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Das Firmen-Imperium des Gerard Pique

10. Jan. 2023 · Lesedauer 9 min

Der zurückgetretene Barcelona-Star hat auch nach dem Ende seiner aktiven Karriere eine Menge zu tun.

Überraschend kündigte Gerard Pique im November sein sofortiges Karriereende an. Der Abwehr-Star des FC Barcelona und der spanischen Nationalmannschaft hing mit 35 Jahren seine Fußballschuhe an den Nagel.

Der 102-fache Teamspieler, achtfache spanische Meister und dreifache Champions-League-Sieger sorgte bei seinem Rückzug vor allem auch deshalb für Furore, weil er zu Gunsten seines Vereins bei der vorzeitigen Auflösung seines Vertrags auf eine Menge Geld verzichtete. 80 Millionen Euro war der FC Barcelona dem spanischen Ausnahme-Kicker noch schuldig, großzügig erließ Pique seinem Verein, bei dem er schon als Jugendspieler in der Barca-Akademie La Masia ausgebildet worden ist, satte 50 Millionen Euro.

80 Millionen Euro schwer

Sorgen muss man sich deshalb um den 35-jährigen Katalalen freilich keine machen. Sein Vermögen wird auf 80 Millionen Euro geschätzt. Auch die Trennung von seiner langjährigen Ehefrau Shakira sollte diesbezüglich kein Kopfzerbrechen bereiten, kommt die kolumbianische Pop-Sängerin doch sogar auf ein Netto-Vermögen von fast 300 Millionen Euro.

Zudem wird Pique in Zukunft mit Sicherheit nicht langweilig werden. In den letzten Jahren hat sich der gelernte Innenverteidiger ein beeindruckendes Firmen-Netzwerk aufgebaut, mit dem er auch abseits seiner aktiven Karriere immer wieder für viele Schlagzeilen sorgte.

Umtriebiger Geschäftsmann

Wie viel Zeit und Energie er in seine zweite Karriere investierte, zeigt alleine dieses Zahlenspiel: Als er im Jahr 2018 seinen Rücktritt vom spanischen Nationalteam bekanntgab, nützte Pique eine Länderspielpause für mehrere Geschäftsreisen, die ihn rund um den Erdball trieben. Insgesamt kam er dabei auf über 20.000 Flugmeilen.

Pique mit den Zuckerbergs beim Business-Plausch:

Bei der Auswahl seiner Geschäftsfelder gibt sich Pique offen. Der umtriebige Spanier versuchte sich bereits mit einer Produktion von qualitativ hochwertigen, aber trotzdem preiswerten Sonnenbrillen, wagte frühzeitig das Experiment mit organischen Hamburgern, eröffnete ein gemeinsames Restaurant mit Ex-Frau Shakira und plante mit Barcelona-Innenverteidiger-Kollege Carles Puyol ein neues isotonisches Sportgetränk.

Gemeinsam mit Ex-Teamkollege Puyol vertreibt Pique ein isotonisches Sportgetränk:

Angesichts seiner Großprojekte verblassen diese kleineren Geschäfte allerdings. Denn Pique, der sogar schon einmal von der ehrwürdigen Harvard-Universität für einen Business-Vortrag engagiert worden ist, hat noch viel mehr zu bieten. Wir stellen euch hier die vier größten geschäftlichen Standbeine seines Firmen-Imperiums vor:

Kosmos

Das derzeit mit Abstand größte Unternehmen im Firmen-Imperium von Gerard Pique ist die wiederum in kleinere Firmen unterteilte Kosmos Holding. Im Jahr 2017 gründete er die Sport- und Medieninvestitionsgruppe gemeinsam mit Hiroshi Mikitani (Bild), die er seitdem auch als Präsident anführt.

Der 57-jährige Mikitani ist ein starker Partner und für Wirtschaftskenner alles andere als ein unbeschriebenes Blatt: Er hob im Jahr 1997 den japanischen Online-Riesen Rakuten aus der Taufe, der mittlerweile über 10 Milliarden Euro Umsatz im Jahr erzielt und als japanisches Pendant von Amazon gilt. Mit im Boot ist aber unter anderem auch US-Milliardär Larry Ellison, der mit der Software-Firma Oracle sein gewaltiges Vermögen aufbauen konnte.

Pique gemeinsam mit dem Rakuten-Boss, den er liebevoll "Mickey" nennt":

Kosmos hat in seinem Hauptsitz in Barcelona etwa 100 Mitarbeiter unter Vertrag und ist in drei Bereiche aufgeteilt: Kosmos Studio, Kosmos Fußball und Kosmos Tennis. Bei den Studios handelt es sich um eine Produktionsfirma, die sowohl Sport- als auch Entertainment-Content erstellt und vermarktet. Unter anderem zeichnen sich die Studios für die Doku „La Decision“ verantwortlich, in der der französische Torjäger Antoine Griezmann erklärt, warum er sich trotz eines Angebots vom FC Barcelona für Atletico Madrid entschied.

Kosmos Fußball investiert in Fußballvereine wie den FC Andorra, den wir in dieser Geschichte noch genauer vorstellen werden, oder den spanischen Klub Gimnastic Manresa. Aber auch ein Fantasy-Fußball-Spiel findet sich im Portfolio dieser Abteilung.

Aufregung um Saudi-Deal

Mit Kosmos sicherte sich Pique aber auch immer wieder Vermarktungsrechte- und Veranstaltungsrechte. So wird die spanische Supercopa seit 2019 dank Kosmos in Saudi-Arabien ausgetragen. 26 Millionen Euro müssen die neuen Gastgeber dafür pro Jahr an den spanischen Fußballverband RFEF überweisen – vier Millionen Euro pro Auflage kassiert Kosmos für den über sechs Jahre laufenden Vertrag.

Negative Schlagzeilen brachte der Deal, weil Anfang des Jahres eine Tonbandaufnahme über die internen Verhandlungsgespräche auftauchte. „Lasst uns die Saudis ausquetschen“, habe Pique laut der spanischen Zeitung „El Confidencial“ unter anderem zu den Verbandsverantwortlichen gesagt. Pique selbst nahm auf seinem eigenen Twitch-Kanal zu den Vorwürfen Stellung: „Alles, was wir getan haben, ist legal. Ich werde meinen Anteil an dem Interessenkonflikt offenlegen, ich möchte mein Gesicht zeigen, weil ich nichts zu verbergen habe. Ich bin stolz auf das, was wir bei Kosmos tun“, so Pique, der darauf verwies, dass er dem Verband Millionen-Einnahmen bescherte.

"Ich könnte auch den Rest meines Lebens auf dem Sofa verbringen, ohne was zu tun. In dieser Gesellschaft bedeutet Geldverdienen, Erfolg zu haben, und ich bin gerne erfolgreich bei dem, was ich tue."

Aufregung um radikale Davis-Cup-Reform

Das größte mediale Aufsehen erregte Kosmos in den vergangenen Jahren freilich mit seiner Tennis-Abteilung. Im Februar 2018 schloss Pique, der als guter Freund von Tennis-Superstar Rafael Nadal gilt, einen Mega-Deal mit dem Internationalen Tennisverband ITF ab.

Drei Milliarden US-Dollar in 25 Jahren versprach man dem Verband, um sich die Vermarktung des traditionsreichen Davis-Cup-Bewerbs zu sichern. Dieser wurde nach 118 Jahren postwendend radikal umgestaltet. Heim- und Auswärtsspiele gibt es nur mehr in den unteren Gruppen – die Weltgruppen-Nationen spielen bei einem großen Finalturnier mit einem jährlich wechselnden Finalort um die hässlichste Salatschüssel der Welt – so wird der Davis-Cup-Siegerpokal liebevoll bezeichnet.

Als Vorbild diente mit der Fußball-WM das größte Sportereignis der Welt. Der Plan ging bislang nur bedingt auf. Bei der Premiere 2019 hielt sich der Zuschauerandrang in Madrid trotz eines spanischen Finalsiegs über Kanada in Grenzen. 2020 fiel das Turnier wegen Corona ins Wasser, 2021 wurde erneut in Madrid gespielt, ehe es 2022 trotz langer Verhandlungen mit Abu Dhabi schließlich in Malaga landete.  Die Kritik an der Reform ist weiterhin groß.

Auch Sonnenbrillen gehören zum Firmen-Imperium von Pique:

FC Andorra

Wie angekündigt gebührt dem FC Andorra in dieser Geschichte ein eigenes Kapitel. Als die Kosmos-Gruppe den im Jahr 1942 gegründeten Verein aus der Hauptstadt Andorra la Vella übernahm, grundelte dieser mit mehreren 100.000 Euro Schulden in der spanischen Fünftklassigkeit herum. In diesem Sommer gelang bereits der Aufstieg in die „Segunda Division“, die zweithöchste spanische Spielklasse.

Pique verstärkte das Team seit der Übernahme dank seiner zahlreichen Kontakte innerhalb kürzester Zeit mit vielen Leistungsträgern und profitierte beim Aufstieg in die dritte Liga auch von der Corona-Pandemie, da ansonsten kein Klub die finanziellen Voraussetzungen für den Aufstieg in die nächsthöhere Spielklasse bereitstellen konnte. Ziel ist nunmehr der Sprung in die „La Liga“. In der Saison 2024/25 soll zudem das neue 26 Millionen Euro teure und 6.000 Zuschauer fassende Stadion fertig sein, das ebenfalls von Kosmos und Pique geplant wurde.

Zuletzt wurde gemunkelt, dass Pique für den FC Andorra sogar wieder seine Fußball-Schuhe schnüren könnte. Er überlegt diesbezüglich einen Rücktritt vom Rücktritt seiner aktiven Spieler-Karriere. Da Pique auch Mitbesitzer ist, müsste die Liga dafür aber auch noch grünes Licht geben, da es einen Interesenskonflikt zwischen dem Spieler Pique und dem Besitzer Pique geben könnte.

KOI

Auch in der Videospiel-Industrie ist Pique mittlerweile fest verankert. Schon Anfang der 2010er Jahre investierte er fleißig in Fußball-Manager-Spieler. Im Laufe der Zeit konzentrierte er sich immer mehr auf den schon seit einiger Zeit stark boomenden E-Sport. Im Jahr 2017 gründete er die Firma eFootball.pro und baute gemeinsam mit Konami eine PES-Liga auf.

Im Dezember 2021 präsentierte er auf einer Bühne in Barcelona vor 12.000 Menschen das neu erschaffene „KOI“-Team. Dieses ist unter anderem in der spanischen League-of-Legends-Liga am Start, in dem neben dem spanischen Streamer-Star Ibai Llanos mit dem 20-jährigen Daniel Binderhofer sogar ein Österreicher unter Vertrag steht. Auch zu den Spielen „Teamfight Tacits“ und „Valorant“ stellt „KOI“ eigene Teams ab.

Kerad Holding

Den Startschuss für seine Karriere als Geschäftsmann gab Gerad Pique im Jahr 2009 mit der Gründung der Kerad Holding ab. Es handelt sich hierbei um eine Immobilien- und Vermögensverwaltungsfirma. Kerad Holding kümmert sich laut eigener Beschreibung um „den Erwerb, das Halten und der Verwaltung aller Arten von übertragbaren Wertpapieren, Anteil oder anderen Titeln, die die Kreditrechte anderer Unternehmen darstellen.“

Im vergangenen Jahr kaufte Pique an einem der begehrtesten Plätze in Malaga eine Immobilie, um dort ein neues 5-Sterne-Hotel zu errichten. Die Gesamtkosten für das Projekt sollen in etwa 50 Millionen Euro betragen. 2021 verzeichnete das Unternehmen einen Gewinn von 8,4 Millionen Euro, der Unternehmenswert konnte zudem um über 50 Prozent auf 64,5 Millionen Euro gesteigert werden – Pique soll dabei allerdings etwa 14 Millionen Euro zugeschossen haben.

Federführend in der Kerad Holding ist übrigens Papa Joan Pique, der gemeinsam mit Sohnemann Gerard für die Geschäftsführung zuständig ist.

Pique auf der Harvard-Universität:

Pique feilt an eigener Fußball-Liga

An Ideen mangelt es Pique übrigens auch in Zukunft nicht. Laut der "Marca" feilt der Tausendsassa derzeit gerade ein einer eigenen Fußball-Liga. Das Ziel sei ein spektakulärer und moderner Wettbewerb - zwölf Mannschaften, sechs Spieler pro Team und auf die Attraktivität des Spiels abzielende Regeln.

Als Trainer sollen unter anderem Fußball-Legenden wie Ex-Barca-Teamkollege Sergio Agüero und Torhüter-Ikone Iker Casillas fungieren, Spielort soll die katalanische Metropole Barcelona sein. Ausgestrahlt soll die Pique-Utopie über Internet-Plattformen wie Twitch und Youtube werden.

Dem eigentlichen Wettbewerb soll eine Art Spieler-Casting vorangehen - motivierte Fußballer sollen sich in diesem physischen und spielerischen Tests unterziehen und so um die Teilnahme am "Kings-Cup" kämpfen. Schlussendlich soll 120 Kandidaten, per Drafting-System auf die zwölf Mannschaften aufgeteilt, die Ehre zu Teil werden im Pique-Turnier anzutreten.

Wir sind auf jeden Fall gespannt, wie das Leben des Gerard Pique in den kommenden Jahren noch weiter entwickeln wird.

Dieser Artikel ist zuerst auf laola1.at erschienen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / tgo