APA - Austria Presse Agentur

Europa im 43. Ryder Cup Außenseiter und doch auch Favorit

23. Sept 2021 · Lesedauer 4 min

Nach Olympia und Fußball-EM geht mit dem Ryder Cup ein weiterer globaler Sportevent 2021 um ein Jahr verspätet in Szene. Beim prestigeträchtigen Kontinentalvergleich der besten Golfer Europas und der USA ist Titelverteidiger Europa in Kohler (Wisconsin) zu Gast und muss aufgrund der Reisebeschränkungen eigene Fans praktisch vorgeben. Für Österreich ist die 43. Auflage des Traditionsbewerbs historisch, weil sich mit Bernd Wiesberger erstmals ein Österreicher qualifiziert hat.

Dafür musste der Burgenländer wegen der Corona-Verschiebung besonders lange kämpfen und letztlich sogar auf Olympia verzichten. Platz zwei Ende August in Crans Montana öffnete ihm spät aber doch die Tür. Letztlich reichte nach einem Schlussrunden-Thriller in Wentworth Platz 20, um sich im letzten Moment Rang vier in der Europa-Punkteliste und nach Bernhard Langer und Martin Kaymer als erst dritter deutschsprachiger Spieler einen Platz im 12-köpfigen Team zu sichern. Dank dem Burgenländer ist Österreich nun das 13. europäische Land beim alle zwei Jahre ausgetragenen Ryder Cup.

In Whistling Straits am Lake Michigan ist Wiesberger trotz seiner 35 Jahre ein Rookie und damit ein Joker für Kapitän Padraig Harrington, der neben dem spanischen Weltranglisten-Ersten Jon Rahm auch auf Asse wie Sergio Garcia oder Rory McIlroy zurückgreifen kann. Der zweitbeste Europäer ist mit dem jungen Norweger Viktor Hovland hinter gleich zehn US-Amerikanern freilich erst auf Platz 14 zu finden. Das unterstreicht die Favoritenrolle des von Dustin Johnson angeführten US-Teams, das ein sensationelles Durchschnittsranking von 9 aufweist. Die Europäer liegen diesbezüglich bei 30.

Dass die USA im Ryder Cup mit 26:14 klar voran sind, liegt an den Jahren vor 1979, in denen britische bzw. britisch-irische Auswahlen meist chancenlos waren. Seitdem haben die "Gesamteuropäer" aber in zwölf von zwanzig Duellen reüssiert sowie seit 1995 in neun der vergangenen zwölf bzw. seit 2010 vier von fünf Auflagen das bessere Ende für sich gehabt.

Beim Ryder Cup sind normalerweise zehntausende Fans am Platz die emotionale Kulisse. Europas Team muss wegen der Corona-Reisebeschränkungen diesmal aber weitgehend ohne sie auskommen und initiierte deshalb am Mittwoch (Ortszeit) eine Charme-Offensive. Zur Fotosession trat man im Look des lokalen NFL-Teams Green Bay Packers an und setzte sich sogar die berühmten Käse-Hüte auf.

Wiesberger spielte danach bei noch mehr Wind als am Vortag zusammen mit Hovland, Matt Fitzpatrick und Tommy Fleetwood 18 Löcher in beiden Spielformaten, dabei wurden auch signierte Kappen an die zahlreichen US-Fans verteilt. Das soll Sympathie für die ab Freitag vermutlich eher aufgeheizte Atmosphäre bringen. Erste amerikanische Schlachtgesänge gab es schon Mittwoch.

Die Trümpfe der Gäste sind Teamgeist sowie die Erfahrung von Spielern aus sieben Ländern. Darunter gleich sieben, die 2018 beim Heim-Triumph in Paris schon dabei waren. Europa genügt schon ein Remis zur erfolgreichen Titelverteidigung. Wiesberger zählt als seltener Gast auf der PGA-Tour und Nummer 63 der Welt für die US-Zuschauer nicht zu den bekannteren Namen, sieht das aber sogar als Chance. "Weil das überhaupt keinen Einfluss darauf hat, wie ein jeweiliges Match ausgehen kann."

Im Hexenkessel von Whistling Straits will der Österreicher nicht nur seine Gelassenheit, sondern auch sein langes Spiel in die Waagschale werfen und hofft, schon am Freitag in den Doppeln zum Zug zu kommen. Das Matchplay-Format taugt ihm sehr. "Da habe ich vor allem gegen die besser gesetzten Spieler immer ganz gut reüssiert."

Aus europäischer Sicht wird der Ryder Cup zu einer täglich erst gegen Mitternacht endenden Spätschicht. Sky zeigt von Freitag bis Sonntag insgesamt mehr als 28 Stunden live im TV und legt schon Donnerstag ab 23.00 Uhr MESZ mit der Eröffnung los. Zudem kann man auch ausgewählten Flights folgen. Freitag und Samstag steigen ab 14.05 Uhr MESZ jeweils acht Doppel (Foursome bzw. Fourball), am Sonntag folgen die 12 Einzel. Europa reichen 14 der maximal 28 Punkte.

Quelle: Agenturen