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Thiem nach US-Open-Aus in erster Runde: "Überhaupt nicht schlecht"

29. Aug. 2022 · Lesedauer 5 min

Dominic Thiem hat bei seinem Comeback in New York gleich in der ersten Runde der US Open verloren, kann dem aber durchaus etwas Gutes abgewinnen.

Der 28-jährige Niederösterreicher, der vor zwei Jahren in Flushing Meadows seinen ersten Grand-Slam-Titel geholt hatte, verlor am Montag gegen den als Nummer 12 gesetzten Spanier Pablo Carreno Busta mit 5:7,1:6,7:5,3:6. Thiem stand nach seiner Handgelenksverletzung als aktuelle Nummer 211 nur dank einer Wildcard im Hauptfeld des letzten Tennis-Grand-Slam-Turniers des Jahres.

Bestes Matsch seit Paris

Unzufrieden war Österreichs einziger Vertreter im Einzel in New York allerdings nicht. "Das ganze Match war überhaupt nicht schlecht. Wahrscheinlich war es von der Intensität her und von den Schlägen her das beste seit Paris. Es gibt eine Menge guter Dinge von diesem Match mitzunehmen", sagte Thiem nach dem 3:18-Stunden-Match in der Pressekonferenz. "Jeder, der gedacht hat, dass ich heute der Favorit war, war weit weg von der Realität", stellte Thiem klar. Sein Gegner spiele eine tolle Saison. "Er hat Montreal gewonnen, er ist ein zweifacher Semifinalist hier und ich bin immer noch im Prozess zurückzukommen."

Thiem bestritt erst sein viertes Hartplatz-Match seit März 2021 und war zuletzt im Achtelfinale von Winston-Salem ausgeschieden. Er hält seit seinem Comeback auf der ATP-Tour seit vergangenem April bei nunmehr zehn Siegen und zehn Niederlagen (ohne Challenger). Sein bisher bestes Ergebnis seit seiner Rückkehr ist das Halbfinale von Gstaad.

Doppelfehler nach Abbruch wegen Serviette

Thiem startete stark in sein erstes Match in Flushing Meadows seit seinem Titelgewinn 2020. Ein Break gleich im Auftakt-Game brachte den Lichtenwörther in der Folge mit bis zu 4:2 in Führung, doch dem Spanier gelang im achten Spiel das Rebreak zum 4:4. Bei 5:4 Carreno Busta und 15:40 bei Aufschlag Thiem hatte der Weltranglisten-15. seine ersten beiden Satzbälle, die Thiem aber abwehrte und zum 5:5 ausglich.

Bei 5:6 lag Thiem klar auf Kurs Tiebreak, als er bei 40:30 einen Ballwechsel diktierte, dieser aber wegen einer vom Wind hereingewehten Serviette unterbrochen werden musste. Thiem beging bei der Wiederholung des Ballwechsels prompt einen Doppelfehler und musste den Satz dann nach 64 Minuten mit 5:7 abgeben.

"Der erste Satz war so ein bisschen Spiegelbild vom ganzen Match, es waren richtig gute Sachen dabei. Zum Beispiel die Vorhand im ersten Game, in dem ich ihn gebreakt habe, war die beste Vorhand seit ganz langer Zeit", erinnerte sich Thiem. Auch beim Rebreak und dem Break zum 5:7 habe das Tempo und die Aggressivität großteils gepasst. "Da ist die Vorhand halt rausgegangen, so hat sich das ganze Match weit gezogen."

"Natürlich der zweite Satz war nicht gut"

Carreno Busta behielt das Momentum nach Satz eins, Thiem musste bei 0:1 gleich seinen Aufschlag zum 0:2 abgeben. In dieser Tonart ging es weiter, für Thiem war in diesem Satz gar nichts mehr zu holen. Nach sieben verlorenen Games en suite (von 5:5 bis 0:5) gelang Thiem zumindest noch das Ehrengame, ehe Carreno Busta seinen zweiten Satzball nach 98 Minuten zum 6:1 nutzte.

"Natürlich der zweite Satz war nicht gut, da habe ich ein bisserl nachgelassen, aber dritter, vierter Satz war von der Intensität wieder sehr gut", analysierte Thiem. Dass es 15 Minuten später 3:0 für Thiem im dritten Satz stehen würde, war zu diesem Zeitpunkt nicht zu erwarten. Carreno Busta gelang zwar das Rebreak zum 2:3, doch der 31-Jährige musste doch wieder seinen Aufschlag zum 2:4 abgeben. Zu Null stellte Thiem auf 5:2. Dann wirkte Thiem wieder verkrampfter und ließ seinen Widerpart wieder in den Satz zurück. Fehlerhaft und inkonstant ging es weiter, Thiem vergab seinen Vorsprung wie schon im ersten Satz die 4:2-Führung. Fabelhafte Weltklasse-Schläge wechselten mit unerzwungenen Fehlern, doch Thiem erkämpfte sich das 6:5 und nach 2:33 Stunden schaffte er zum 7:5 doch den ersten Satzgewinn.

Die beinharten Grundlinienduelle gingen auch im vierten Satz weiter, doch es war Carreno Busta, der nun wieder das Kommando übernahm. Nach einem vergebenem Breakball zum 2:0 von Thiem nutzte der favorisierte Spanier seine zweite Chance zum 3:2. Der 1,88-m-Mann bestätigte das Break zum 4:2 - und diesmal gab es keine Wende mehr. Im insgesamt zehnten Duell mit Thiem feierte Carreno Busta seinen zweiten Sieg.

Im vierten Satz sei es das Gleiche wie im ersten gewesen, meinte Thiem. "Die eine (Break-)Chance, wo er gut serviert hat und dann habe ich das Gefühl gehabt, dass es ein offenes Match ist. Dann bei 2:2 und 40:15 mache ich drei Vorhandfehler in Folge, wo die Aggression passt und ich das Richtige mache, aber er geht einfach nicht rein", haderte der 17-fache ATP-Turniersieger.

Schläge erinnern an beste Zeiten

Für Thiem war es gesamt gesehen dennoch ein Schritt nach vorne. Noch fehlt es dem vierfachen Major-Finalisten an Konstanz, doch die Schläge erinnern immer mehr an seine besten Zeiten. Ein Thiem schon in dieser Form hätte wohl gegen viele andere Konkurrenten die zweite Runde erreicht. Der Auftritt war jedenfalls kein Vergleich mehr mit seinem Grand-Slam-Debakel bei den French Open im vergangenen Mai.

Wie es für Thiem nun unmittelbar weitergeht, ließ er offen. Fix sind für die nächsten Wochen vorerst nur die Turnier-Auftritte in Metz (ab 19.9.) und Tel Aviv (26.9.) sowie in der Wiener Stadthalle (24. Oktober).

Quelle: Agenturen