Radoslaw Zak

Die Corona-Lotterie: Wie die UEFA-Qualifikationen zur Farce werden

25. Aug 2020 · Lesedauer 3 min

Wegen Coronavirus-Fällen konnte Slovan Bratislava nicht zur ersten Runde bei Klaksvik auf den Färöer Inseln antreten. Die UEFA entschied, die Slowaken vom Wettbewerb auszuschließen. Sie wehren sich nun dagegen.

Der europäische Fußballverband UEFA gerät zunehmend in Kritik. Letzte Entscheidungen der Berufungskommission, drei Klubs am grünen Tisch wegen Covid19-Fällen aus der Qualifikation zur prestigeträchtige Champions League ausscheiden zu lassen, sorgen für Unmut. Zuletzt traf es den slowakischen Meister Slovan Bratislava, davor die kosovarischen Teams KF Drita und FC Prishtina. 

Ersatzspieler aus anderen Teams

Drita sollte sich am 11. August im neutralen Nyon mit dem nordirischen Vertreter FC Linfield in der Vorqualifikation zur Champions League messen. Nachdem zwei Spieler des kosovarischen Meisters positiv auf das Coronavirus getestet worden waren, musste sich das gesamte Team nach Anordnung der Schweizer Behörden in Quarantäne begeben. Linfield wurde mit 3:0 vom Fußballverband zum Sieger erklärt, es kam erstmals ein neues Protokoll zur Anwendung. Wenn ein Klub nicht ausreichend Spieler für eine Qualifikation stellen oder kein Ausweichtermin gefunden werden kann, verliert die Mannschaft, in der es Infektionen gibt.  

Einen Ausweichtermin nachdem einige Spieler positiv getestet wurden, konnte in der Vorqualifikation zur Europa League der FC Prishtina, der sich mit den Lincoln Red Imps aus Gibraltar messen sollte, finden. Die UEFA erlaubte den Kosovaren sogar eine eigens eingeflogene Ligaauswahl antreten zu lassen. Im Ersatzkader kam es ebenfalls zu postiven Testungen, weswegen das Spiel abgesagt und für die Red Imps gewertet wurde. 

Slovan gibt sich nicht geschlagen

Für den slowakischen Vertreter Slovan Bratislava sollte die Partie in Klakvik, der zweitgrößten Stadt der Färöer Inseln, reine Formsache sein. Der finanzstarke Rekordmeister wollte in Europa in dieser Saison hoch hinaus. Weil aber der Masseur erkrankte, wurde das komplette Team von den Färingern in Quarantäne gesetzt. Slovan einigte sich mit der UEFA das zweite Team ins Rennen zu schicken, aber auch da kam es zu Coronavirus-Fällen. Klaksvik wurde zum Sieger gekürt und soll am 26. August unter Ausschluss von Fans in Bern gegen Young Boys Bern antreten. 

Um den sich gesetzten Ambitionen doch noch gerecht werden zu können, ziehen die Slowaken nun vor den internationalen Sportgerichtshof CAS. Wie slowakische Medien berichten, soll die komplette Mannschaft nach der Rückkehr in die Slowakei negativ getestet worden sein und will die Ergebnisse der Tests auf den Färöern in Frage stellen. In einer Aussendung bemängelte der Verein auch von "unfairem Verhalten der lokalen Behörden". Generaldirektor Ivan Kmotrík Jr. sieht diesen Schritt jedoch nicht als Kampf: Ich möchte jedoch betonen, dass wir keinen Kampf gegen die UEFA führen werden.

In diesem Fall verlor er insbesondere den Fußball aufgrund unfairer Maßnahmen der Behörden auf den Färöern, die alles unternahmen, um sicherzustellen, dass das Spiel nicht stattfand.

Ich möchte jedoch betonen, dass wir keinen Kampf gegen die UEFA führen werden. In diesem Fall verlor insbesondere der Fußball aufgrund unfairer Maßnahmen der Behörden auf den Färöern, die alles unternahmen, um sicherzustellen, dass das Spiel nicht stattfand.

Fans übten harte Kritik am Vorgehen der UEFA und warfen ihr Planlosigkeit für das Austragen der Qualifikation vor. Viele weisen darauf hin, dass der Verband Vertreter aus einer reicheren Liga nicht so vorschnell bestrafen und mehr Initiative für das Finden einer sportlichen Lösung an den Tag  legen würde. Slovan wird nach der Entscheidung am grünen Tisch nun in die Qualifikation zur Europa League zurückgestuft und könnte dort theoretisch ein Déjà-vu erleben: sollte Klaksvik in der Schweiz ausscheiden, kriegt es im Wettbewerb um die Europa League nochmals eine Chance.

 

 

 

 

 

 

Radoslaw ZakQuelle: Redaktion / zak