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Derby-Tradition fortgesetzt - Rapid im neuen Stadion sieglos

21. März 2022 · Lesedauer 4 min

Das Wiener Fußball-Derby steht für Tradition - auch bei den Ergebnissen. Das 1:1 am Sonntag im 335. Kräftemessen zwischen Rapid und Austria war das dritte 1:1 und das sechste Unentschieden in Folge. Und auch eine für die Hütteldorfer äußerst unangenehme Serie fand ihre Fortsetzung. Grün-Weiß hat seit der Eröffnung im Sommer 2016 noch nie im Allianz Stadion gegen Violett gewonnen, die Bilanz steht bei drei Niederlagen und sechs Remis.

Diese Statistik wurde von Austrias Torschützen Marco Djuricin genüsslich hervorgehoben. "Das Ergebnis ist in Ordnung, wir sind hier weiter ungeschlagen. Ich glaube, das ärgert sie extrem", sagte der Ex-ÖFB-Teamstürmer auf "Sky" und stichelte weiter: "Wenn ich vor gefühlt sechs Jahren ein Stadion eröffne und nie gegen den Erzrivalen gewinne, würde mir das auf die Nerven gehen."

Djuricins Vater Goran coachte Rapid als Cheftrainer von April 2017 bis September 2018, lieferte sich in dieser Zeit einige Scharmützel mit den Fans und war nach seiner Entlassung auch auf so manche Entscheidungsträger des Vereins nicht gut zu sprechen. In Anspielung darauf meinte Djuricin junior: "Mein Tor ist eine Genugtuung für mich und für meine Familie." Sein durch einen Patzer von Dejan Petrovic begünstigter Treffer zum Ausgleich in der 28. Minute fiel aus heiterem Himmel, danach hatte die Austria aber Chancen, um als Sieger vom Platz zu gehen. "Wir waren näher dran am 2:1, doch wir nehmen den Punkt gerne mit", erklärte Djuricin.

Auch Austria-Assistenzcoach Cem Sekerlioglu zeigte sich in Vertretung des in Corona-Quarantäne befindlichen Cheftrainers Manfred Schmid mit dem Unentschieden zufrieden, das Ende der fünf Spiele währenden Siegesserie und der Rückfall auf Platz drei der Bundesliga-Meistergruppe war wohl nur ein Wermutstropfen. Der 43-Jährige, der während der Partie regelmäßig mit Schmid in Kontakt stand, hob vor allem die gute Reaktion seiner Mannschaft auf das 0:1 und die Steigerung nach der Pause hervor. "Wir waren in der ersten Hälfte ein bisschen zu ungeduldig, haben uns von der Kulisse mitreißen lassen und zu schnell nach vorne gespielt. In der zweiten Hälfte haben wir es cleverer gemacht. Da haben wir ein bisschen etwas verändert, dadurch konnte Rapid nicht mehr so pressen."

Rapid-Coach Ferdinand Feldhofer sprach von einem "unterm Strich verdienten 1:1", trauerte aber den vergebenen Möglichkeiten nach dem 1:0 von Robert Ljubicic nach. "Wir haben nahezu perfekte erste 30 Minuten geboten, wo wir es verabsäumt haben, das 2:0 und 3:0 über die Linie zu drücken." Der Ausgleich sei "aus dem Nichts gefallen", betonte der Steirer. "Wir sind für den ersten Fehler hart bestraft worden, dann haben wir uns leider aus dem Konzept bringen lassen und nicht mehr so selbstbewusst agiert."

Schon in den vergangenen Wochen geriet Rapid nach Gegentoren trotz eines davor guten Auftritts des öfteren ins Wanken. "Wenn wir eine schlechte Szene haben, sind wir noch nicht so gefestigt, dass wir unser Ding weiter durchziehen. Daraus müssen wir lernen", meinte Feldhofer. Im Finish verzichtete Rapid angesichts der Konterstärke der Austria darauf, volles Risiko zu nehmen, wie der Coach berichtete. "Wir wollten unbedingt den Sieg, aber die Austria hat gute Qualitäten im Umschalten, da wollten wir keine großen Räume hergeben." Außerdem gestand Feldhofer: "Wir waren in der zweiten Hälfte nicht mutig und beweglich genug und haben zu sehr auf lange Bälle gesetzt."

Bei allem Ärger über den verpassten Sieg verspürte man im Lager von Rapid auch große Freude über ein stimmungsvolles und friedliches Heimspiel in einem mit 26.000 Fans ausverkauften Stadion. Damit wurde die höchste Zuschauerzahl für ein Liga-Match in Österreich seit Beginn der Corona-Pandemie verzeichnet. Die nächste Chance auf Massenbesuch gibt es am 10. April, wenn der WAC im Westen Wiens gastiert. Zu diesem Zeitpunkt wird Taxiarchis Fountas wohl schon ein Ex-Rapid-Spieler sein. Der vorzeitige Wechsel des Griechen zu DC United dürfte demnächst verkündet werden.

Quelle: Agenturen