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Antonelli mit Sieg im Grand Prix von Japan zur WM-Führung

Heute, 06:47 · Lesedauer 4 min

Der Italiener Kimi Antonelli hat den Formel-1-Grand-Prix von Japan gewonnen und ist damit zum jüngsten WM-Führenden der WM-Geschichte aufgestiegen. Der Mercedes-Pilot legte nach seinem Premieren-Triumph zwei Wochen davor in Shanghai am Sonntag in Suzuka nach, profitierte von der Pole Position aus gestartet aber auch vom Rennverlauf. Der Australier Oscar Piastri sorgte als Zweiter für ein kräftiges McLaren-Lebenszeichen, Charles Leclerc im Ferrari landete auf Rang drei.

"Es ist ein bisschen zu früh, an die WM zu denken. Aber wir sind auf einem guten Weg", sagte Antonelli doch recht abgeklärt. "Ich bin absolut happy, auf so einer besonderen Strecke gewonnen zu haben. Das ist ein einmaliges Erlebnis." Piastri trauerte dem Sieg nicht wirklich nach, freute sich vielmehr über seinen heuer ersten Podestplatz sowie seine ersten Punkte. "Als Zweiter darf ich im Moment nicht enttäuscht sein, ein großes Danke an das Team." Leclerc sprach auf ServusTV von einem guten Rennen: "Es hat Spaß gemacht."

Antonelli machte in der WM nach drei von 22 WM-Rennen sowie einem von sechs Sprints aus einem Vier-Punkte-Defizit einen Vorsprung von neun Punkten auf den nur auf Rang vier gekommenen Teamkollegen George Russell, und hat nun schon 72 Zähler. Das Ferrari-Duo von Leclerc und Lewis Hamilton folgt 14 bzw. 22 Punkte hinter Russell. In der Konstrukteurswertung führt Mercedes 45 Punkte vor Ferrari, McLaren ist die dritte Kraft. Die WM wird nach einer durch den Iran-Krieg bedingten Pause erst am ersten Mai-Wochenende in Miami fortgesetzt.

Die Schlüsselszene des Rennens war ein Unfall des Haas-Piloten Oliver Bearman in der 22. Runde. Die darauffolgende fünf Runden lange Safety-Car-Phase nutzte neben den Ex-Weltmeistern Hamilton und Max Verstappen auch Antonelli zum Reifenwechsel. Der 19-Jährige war unmittelbar vor dem Crash erstmals nach dem Start in Führung gelegen, nachdem Russell zum Reifenwechsel an die Box gefahren war - eine Runde zu früh, wie sich herausgestellt hat. Doch den Unfall Bearmans und die folgende neutrale Phase konnte niemand vorausahnen.

Als das Rennen in der 27. Runde wieder freigegeben wurde, bestimmte Antonelli das Tempo an der Spitze und gab die Führungsposition bis zur 53. und letzten Runde nicht mehr ab. Russell wurde recht schnell nach dem Re-Start von Hamilton auf Rang vier verdrängt, fiel gar auf Position fünf zurück und verpasste letztlich als Vierter das Podest. Piastri hingegen holte bei seiner ersten Zielankunft in einem WM-Rennen in diesem Jahr gleich dicke Punkte. Teamkollege und Weltmeister Lando Norris wurde hinter Russell und vor Hamilton Fünfter.

Piastri hatte von Startplatz drei aus den wegen eines Unfalls in einem Rahmenrennen um zehn Minuten verschobenen Start am besten erwischt, ging wie Leclerc fast mühelos an den beiden Mercedes vorbei. Beim Rennstall von Teamchef Toto Wolff zeigte sich erneut, dass der Start die größte Schwäche ist. Antonelli wurde gar von ganz vorne binnen weniger Meter auf Platz sechs zurückgespult. Russell war hinter Piastri, Leclerc und Norris Vierter, Hamilton Fünfter. Der von Platz elf gestartete Max Verstappen blieb das gesamte Rennen hinter den Top sechs, wurde letztlich Achter.

McLaren und Ferrari näher an Mercedes dran

Was sich im zweiten von den McLaren dominierten Freitag-Training angekündigt hatte, bestätigte sich im dritten WM-Lauf im Jahr der Regel-Revolution. Waren in Australien und China die Mercedes klar überlegen gewesen, hielten sich Mercedes, McLaren und Ferrari nun auf viel ähnlicherem Niveau auf. Das auch, da in Suzuka mit den neuen Wagen mehr und öfter überholt wurde als früher auf diesem Kurs. So konterte Piastri Russell postwendend, als dieser in Runde acht erstmals in Führung gegangen war. Nur Antonelli war für den Australier zu schnell.

Der Sieger möchte die wegen der Absagen der Grand Prixs von Bahrain und Saudi-Arabien nun fünfwöchige Formel-1-Pause für Startübungen nutzen. "Ich hatte einen grauenhaften Start. Ich habe jetzt ein paar Wochen Zeit, das Kupplungsverhalten zu trainieren." Ihm sei auch bewusst, dass die Safety-Car-Phase ihm in die Karten gespielt hat. "Da hatten wir Riesenglück. Ich weiß nicht, was ohne Safety-Car passiert wäre." Piastri sah es ähnlich: "Es wäre interessant, was dann passiert wäre." Leclerc war einer der Leidtragenden davon, mit Kampf rettete er sich aber auf das Podest.

Antonelli bekam von Wolff "ein super Rennen" attestiert, "Nach einem verhauten Start. Da muss er in die Fahrschule zurück und üben, wie man die Kupplung loslässt", sagte der Wiener launisch. "Aber dann hatte er richtig Glück mit dem Safety Car, das gehört auch dazu." Russell wiederum habe den Nachteil gehabt, dass das Set-up nicht ideal gewesen sei. Und Mercedes spürt den Atem der Konkurrenz: "Der Druck wird immer größer. Wir werden versuchen, das abzuwehren." Das gelte auch für die Titelhoffnungen Italiens für Antonelli. "Wir müssen das abdämpfen, das ist viel zu früh."

Zusammenfassung
  • Kimi Antonelli hat als jüngster Fahrer der Formel-1-Geschichte mit seinem Sieg beim Grand Prix von Japan die WM-Führung übernommen.
  • Der 19-jährige Mercedes-Pilot profitierte von der Pole Position und einer fünf Runden langen Safety-Car-Phase nach einem Unfall von Oliver Bearman in Runde 22.
  • Oscar Piastri (McLaren) wurde Zweiter und Charles Leclerc (Ferrari) Dritter, während George Russell (Mercedes) nach einem verpatzten Boxenstopp das Podest verpasste.
  • Antonelli führt nach drei von 22 Rennen und einem Sprint mit 72 Punkten vor Russell (63), Mercedes liegt in der Konstrukteurswertung 45 Punkte vor Ferrari.
  • Das nächste Rennen findet nach einer fünfwöchigen, durch den Iran-Krieg bedingten Pause am ersten Mai-Wochenende in Miami statt.