APA - Austria Presse Agentur

Daniil Medwedew stoppt Major-Siegeslauf von Djokovic

13. Sept 2021 · Lesedauer 4 min

Der Nachfolger von Dominic Thiem als US-Open-Sieger heißt also nicht Novak Djokovic, sondern Daniil Medwedwew. Der Russe verdarb dem 34-jährigen Serben am Sonntag in Flushing Meadows wohl seine letzte Chance, den legendären "Grand Slam", also den Triumph bei allen vier Major-Turnieren im gleichen Kalenderjahr, einzufahren. Für Djokovic blieb großes Lob des 25-Jährigen und vor allem ein Publikum, das sich auch hinter den Serben stellte, mehr als nur ein Trostpflaster.

Denn der seit Jahren teilweise auch verkrampft um Anerkennung ringende Djokovic hatte nicht nur im Vorjahr seine Probleme, auch mit dem New Yorker Publikum. 2020 war er ja wegen eines unglücklich weggeschlagenen Balls, der eine Linienrichterin am Hals traf, sogar disqualifiziert worden. "Ihr habt meine Seele berührt, danke für eure Unterstützung und alles, was ihr heute Abend für mich gemacht habt", freute sich Djokovic. Dass ihn Medwedew dann erstmals öffentlich auch als den seiner Meinung nach "Größten aller Zeiten" bezeichnete, war wohl auch Balsam auf die Wunde der verpassten historischen Chance. Später gab Djokovic auch zu, dass er "Erleichterung" nach dem Match empfunden habe, wegen dem enormen Druck, der auch rundherum um ihn aufgebaut worden war.

Dass der 34-jährige, weiter 20-fache Grand-Slam-Sieger aber noch einmal vor dem Kalender-Slam stehen wird, darf angezweifelt werden. Einerseits, weil man Rafael Nadal zumindest bei den French Open 2022 wieder alles zutrauen kann und auch Dominic Thiem stärker denn je zurückkommen möchte. Andererseits, weil die nächste und übernächste Generation ebenfalls ihr Level weiter steigern wird. Ob Medwedew selbst, die für ihre ersten Major-Titel überfälligen Alexander Zverev und Stefanos Tsitsipas, oder vielleicht schon bald einer wie Carlos Alcaraz werden einem nicht jünger werdenden Djokovic näher rücken.

Titel Nummer 21 und damit die Alleinstellung vor Roger Federer und Nadal (ebenfalls jeweils 20) könnte dem "Djoker" schon bei den Australian Open im Jänner gelingen. Don Budge (1938) und Rod Laver (1962 und 1969) bleiben aber wohl noch längere Zeit die beiden einzigen männlichen Spieler, die alle vier Majors im selben Kalenderjahr gewonnen haben. "Im Tennis lernt man schnell, über bittere Niederlagen hinwegzukommen", sagte Djokovic, der sechs seiner neun Finali in New York verlor. "Neue Herausforderungen kommen. Ich liebe diesen Sport noch immer und werde weitermachen, so lange ich motiviert bin."

Aus der Ferne beobachtet hat u.a. auch Thiem den Triumph seines Nachfolgers. "Was für eine Performance. Gratuliere zu deinem ersten Grand-Slam-Titel Daniil!", gratulierte der seit Kurzem 28-jährige Niederösterreicher dem Russen. Thiem wurden die 2.000 Zähler im ATP-Ranking gestrichen, er ist nun nur noch Achter und wird bis zu seinem für Jänner avisierten Comeback noch weitere rund 2.500 Punkte verlieren. In den Top 20 könnte er noch überwintern, allerdings kann er ja mit "geschütztem Ranking" (ATP-Nr. 5) wieder einsteigen.

Für Medwedew ist die Saison hingegen noch lange nicht vorbei. Der dritte russische Grand-Slam-Sieger nach Jewgenij Kafelnikow und Marat Safin hat viel Selbstvertrauen getankt. "Zu wissen, dass ich jemanden geschlagen habe, der bei Grand Slams eine 27:0-Bilanz hatte und gegen den ich in Australien noch verloren habe, und der große Geschichte schreiben wollte - das macht den Sieg noch süßer und gibt mir Selbstvertrauen für das, was noch kommt."

Gemeinsam mit Sensationssiegerin Emma Raducanu (GBR) sind die US Open, die nach dem Pandemiejahr wieder vor vollem Haus und vielen Hollywood-Stars (darunter im Finale vor Brad Pitt, Bradley Cooper u.v.m.) ausgetragen wurden, auch aus anderem Grund herausragend. Es ist es das erste Mal seit den French Open 2004, dass es bei Frauen und Männern neue Major-Siegesgesichter gegeben hat (damals Anastasia Myskina und Gaston Gaudio).

Und auch Medwedew hat Geschichte geschrieben: Neben Thiem ist er der erst zweite Major-Sieger der Männer, der in den 1990er-Jahren geboren wurde. Die Vorherrschaft der "big three" war zuvor seit 2009 nur von Juan Martin Del Potro (1 x), Andy Murray und Stan Wawrinka (je 3 x) und Marin Cilic (1 x) durchbrochen worden.

Am Ende soll der außergewöhnliche Jubel von Medwedew stehen. Nach dem Matchball ließ er sich auf die Seite zu Boden fallen, mit starr geöffnetem Mund: "Ich spiele gerne FIFA. Ich spiele gerne Playstation. Das nennt sich Toter-Fisch-Jubel", erklärte er später. "Jeden, den ich gesehen habe, der FIFA spielt, dachte, das war legendär. So wollte ich es machen." Am Abend war wohl eher sehr Lebhaftes angesagt: "Russen wissen wie man feiert, ich hoffe, ich komme nicht in die Nachrichten", scherzte Medwedew.

Quelle: Agenturen