AFP

Champions League: Chaos und Tränengas am Stade de France

29. Mai 2022 · Lesedauer 4 min

Tränengas gegen Fußballfans, Tumulte an den Eingängen, ein "absolutes Fiasko": Die verstörenden Bilder beim Einlass-Chaos am Stade de France vor dem Champions-League-Finale am Samstag zwischen Liverpool und Real Madrid (0:1) haben für Empörung gesorgt.

Ein "katastrophales Bild von Frankreich" sei gezeichnet worden, schrieb die Zeitung "Le Figaro". Die Polizei registrierte rund um das Endspiel 238 Verletzte und 105 Festnahmen.

Aggressives Vorgehen gegen Fans

In den Sozialen Medien tauchten etliche Fotos und Videos auf, die einen mindestens unverhältnismäßigen Einsatz der Ordnungskräfte am Stadion zeigten. Die Europäische Fußball-Union UEFA erklärte das Chaos durch das hohe Aufkommen von Fans ohne gültige Tickets. Die Drehkreuze am Eingang von Liverpool seien blockiert gewesen, weil Tausende Anhänger, die gefälschte Tickets erworben hätten, diese nicht passieren konnten, teilte die UEFA am späten Samstagabend mit. Dadurch sei es zu Staus gekommen. Der Anpfiff sei verschoben worden, um möglichst vielen Fans mit Tickets den Einlass zu ermöglichen.

Die Polizei habe Tränengas eingesetzt, hieß es von der UEFA. Der Kontinentalverband äußerte Mitgefühl für diejenigen, die durch die Vorfälle betroffen gewesen seien und kündigte eine Aufarbeitung mit der französischen Polizei und dem französischen Verband an. Laut Polizei habe es sich bei den Verletzungen um "leichte" Blessuren gehandelt, die Versorgung habe vor Ort stattgefunden. Fanvertreter kritisierten eine einseitige Darstellung der UEFA. Die britische Boulevardzeitung "The Sun" schrieb vom "Stade de Farce".

Die französische Sportzeitung "L'Équipe" sah "ein absolutes Fiasko". Es sei eine "Inkompetenz der französischen Organisatoren" gewesen, die "dramatische Folgen hätte haben können, wenn die Liverpool-Fans nicht unendlich geduldig gewesen wären". Polizisten der englischen Merseyside Police, die ebenfalls vor Ort waren, verteidigten die Fans, wie die BBC berichtete. Deren Verhalten an den Drehkreuzen sei "vorbildlich unter schockierenden Umständen" gewesen und sie seien "zu 100 Prozent nicht zu spät gekommen", betonten die Einsatzkräfte.

Schnelle Aufarbeitung gefordert 

Liverpool forderte die schnelle Aufarbeitung. "Wir sind sehr enttäuscht von den Problemen beim Stadion-Einlass und dem Zusammenbruch des Sicherheitsbereichs, dem Liverpool-Fans heute Abend im Stade de France ausgesetzt waren", teilte der englische Club noch während der Partie mit. "Wir fordern eine offizielle Untersuchung zu den Gründen dieser inakzeptablen Probleme."

Auch Freunde von Liverpools Außenverteidiger Andy Robertson waren betroffen. "Einem meiner Kumpel wurde gesagt, dass sein Ticket eine Fälschung sei, was nicht der Fall war, das versichere ich Ihnen. Es war wirklich ein Durcheinander", sagte der 28-Jährige der BBC: "Dass Tränengas gegen Menschen eingesetzt wurde, war inakzeptabel. Es war schrecklich für unsere Fans und alle Familien, die das miterlebt haben."

Anfängliche Verwirrung um Anpfiff-Verschiebung 

Der Anpfiff war um 36 Minuten verschoben worden. Zunächst hatten die Veranstalter auf der Anzeigetafel Sicherheitsgründe angegeben, danach hieß es, dass es am "verspäteten Eintreffen von Fans" liege. "Ich bin nicht sicher, dass es möglich ist, ein Event schlechter zu organisieren, sogar falls man es versuchen würde. Absolut chaotisch und gefährlich", twitterte die englische Fußball-Legende Gary Lineker mit der UEFA als Adressat. Die Begründung der Verzögerung durch eine späte Ankunft der Fans bezeichnete er als "Bullshit".

Polizei verteidigt sich

Die Pariser Polizei twitterte am Abend auf französisch, englisch und spanisch, dass Fans nicht versuchen sollten, sich den Zugang zu erzwingen. Innenminister Gérald Darmanin schrieb auf Twitter: "Tausende von britischen 'Fans' haben sich ohne oder mit falschen Tickets den Eintritt erzwungen und manchmal die Ordnungskräfte angegriffen." Das Finale war wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine von St. Petersburg nach Frankreich verlegt worden.

Quelle: Agenturen