APA - Austria Presse Agentur

EURO 2020: ÖFB-Team gibt sich nach Niederlage selbstkritisch

18. Juni 2021 · Lesedauer 5 min

Österreichs Nationalteam hat sich bei der Fußball-EM im zweiten Spiel erstmals geschlagen geben müssen. Die ÖFB-Auswahl kassierte am Donnerstag in Amsterdam gegen die Niederlande eine verdiente 0:2-Niederlage.

Beim 3:1 gegen Nordmazedonien ist David Alaba in seiner neuen Rolle im Abwehrzentrum des österreichischen Nationalteams noch zum "Man of the Match" gekürt worden. Im zweiten Spiel bei dieser Fußball-EM lief es für den Wiener auf dieser Position nicht mehr nach Wunsch. Alaba verschuldete am Donnerstag in Amsterdam beim 0:2 gegen die Niederlande in der Anfangsphase einen Elfmeter - damit leitete er die Niederlage ein.

Der ÖFB-Star legte sich den Ball im eigenen Strafraum zu weit vor und kam dann gegen Denzel Dumfries zu spät. Den Penalty ließ sich Memphis Depay in der elften Minute nicht entgehen, die Weichen für die ÖFB-Niederlage waren gestellt. "Der Elfmeter geht natürlich auf meine Kappe. Das ist sehr bitter", sagte Alaba.

Teamchef Franco Foda sprach in diesem Zusammenhang im ORF-Interview von einer "unglücklichen Situation. Aber ich glaube, man hätte vorher schon klären können, und ich weiß nicht, ob es eine Schwalbe von (Wout) Weghorst war, ob man das davor hätte pfeifen können." Im Endeffekt mussten Foda und Alaba die Überlegenheit des Gegners anerkennen. 

Foda fordert "offensive Steigerung"

Nun wartet auf das ÖFB-Team gegen die Ukraine am Montag ein "Finalspiel", das aber auch zwei Sieger bringen könnte: Bei einem Remis hätten beide Teams gute Chancen auf den Achtelfinal-Einzug. ÖFB-Teamchef Franco Foda hofft unter anderem auf die Rückkehr von Marko Arnautovic, der am Donnerstag gesperrt gefehlt hatte.

Ohne den wegen Beleidigung eines Gegners bestraften Starangreifer agierten die Österreicher in der Offensive lange Zeit harmlos. Torchancen spielte man sich erst in den letzten zehn Minuten heraus. "Wir brauchen einfach ein Spiel nach vorne, klare Passqualität", sagte Foda im Hinblick auf das Ukraine-Spiel. "Wir waren nicht entschlossen genug im Torabschluss." In vier der vergangenen fünf Länderspiele blieb die ÖFB-Auswahl ohne Torerfolg.

Um erstmals in der Verbandsgeschichte bei einer EM die Gruppenphase zu überstehen, dürfte in Bukarest auch ein 0:0 reichen. Die vier besten der sechs Gruppendritten kommen ebenfalls weiter. Um den Ukrainern noch Platz zwei abzuluchsen, müsste aber der zweite EM-Sieg nach dem 3:1 zum Auftakt gegen Nordmazedonien her. "Wir haben es immer noch in der eigenen Hand, uns für das Achtelfinale zu qualifizieren", betonte Foda.

Zu viele Fehler in Ballbesitz

Die Niederländer seien der Favorit in der Gruppe gewesen - und wurden dieser Rolle mit dem Poolsieg auch gerecht. "Insgesamt haben wir uns schon mehr vorgenommen. Aber man darf nicht vergessen: Wir haben gegen eine Topmannschaft gespielt, die sehr kompakt ist und außergewöhnliche Stürmer hat", sagte Foda. Dabei hatten Memphis Depay und Co. ihr Visier nicht einmal sonderlich gut eingestellt. Die "Oranjes" ließen noch einige Chancen liegen.

"Der entscheidende Unterschied war, dass wir oft in Ballbesitz zu viele einfache Fehler gemacht haben - und dadurch den Gegner zu Kontersituationen eingeladen haben", meinte Foda. Die eigenen Umschaltmomente, die durchaus vorhanden waren, hätte man nicht gut zu Ende gespielt. "Der Gegner war sehr entschlossen im Torabschluss, wir haben oft hinten herum gespielt."

Der Plan, mit Marcel Sabitzer und Christoph Baumgartner als Kreativspieler hinter Michael Gregoritsch zu beginnen, ging nicht auf. "Gregoritsch ist leider Gottes zu oft ins Mittelfeld gekommen - dadurch hat uns etwas die Tiefe gefehlt", sagte der Teamchef über seinen Mittelstürmer, dem gegen Nordmazedonien als "Joker" noch das vorentscheidende 2:1 gelungen war.

Gegen die Ukrainer dürfte Arnautovic im Sturmzentrum agieren - und damit erstmals seit November in einem Länderspiel in der Startformation stehen. Schlechter sieht es für Julian Baumgartlinger aus. Der ÖFB-Kapitän war in Amsterdam gar nicht im Kader, laut Foda wegen Adduktorenproblemen. Der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen habe deswegen zuletzt zwei Tage nur reduziert trainieren können. Im Abschlusstraining habe es der 33-Jährige noch einmal versucht. "Es gab keine Möglichkeit."

"Spiel nach vorne ein bisschen zu wenig"

Im zentralen Mittelfeld ersetzte Florian Grillitsch nach einer Stunde Konrad Laimer. Dieser hätte - selbst erst von Knieproblemen genesen - nach zwei Spielen von Beginn an bereits "etwas müde" gewirkt. Eine Verletzung sei laut Foda für den Wechsel aber nicht ausschlaggebend gewesen. "Wir wollten mit Florian Grillitsch neue Impulse bringen." Im Finish schob auch David Alaba aus der Abwehr verstärkt ins Mittelfeld - der eingewechselte Karim Onisiwo kam einem ÖFB-Treffer per Kopf noch am nächsten (85.).

"Unser Problem in der ersten Hälfte war, dass wir oft Bälle in der Vorwärtsbewegung verloren haben. Da hatten wir immer Schmerzen im Defensivverhalten", resümierte Foda. In der zweiten Hälfte habe man eine gute Spielphase gehabt. "Wir mussten aber immer wieder aufpassen, weil Holland sehr gut im Umschaltspiel ist. Jeder Ballverlust tat weh in der Vorwärtsbewegung." Und davon gab es in der Johan Cruijff Arena zu viele.

"Insgesamt war es im Spiel nach vorne ein bisschen zu wenig", meinte Foda. Trotz der Favoritenrolle der Niederländer hätte man den Punkt, der wohl zum Achtelfinale reichen würde, gerne schon in Amsterdam geholt. "Jetzt ist es wichtig, dass sich die Mannschaft erholt, dass wir regenerieren", sagte Foda. "Marko Arnautovic wird wieder zurückkehren. Dann haben wir gegen die Ukraine unser Finalspiel - da werden wir da sein."

Quelle: Agenturen / koa