Podest verpasst hatte. "Die Performance war toll seit Australien, aber abgesehen von Miami, wo wir ein bisschen hinter Red Bull waren, haben wir es nie richtig hingebracht."

Der Monegasse hatte zwei der ersten drei Rennen des Jahres in Bahrain und Australien gewonnen, fiel aber in Spanien und Aserbaidschan wegen Motorschäden aus. Sainz hat bereits vier Ausfälle in dieser Saison stehen. Die mangelnde Zuverlässigkeit ist laut Leclerc besorgniserregend für Ferrari, das um den ersten Fahrer-Titel seit 2007 und den ersten bei den Konstrukteuren seit 2008 kämpft. "Es ist definitiv ein Grund zur Sorge, wir müssen uns das anschauen und sichergehen, dass es nicht mehr vorkommt", sagte der Verstappen-Herausforderer, als er auf den offenbar anfälligen Ferrari-Motor angesprochen wurde. "Es ist bei mir zweimal passiert und jetzt wieder bei Carlos. Wir müssen das so schnell wie möglich beheben."

Zu den technischen Problemen kamen auch strategisch fragwürdige Entscheidungen, die verhinderten, dass Leclerc mehr Punkte seinem Konto hat. Ferrari und speziell Teamchef Binotto wurden für ihre Weigerung, eine klare Nummer eins im Team zu benennen, mitunter hart kritisiert. "Ich bin sehr glücklich damit, die beiden kämpfen zu sehen. Ich weiß, wenn wir Teamorder hätten, würde uns jeder angreifen, dass wir sie frei fahren lassen sollten. Wenn man sie frei fahren lässt, sollen wir Teamorder haben. Egal, was wir tun, es ist immer falsch", nahm es der 52-Jährige gelassen.

Das Motto für die zweite Saisonhälfte brachte Sainz auf den Punkt: "Wir müssen weiter attackieren und das Blatt wenden. Es liegt noch eine lange Saison vor uns." Weiter geht es mit dem Großen Preis von Frankreich am 24. Juli in Le Castellet. Vor der Sommerpause steht eine Woche darauf noch der Grand Prix von Ungarn auf dem Hungaroring bei Budapest auf dem Programm.

Quelle: Agenturen