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Die Erkenntnisse aus Rangnicks erstem ÖFB-Kader

23. Mai 2022 · Lesedauer 4 min

Am Montag gab Ralf Rangnick seinen ersten Kader als ÖFB-Teamchef bekannt. Bei der Auswahl der 25 Spieler, die sich in der Nations League mit Frankreich, Dänemark und Kroatien messen würde, brachte durchaus die eine oder andere Überraschung mit sich.

Selten wurde eine Kaderbekanntgabe mit so großer Spannung erwartet wie diesmal. Selten war so schwer abzuschätzen, wer es ins ÖFB-Aufgebot schaffen könnte. Und vor allem, wer es nicht schafft. Ralf Rangnick hat seinen ersten Kader für das österreichische Nationalteam nominiert.

25 Kicker werden die vier Spiele in der UEFA Nations League in Kroatien (3. Juni) sowie gegen Dänemark (6. Juni) und Frankreich (10. Juni) und in Dänemark (13. Juni) in Angriff nehmen. Das sind die ersten Erkenntnisse aus dem ersten Kader des neuen Teamchefs:

Evolution statt Revolution

Es war nicht zu erwarten, dass Rangnick alles sofort auf links dreht. Mit dem Fußball von Teamchef Franco Foda mögen viele nicht einverstanden gewesen sein, dass der Ex-Teamchef aber die besten Kicker einberufen hat, darüber gab es in der Regel keine Zweifel.

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Für Rangnicks Stil mögen zwar die Besten nicht immer die Richtigen sein, auf die meisten von ihnen trifft aber sehr wohl beides zu. Und so ist der punktuell veränderte Kader dann auch zu erklären und sinnvoll.

Verlierer Aleksandar Dragovic 

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100 Länderspiele hat der Wiener in den Beinen, das ist vor ihm nur Andreas Herzog gelungen. Diesmal ist der Abwehrspieler, frischgebackener Meister mit Roter Stern Belgrad, der große Abwesende. Und das sind für den 31-Jährigen keine sonderlich guten Nachrichten, denn die Konkurrenz auf seiner Position ist riesig. Zudem fehlt Martin Hinteregger verletzt.

Es wäre als Überraschung zu werten, gäbe es für "Drago" einen Weg zurück. Doch der Abwehrrecke ist als Stehaufmanderl bekannt.

Gewinner Hannes Wolf 

Mehr als viereinhalb Jahre ist es her, dass Hannes Wolf zum letzten Mal im ÖFB-Team auf der Bank saß. Seither ist die Karriere des Steirers ziemlich ins Stocken geraten. In Leipzig nicht glücklich geworden, bei Gladbach nicht durchgesetzt, bei Swansea zuletzt nicht gerade überragend. Doch Rangnick kennt den 23-Jährigen und dessen Potenzial.

Seine Nominierung zeigt gut, dass für den neuen Teamchef nicht zwingend die aktuelle Form wichtig ist, sondern ob die grundsätzlichen Voraussetzungen gegeben sind, seine Spielidee umzusetzen.

Innen- statt Außenverteidiger

Der Kader deutet daraufhin, dass Rangnick auf ein System mit drei Innenverteidigern setzt.

Waschechte Außenverteidiger sind mit Stefan Lainer und Christopher Trimmel nämlich nur zwei dabei. Dafür aber jede Menge Kicker, die bereits Erfahrungen mit einer Dreierkette gesammelt haben bzw. selbst als Innenverteidiger stärker sind, aber auch Außenverteidiger spielen können – etwa David Alaba, Kevin Danso, Marco Friedl, Stefan Posch und Maximilian Wöber.

Neuinterpretation der Abrufliste

Unter Franco Foda war die Abrufliste meistens so zu interpretieren: "Lieber Spieler, du hast es zwar noch nicht in den Kader geschafft, ich habe aber deine guten Leistungen registriert und möchte dir so vermitteln, dass ich dich im Blickfeld habe!"

Unter Rangnick scheint das ganz anders zu sein. Abruf-Spieler sind jene Kicker, die sofort weiterhelfen können, wenn sich jemand aus dem aktuellen Kader verletzt. Beispiele: Julian Baumgartlinger, Stefan Ilsanker, Alessandro Schöpf und der eben schon thematisierte Dragovic.

Bundesliga-Kicker haben es wieder schwer

Austrias Patrick Pentz als Goalie ist der einige Bundesliga-Spieler im Kader, der nicht bei RB Salzburg unter Vertrag steht. Mit Rapids Marco Grüll und LASK-Keeper Alexander Schlager kommen zwei weitere auf der Abrufliste dazu.

Während sich das ÖFB-Team unter Foda für Spieler diverser Bundesliga-Klubs öffnete, könnten jetzt wieder schwere Zeiten für Spieler aus heimischen Gefilden anbrechen.

Keine Red-Bull-Überzahl

Neun von 25 Kaderspielern haben irgendwann mal bei Red Bull Salzburg gespielt. Das sind 36 Prozent. Wer also erwartet hat, dass ab sofort eine Vergangenheit in der Mozartstadt Pflicht ist, um im ÖFB-Team eine Chance zu bekommen, hat sich getäuscht.

Doch vor allem im Mittelfeld wird sichtbar, dass es am Rasen sehr wohl in diese Richtung gehen soll – denn in der Zentrale sind abgesehen von Christoph Baumgartner und Dejan Ljubicic nur ehemalige Salzburger zu finden.

Hinweis: Dieser Artikel ist zuerst auf laola1.at erschienen

Quelle: Redaktion / Laola1.at